Rückblende. Cup-Halbfinal 2025. Tissot-Arena in Biel. Der Gegner? YB. Das Spiel ist in der Verlängerung. Ref Alessandro Dudic pfeift einen Penalty, den es nicht geben dürfte. Den der VAR hätte kassieren müssen. Tut er aber nicht. Ein gewisser Malko Sartoretti schickt sich an, den Job in der 99. Minute zu machen. Er macht ihn. Eiskalt. Und so wird der Name Sartoretti fast Synonym für eine neue Art von Veryoungboysen. Der 20-Jährige steht mit seinen Seeländer Kumpels aus der Promotion League im Final. Als erster Drittligist in der 100-jährigen Cupgeschichte! Sartoretti trifft auf dem Weg ins Endspiel in jeder Runde. Ausser im Final gegen den FC Basel, der diesen 4:1 gewinnt. Am Ende der Saison steigt Sartoretti eine Liga auf und wechselt zu Stade-Lausanne-Ouchy.
Sartoretti hat zwei Cupbewerbe gespielt, beide enden im Final
Ein Jahr später. SLO eliminiert der Reihe nach Winterthur, Luzern und GC und steht seinerseits im Final. Sartoretti, der im Sturmzentrum seit dem Winterabgang des besten SLO-Torschützen Warren Caddy (9 Tore) zu Randers in Dänemark gesetzt ist, trifft … kein einziges Mal im Cup. In der Liga bucht der Lausanner fünf Mal. Hat er sich die Cuptore diesmal für den Final aufgespart? «Wir werden sehen. Auch ich hoffe jedenfalls, dass es so ist …»
Sartoretti bestreitet bei seiner zweiten Cup-Teilnahme seinen zweiten Final. «Das ist schon aussergewöhnlich, ja unglaublich.» Der Blondschopf ist der Junge mit der unglaublichen Cup-Story. Wer sind die übrigen zehn «Stadisten», so nennen die Romands die SLO-Spieler? Blick stellt diejenigen zehn vor, von welchen wir glauben, dass sie die Startformation bilden werden:
Léo Besson (23)
Der Name der Servette-Leihgabe mag nicht danach klingen, aber der SLO-Keeper ist der kosovarische U21-Nationalgoalie. Er vertritt die eigentliche Nummer 1, Dany Da Silva, der sich Anfang April verletzt hat, und war einer der Heroen des Halbfinal-Siegs gegen GC (2:0).
Nicola Sutter (31)
Sportchef Hirac Yagan wollte unbedingt einen mit Deutsch(-Schweizer) Mentalität als Abwehrchef und wurde beim Berner mit 259 Einsätzen für den FC Thun und zwei in der U21-Nati fündig. Der Neffe von Alain Sutter und Sohn von Ex-YB-Spieler René ist auch offensiv gefährlich: fünf Tore und drei Assists!
Breston Malula (25)
Der Innenverteidigerpartner von Sutter hat bei YB alle Juniorenmannschaften durchlaufen, es aber nicht ins Fanionteam geschafft. Gegen Winterthur und Luzern spielte der Kongolese von Beginn weg, gegen GC aber stand Théo Barbet in der Startelf. Gegen Nyon und Xamax zuletzt aber wieder Malula.
Théo Barbet (25)
Weil Trainer Dalibor Stevanovic in den letzten drei Spielen auf eine Dreierkette setzte und alle gewann, ist auch im Cupfinal von dieser Formation auszugehen. Und so hat es auch Platz für Barbet, den Franzosen aus Mâcon, der die Saison bei Almere City begonnen hat, in der zweiten holländischen Liga … zusammen mit Servette-Shootingstar Junior Kadile (23).
Issa Kaloga (22)
57 Spiele machte der Schweiz-Senegalese aus Genf für die U21 von Servette. Aber dann nur zwei in der 1. Mannschaft. Also wechselt er zu SLO, wo er unersetzlich geworden ist, sei es hinten rechts oder auf der rechten Aussenbahn. Weshalb ein Abgang in die Super League erwartet wird.
Bastien Conus (28)
Der gebürtige Basler ist am Rheinknie fussballerisch ausgebildet worden, aber fürs «Eins» hat es nicht gereicht. Über Chiasso, Aarau und Osnabrück ist er in Lausanne gelandet. Dort war er hinten links gesetzt, spielte aber zuletzt als Aufräumer im defensiven Mittelfeld.
Néhemie Lusuena (28)
Der Archetyp des Staubsaugers. Hart und unerbittlich. Nichts liebt der Schweiz-Kongolese mehr, als den Ball in den Füssen des Gegenspielers zu klauen. Wurde in Yverdon ausgebildet. Konnte dort auch eine Super-League-Saison miterleben, allerdings ohne eine Hauptrolle zu spielen.
Landry Nomel (28)
Funktioniert als Flügel wie auch als defensiverer Aussenläufer. Der Franko-Ivorer ist ein Kind von Angers und kam nach einer zehn Klubs (!) umfassenden Odyssee via zweite türkische Liga zu SLO. Mit acht Assists der viertbeste Vorbereiter der Liga, schoss das 1:0 im Cup-Halbfinal gegen GC.
Vasco Tritten (20)
Kommt aus der schier unversiegbar scheinenden Talentschmiede von Servette, die bei SLO in einem speziellen Fokus steht. Der Schweiz-Portugiese ist ein Spektakelspieler, vif und technisch beeindruckend. Setzte dem Cup-Halbfinal mit seinem magistral direkt verwandelten Corner (90.) den Deckel drauf, stand aber mit seinem maximal provokativen Torjubel am Ursprung des Ausrastens der GC-Ultras und der nachfolgenden massiven Ausschreitungen.
Keasse Bah (21)
Der Ivorer kam erst vor einem Jahr nach Europa, zu Ararat Jerewan in Armenien. Der Klub, an dem SLO-Besitzer Vartan Sirmakes Anteile hält. Er holt Bah dann in die Schweiz. Nach nur einer Saison flattern bereits die ersten Offerten von Super-League-Klubs ins Haus. Doch Hirac Yagan hat klargemacht: Unter 2 Millionen geht nichts!
Formation: Besson; Sutter, Malula, Barbet; Kaloga, Conus, Lusuena, Nomel; Tritten, Sartoretti, Bah.

