Darum gehts
- Christian Constantin nennt es «chiant», beschissen, gegen SLO zu spielen
- SLO besiegte drei Superligisten, 7000 Waadtländer Fans reisen ins Wankdorf
- Nach Durstrecke in der Liga kam SLO in den letzten drei Spielen wieder richtig in Fahrt
Es sei «chiant», sagt Sion-Boss Christian Constantin (69) über den Underdog im 101. Cupfinal. Der nur zu gerne als zweiter Challenge-Ligist die Sandoz-Trophäe gewinnen würde. Der erste war … der FC Sion.
Doch was bedeutet das, «chiant»? Das hat nichts mit Wein zu tun, bei dem ein «i» vergessen gegangen ist. Sondern kommt von «chier» was schlicht «scheissen» heisst. Es ist also ein umgangssprachlicher, sehr gebräuchlicher Ausdruck, der von einem Vulgärverb stammt. Er bedeutet so viel wie «beschissen» oder «lästig».
CC: «Wir haben diese Saison zwei Testspiele gegen SLO gehabt und keines gewonnen. Wir sind zweimal im Cup gegen die ausgeschieden. Und vor allem haben wir die Barrage 2023 verloren und sind mit zwei Niederlagen abgestiegen. Es war immer fürchterlich mühsam gegen SLO. Chiant.»
Der Underdog will wieder eklig sein
Und nun muss ausgerechnet der Viertplatzierte der Super League, der FC Sion hoffen, dass SLO verliert. Denn nur dann sind die Walliser europäisch.
SLO-Coach Dalibor Stevanovic (41) war bei allen von CC erwähnten Schlappen ausser der ersten Cup-Sensation 2017 dabei. Sei es von 2020 bis 2024 als Assistent und seither als Headcoach. «Es macht Freude, aus dem Mund von CC zu hören, dass wir eklig sind. Das bedeutet: Wir machen einiges richtig.» Eklig will SLO auch im Final sein. Und schon sind wir beim Matchplan des Aussenseiters. «Es wird wichtig sein, Struktur und unsere Identität beizubehalten.» Und die heisst: Hoch pressen, noch höhere Intensität, die Offensive suchen.
«Im Fussball hat man nur Freude, wenn man gewinnt ...»
Wozu das führen kann, davon können Winterthur, Luzern und GC ein Liedchen singen. Gleich drei Super-Ligisten hat SLO auf dem Weg nach Bern eliminiert. «Um die Wahrheit zu sagen: Was wir bisher erreicht haben, ist aussergewöhnlich», so der 22-fache slowenische Nationalspieler Stevanovic. Genau das macht die Freude auf den Final so riesig! Und wir wollen auch in diesem Spiel Freude haben. Doch die hat man im Fussball nur, wenn man gewinnt.»
Natürlich seien die Ostschweizer haushohe Favoriten. «Doch das waren die drei anderen Super-League-Teams auch.» Und schliesslich könnten dann und wann aller guten Dinge auch mal vier sein. «Jedenfalls spielen wir auch zu elft. Wie St. Gallen. Angst hat der furchtlose Mann aus Ljubljana jedenfalls nicht, der in seiner Spielerkarriere durch Russland, Polen, die Ukraine, Holland, Spanien, Israel und Kroatien tingelte, bevor er in der Schweiz sesshaft wurde und zuletzt bei Stade Nyonnais und Servette spielte.
Zehnmal mehr SLO-Fans im Wankdorf als auf der Pontaise
Der zwölfte Mann wird allerdings Grünweiss sein. Nur rund 7000 Fans aus Lausanne werden anreisen. Dazu versucht der Klub noch die rund 3500 übriggebliebenen Tickets in letzter Sekunde zu «verteilen». Hartes Brot, wenn man derart wenige Anhänger hat. Stevanovic: «Da können wir nicht mithalten. Aber 7000 sind schon zehnmal mehr als sonst auf die Pontaise kommen. So muss man das sehen.»
Lausanne ist eine Sportstadt mit dem Olympischen Museum und der nahen Uefa. Aber in Sachen Mannschaftssport ist es zu einer Eishockeystadt geworden. Fast 9300 Fans schauen sich im Schnitt die Spiele des Lausanne HC an. Auslastungsquote: über 96 Prozent. Davon können sowohl Lausanne-Sport mit seinen 6530 Zuschauenden trotz neuen, schicken Stadions nur träumen. Erst recht SLO mit durchschnittlich 635 Fans. «Man hat das Gefühl, Fussball sei überall auf der Welt die klare Nummer eins», philosophiert Stevanovic. «Hier nicht.»
Zuletzt kam SLO wieder so richtig in Fahrt
Nichtsdestotrotz sagt der Slowene SLO eine positive Zukunft voraus. «Wir haben in den letzten Jahren etwas aufgebaut, das nachhaltig ist und einige grosse Spieler herausgebracht.» Allen voran WM-Teilnehmer Zeki Amdouni (25), der 2022 für über zwei Millionen Franken zum Stadtrivalen wechselte. Aber auch Teddy Okou (28), Michael Heule (25), Justin Hammel (25) oder Niklas Steffen (25), um nur einige zu nennen. «Wir waren in der Super League. Wir stehen im Cupfinal und könnten Geschichte schreiben und als erstes Team, das diese und auch in der nächsten Saison Zweitligist ist, die Trophäe holen.»
Mit der abgelaufenen Saison war Stevanovic indes nicht einverstanden. 31 und 30 Punkte Rückstand auf Vaduz und Aarau – das sei viel zu viel. «Ich bin gar nicht zufrieden mit den letzten Monaten. Da haben wir Punkte regelrecht weggeworfen. Die Spiele waren meistens okay. Aber wir hätten sie auch gewinnen müssen. Und dies meistens klar. So aber ist das Loch immer grösser geworden.»
Allerdings: In den letzten vier Spielen hat die Tendenz wieder gekehrt. Zuerst mit dem Unentschieden bei späteren Aufsteiger Vaduz und drei Siegen zum Schluss. Genau rechtzeitig auf den Cupfinal hin.

