Nati-Stars sind beste Freunde
Josi und Niederreiter über Fischer, WM-Traum und Tränen

Lacher und tiefgründige Gespräche machen die enge Verbindung zwischen Roman Josi (35) und Nino Niederreiter (33) aus. Vor der Heim-WM schwelgen sie in Erinnerungen, lüften das Geheimnis um ihren eigenen WM-Song von 2013 und verraten, welche Meilensteine sie berührten.
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Nicole Vandenbrouck (Interview) und Sven Thomann (Fotos) aus Ängelholm

Blick: Was zeichnet Ihre Männerfreundschaft aus?
Nino Niederreiter: Wir nehmen uns beide so, wie wir sind. Jeder kann genau so sein, wie er will. Wir führen auch wirklich tiefgründige Gespräche. An meiner ersten WM 2010 in Mannheim teilte ich mit Josi ein Zimmer. Dort hat alles angefangen.

Roman Josi: Es gibt ein paar Menschen im Leben, mit denen man sofort eine Beziehung entwickelt. Bei uns war es so. Wie Nino gesagt hat: Wenn wir uns sehen, führen wir immer extrem gute Gespräche. Auch tiefgründige, die man mit anderen Leuten nicht hat. Das verbindet uns über all die Jahre.

Hat sie in den letzten Wochen nach dem Brief bezüglich der Entlassung von Patrick Fischer gelitten?
Niederreiter: Überhaupt nicht. Das Schöne an einer Freundschaft ist, dass jeder das sagen kann, was er denkt. Das ist, was unsere Freundschaft ausmacht. Man muss nicht immer gleicher Meinung sein. Man kann andere Meinungen annehmen, sie verstehen und die Sache aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

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In der letzten WM-Vorbereitungswoche schwelgen Roman Josi (l.) und Nino Niederreiter über den Dächern des südschwedischen Küstenorts Helsingborg in Erinnerungen.
Foto: Sven Thomann

Josi: Während der ganzen Diskussion haben wir viel telefoniert. Es gibt noch andere Themen, bei denen wir unterschiedlicher Meinung sind. Wir hatten die ganze Zeit Kontakt und tauschten uns aus. Unserer Freundschaft hat das nichts angehabt. Im Gegenteil. Es zeigte uns einmal mehr, dass wir auch über heikle Themen offen miteinander sprechen können. Das ist ein gutes Zeichen.

Wie sind Sie mit Fischers Entlassung und dem ganzen Wirbel umgegangen?
Josi: Es waren alle Spieler involviert, und wir haben alle zusammen darüber geredet.

Was beschäftigt Sie nur wenige Tage vor dem Start der Heim-WM?
Josi: Für mich ist es speziell, dass ich schon eine Woche vor der WM beim Team bin. Ich erinnere mich nicht, wann dies letztmals der Fall war. Meistens bin ich direkt zum Turnier angereist. Jetzt noch ein paar Vorbereitungsspiele zum Angewöhnen ans grosse Eis zu haben, ist extrem cool. Und ich spüre die riesige Vorfreude im Team, wir haben lange genug darauf gewartet.

Niederreiter: Eigentlich wäre sie ja 2020 in der Schweiz gewesen und wurde abgesagt. Damals wussten wir noch nicht, ob wir jemals wieder in den Genuss einer Heim-WM kommen würden. Roman durfte sie 2009 spielen, für mich ist es jetzt die erste. Ich habe auch kaum je ein Vorbereitungsspiel in der Heimat bestritten, weil ich auch meistens direkt zur WM eingeflogen bin. Deshalb freue ich mich extrem.

Stellen Sie sich schon vor, wie die Stimmung, die Euphorie werden könnten?
Niederreiter: Die Schweizer Fans sorgen an jeder WM für eine coole Stimmung. Aber jetzt praktisch das ganze Stadion, das ganze Land hinter sich zu wissen, darauf freue ich mich auch.

Josi: Ich habe mir tatsächlich schon einige Male überlegt, wie das Eröffnungsspiel gegen die USA wohl werden könnte. Die Voraussetzungen in diesem Jahr mit dem Momentum, das wir als Nati haben, und den letzten Erfolgen sind schon andere. Die Euphorie ist bestimmt grösser als 2009. Damals war ich 18-jährig, alles war neu, es war meine erste WM. Jetzt bin ich viel älter und nehme das ganze Drumherum bewusster wahr.

Roman Josi persönlich

Der Captain der Nashville Predators sowie unserer Nati spielte erstmals 2009 für die Schweiz. Ein Jahr davor wurde er von den «Preds» in der zweiten Runde als Nummer 38 gedraftet und entwickelte sich seither zu einem der besten Verteidiger der Welt. Der Berner ist deshalb mit einigen Auszeichnungen dekoriert. 2009 gewann er Gold an der U20-WM und wurde zum besten Abwehrspieler des Turniers ausgezeichnet. Beim ersten WM-Silber der A-Nati krönte man den da erst 22-Jährigen zum MVP, er wurde ins AllStar-Team gewählt. Den Swiss Hockey Award gewann er 2015 und 2022. Die Norris Trophy zeichnete ihn 2020 als besten NHL-Verteidiger aus. An der WM 2024 in Prag liess er punktemässig alle Verteidiger hinter sich. Josi ist dreifacher WM-Silberheld (2013, 2018, 2024). Mit seiner Frau Ellie und den Kindern Ivy Lennyn und Luca James lebt er in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee. Josi ist Mitinhaber seines Stamm- und Herzensklub SCB und er hält Anteile der Uhrenmarke Norqain.

Der Captain der Nashville Predators sowie unserer Nati spielte erstmals 2009 für die Schweiz. Ein Jahr davor wurde er von den «Preds» in der zweiten Runde als Nummer 38 gedraftet und entwickelte sich seither zu einem der besten Verteidiger der Welt. Der Berner ist deshalb mit einigen Auszeichnungen dekoriert. 2009 gewann er Gold an der U20-WM und wurde zum besten Abwehrspieler des Turniers ausgezeichnet. Beim ersten WM-Silber der A-Nati krönte man den da erst 22-Jährigen zum MVP, er wurde ins AllStar-Team gewählt. Den Swiss Hockey Award gewann er 2015 und 2022. Die Norris Trophy zeichnete ihn 2020 als besten NHL-Verteidiger aus. An der WM 2024 in Prag liess er punktemässig alle Verteidiger hinter sich. Josi ist dreifacher WM-Silberheld (2013, 2018, 2024). Mit seiner Frau Ellie und den Kindern Ivy Lennyn und Luca James lebt er in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee. Josi ist Mitinhaber seines Stamm- und Herzensklub SCB und er hält Anteile der Uhrenmarke Norqain.

Wie hat sich die Schweizer Nati im letzten Jahrzehnt entwickelt?
Josi: 2013 holten wir überraschend WM-Silber. Bis zur nächsten Silbermedaille 2018 folgten unstete Jahre, in denen wir den Viertelfinal verpassten. Seither überstand die Schweiz die Gruppenphase problemlos. Trotz der schmerzhaften und unerwarteten Viertelfinal-Niederlagen gegen Deutschland (2023, 2021, die Red.) merkten wir alle, dass sich etwas Grosses aufbaut. Klar hätten wir die beiden letzten Finals gerne gewonnen. Aber man muss auch anerkennen, wie schwierig es ist, den Final überhaupt zu erreichen.

Niederreiter: Die ganze Mentalität hat sich seit 2013 verändert. Jedes Jahr liegt nun eine Medaille drin, obwohl die Nationen noch näher zusammengerückt sind. Fürs Schweizer Eishockey war und ist wichtig, dass wir den Anschluss nicht verpasst haben. Gleichzeitig dürfen wir uns darauf nicht ausruhen. Wir müssen weiter hart arbeiten und uns kontinuierlich entwickeln, dass wir von anderen Nationen nicht wieder überholt werden.

Es wurde immer wieder vom wichtigen Kern der Nati geschwärmt. Können Sie ihn beschreiben? Was macht ihn aus?
Josi:
Gute Frage, die Gemeinsamkeit, für unser Land zu spielen. Viele von uns sind schon seit Jahren dabei und haben die Erfolge zusammen gefeiert, das hat uns extrem zusammengeschweisst. Der Teamgeist ist gross. Jeder will für die Nati alles geben. Man kommt zusammen und hat zwei Wochen Zeit, um ein tolles Turnier abzuliefern, um Erfolg zu haben. Unser Verhältnis untereinander ist top.

Niederreiter: Der Stolz ist sehr präsent. Unsere Vorreiter um die langjährigen Captains Mathias Seger und Mark Streit haben uns den Weg geebnet und die Werte vorgelebt. Ihr Nachfolger Raphael Diaz führte das weiter. Von ihnen haben wir viel gelernt. Es brauchte diesen Prozess bis zum ersten Erfolg, um zu wissen, wie sich das anfühlt. Wir haben uns gefunden mit der Mentalität, dass wir uns nicht mehr verstecken müssen und mit den Grossen mithalten können. Die neue Generation spürt das und will Teil davon sein. Es ist ein Miteinander.

Es hiess, Fischer hat es geschafft, dass die NHL-Stars immer an die WM kommen, selbst mitten im Turnier und direkt zu einem Spiel. Wie ist das Commitment entstanden?
Niederreiter: Für mich war es schon als Bub das höchste der Gefühle, eines Tages für die Schweizer Nati spielen zu dürfen. Das war mein Traum. Ich wusste, sobald ich die Chance habe, will ich in jedem Fall dabei sein. Der Erfolg von 2013 war einmalig, und ich denke oft daran zurück. Die Erwartungen waren, dass wir gegen den Abstieg kämpfen müssen. Doch wir haben uns gefunden. Patrick Fischer durfte da viel lernen von Sean Simpson und übernahm drei Jahre später. Das war der Start unseres Grooves. In jenen Momenten merkten wir, dass es möglich ist, etwas zu gewinnen. Und wir wollten unbedingt wieder in einem Final stehen.

Josi: Meine schönsten Erinnerungen sind mit der Nati. Die Silbermedaillen machten Hunger auf mehr. Es ist eine Ehrensache. Aber es stimmt, die Kultur, die wir in der Nati aufgebaut haben, ist etwas Besonderes. Und daran hatte «Fischi» einen grossen Anteil. Wir hoffen, dass das so weitergeführt wird.

Können Sie fassen, dass Josi bereits die letzte Heim-WM 2009 gespielt hat?
Niederreiter: Es ist beeindruckend. Ein langer Weg, der auch Opferbereitschaft gefordert hat bei so vielen absolvierten Spielen und WM-Turnieren. 2013 war er MVP der Weltmeisterschaft, das war unglaublich. Für mich war es schön, dass ich seinen Weg, seine Karriere in der NHL so nahe verfolgen durfte. Mit dem Highlight, dass wir in Nashville zusammen spielten. Und jedes Mal, wenn wir zusammen in der Nati sind, ist unser Austausch speziell. Wenn ich zurückschaue, sind es diese Momente in der Garderobe, auf dem Eis, die mir von unserer Freundschaft immer in Erinnerung bleiben werden.

Ich dachte, Sie sagen jetzt, dass das bedeutet, wie alt Roman schon geworden ist …
Josi: Das auch (lacht).

Niederreiter: (Grinst.) Es ist eine Wertschätzung. 17 Jahre auf so hohem Niveau zu spielen ist einfach nur beeindruckend.

Sie, Nino, gaben ein Jahr später Ihr WM-Debüt, welche Erinnerungen an damals sind präsent?
Josi: Du hattest noch ein Gitter am Helm, oder?

Niederreiter: Stimmt!

Josi: Nino konnte schon da einhändig backhand hochschiessen. Wir alle dachten: Was, der 17-Jährige kann das?

Niederreiter: Alles war neu, ich war nervös. Ich erinnere mich noch gut daran, dass mich Seger im Bus nach ganz hinten rief. Sie waren am Jassen, und ich musste mich zu ihnen setzen, die Stiche zählen und Karten mischen und ausgeben.

Sie waren beide noch Teenager – typische?
Josi: Manchmal schon (grinst). Seger war ein starker Captain, ich kannte Martin Plüss und Ivo Rüthemann aus Bern schon gut. Von ihnen haben wir viel gelernt als junge Spieler. Sie gaben uns ihre Erfahrungen weiter. Das möchten wir heute tun.

Niederreiter: Plüss und Rüthemann sind nach den Spielen gefühlt eine Ewigkeit joggen gegangen. Ich hasse Joggen. Trotzdem schleppten sie mich immer mit, und ich fragte mich jeweils, warum ich das bloss machen muss. Heute weiss ich, dass nicht das Joggen wichtig war, sondern die Gespräche dabei.

Nino Niederreiter persönlich

Als 17-Jähriger gab Nino Niederreiter 2010 sein Debüt im Dress der Schweizer Nationalmannschaft und war als Rookie auch Teil des WM-Teams. Damals spielte er in der kanadischen Juniorenliga WHL bei den Portland Winterhawks. Im Sommer des gleichen Jahres wurde der Stürmer in der ersten Runde an fünfter Stelle gedraftet von den New York Islanders. Bis auf eine Saison in der AHL (2012/13 bei Bridgeport) spielt Niederreiter seit 2010 ununterbrochen in der NHL. Nach den Islanders für Minnesota, Carolina, Nashville und aktuell für Winnipeg. Sein Vertrag bei den Jets läuft noch bis 2027 und ist mit 3,5 Mio. Dollar dotiert. In seiner Heimatstadt Chur hat sich der NHL- und Nati-Star ein Haus gebaut. Der 33-Jährige ist einer der wenigen vierfachen WM-Silberhelden (2012, 2018, 2024, 2025). Der leidenschaftliche Golfer ist Mitinhaber des EHC Chur und Miteigentümer der Allegra Passugger Mineralquellen AG.

Als 17-Jähriger gab Nino Niederreiter 2010 sein Debüt im Dress der Schweizer Nationalmannschaft und war als Rookie auch Teil des WM-Teams. Damals spielte er in der kanadischen Juniorenliga WHL bei den Portland Winterhawks. Im Sommer des gleichen Jahres wurde der Stürmer in der ersten Runde an fünfter Stelle gedraftet von den New York Islanders. Bis auf eine Saison in der AHL (2012/13 bei Bridgeport) spielt Niederreiter seit 2010 ununterbrochen in der NHL. Nach den Islanders für Minnesota, Carolina, Nashville und aktuell für Winnipeg. Sein Vertrag bei den Jets läuft noch bis 2027 und ist mit 3,5 Mio. Dollar dotiert. In seiner Heimatstadt Chur hat sich der NHL- und Nati-Star ein Haus gebaut. Der 33-Jährige ist einer der wenigen vierfachen WM-Silberhelden (2012, 2018, 2024, 2025). Der leidenschaftliche Golfer ist Mitinhaber des EHC Chur und Miteigentümer der Allegra Passugger Mineralquellen AG.

Wann hat Ihre Freundschaft begonnen?
Niederreiter: Meine erste Erinnerung ist die U20-WM 2010 in Saskatoon. Da hast du dir, glaube ich, einen Finger gebrochen, oder?

Josi: Schon klar, dass du dich daran erinnerst, dort war die Geburtsstunde von «El Nino».

Niederreiter: Ja, das weiss ich auch noch (grinst). Unsere Freundschaft ist einfach passiert. Wir mussten nichts erzwingen. Auch wenn wir uns heute mal zwei Monate nicht hören, ist es beim nächsten Mal, als wäre es erst gestern gewesen.

Sie haben Meilensteine Ihrer Karrieren miterlebt. Welcher hat Sie berührt?
Josi: Sein 1000. NHL-Spiel, das war auch für mich emotional. Ich wusste, dass mein 1000. NHL-Spiel auch bald ansteht. Wenn man dann reflektiert, wie lange wir uns schon kennen, ist das speziell. Als wir uns als Teenies kennengelernt haben, hätten wir uns nie erträumt, dass wir diesen Meilenstein erreichen.

Niederreiter: Ich schaute sein 1000. Spiel am TV. Es war schön zu sehen, dass er seine Familie dabeihat. Unser Leben, unsere Freundschaft geht ja nicht nur um Eishockey, sondern weit darüber hinaus. Seine Persönlichkeit wird mir länger in Erinnerung bleiben als seine Erfolge. Obwohl, MVP 2013, das war auch ein grosser Moment. Danach waren wir im Hotelzimmer und für dich ging es darum, den ersten langen Vertrag bei Nashville zu unterschreiben. Wir haben darüber diskutiert, wie die Verhandlungen laufen. Ich bekam alles mit und fragte mich, ob ich auch eines Tages einen solchen Vertrag bekomme. Da habe ich zu ihm aufgeschaut, auch wenn er ein Verteidiger ist.

Was passiert, wenn jemand den Schlüssel verliert?
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«Haben kein Klopfzeichen»:Was passiert, wenn jemand den Schlüssel verliert?

Apropos 2013, ich könnte das Lied «Guantanamera» anstimmen …
Josi: Ein cooles Lied. Aber ich weiss gar nicht mehr, wie diese Story damals entstanden ist.

Niederreiter: Es begann doch mit der Autonummer (lacht laut). Wir haben uns vor der Arena mit Fussball aufgewärmt, da sahst du ein Auto und fragtest: «Was macht der Spanier hier?» Dabei stand das S für Schweden.

Josi: Danach haben wir «Guantanamera» auswendig gelernt, mit dem ganzen Text.

Niederreiter: Das war vor dem Halbfinal. Wir beide konnten nicht schlafen und haben bis kurz vor Mitternacht über diesem Song gebrütet. Mit dem Laptop auf dem Bett. Ein Video haben wir auch noch aufgezeichnet.

Josi: Hast du dieses Video etwa noch?

Niederreiter: Natürlich, aber das schafft es nie an die Öffentlichkeit. Das kann man nicht zeigen.

Von Ihren legendären Erlebnissen, welches würden Sie noch Ihren Enkeln erzählen?
Niederreiter: 2011 waren wir während des All-Star-Breaks ein paar Tage zusammen in Miami. Mark Streit war noch dabei, und er hat uns auch dort den Weg gezeigt.

Nach Hause?
Niederreiter: Das auch (beide lachen).

Josi: Unser Wimbledon-Besuch, bei dem wir Roger Federer getroffen haben, ist sicher auch eine Geschichte wert für die Enkel.

Niederreiter: In Details von anderen Anekdoten könnten wir sowieso nicht gehen. Die wären nicht alle jugendfrei.

Josi: Nein, den Enkelkindern würde ich vermutlich nur vom Hockey erzählen. Von der WM 2013, die war echt etwas Besonderes, für uns, fürs Schweizer Eishockey.

Nebst all den Freuden gab es auch Tränen?
Niederreiter: Als mich Nashville vor drei Jahren nach Winnipeg getradet hat, das war sehr zäh und emotional. Ich konnte endlich mal mit ihm zusammen spielen, verbrachte viel Zeit mit Roman und seiner Familie. Als der Anruf kam, dass ich weg bin, das war schon sehr hart. Die gemeinsame Zeit war zu kurz.

Josi: Nach Niederlagen in grossen Spielen gabs auch Tränen. Direkt nach dem Final in Prag 2024 standen wir im Bad nebeneinander, schauten uns im Spiegel an und sagten: «Lueg, die ewige Zweitä.»

Niederreiter: Jetzt können wir darüber lachen, damals waren wir sehr frustriert.

Josi: 2013 wechselte die Enttäuschung schnell in Freude über WM-Silber. 2018 hielt die Enttäuschung etwas länger an. 2024 in Prag waren wir total enttäuscht.

Niederreiter: Vor einem Jahr in Stockholm gab es auch Tränen. Vielleicht bin ich etwas verbissen. Aber wenn man etwas so unbedingt möchte, und es haut nicht hin, dann bin ich frustriert und traurig.

Sie steuern langsam auf die 40 zu. Machen Sie sich Gedanken zum Sport, zum Leben?
Josi: Eine tiefgründige Frage. Natürlich mache ich mir Gedanken. Mein Leben hat sich mit meiner Familie und den Kindern verändert. 2013 ging es nur um mich und Hockey. Mir ist bewusst, dass ich nicht mehr der Jüngste bin und irgendwann fertig ist damit. Darum überlege ich mir schon, was danach kommt. Das ist aber nicht schlecht, sondern gibt mir eine Balance zum Hockey.

Niederreiter: Über das Thema, was nachher kommt, sprechen wir oft zusammen. Es gibt viele Fragen. Spürt man, wenn es genug ist? Im Körper, im Kopf? Wann der Zeitpunkt zum Rücktritt gekommen ist? Denn natürlich rückt er immer näher. Und die neue Generation kann übernehmen und hoffentlich schätzen, was wir mit aufgebaut haben. Mein Vertrag in Winnipeg läuft noch ein Jahr. Bleibe ich in Nordamerika? Kehre ich in die Schweiz zurück? Bei mir und meiner Lebenspartnerin werden gemeinsame Kinder sicher auch zum Thema.

Josi: Ich bin ein Mensch, der sich gerne zurückzieht. Ich beschäftigte mich mit mir selber, mit meiner Gedankenwelt. Das hat sich in den letzten Jahren entwickelt. Das tut mir gut.

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