Darum gehts
- Drei Wochen nach Pro-Fischer-Brief: NHL-Star Roman Josi erklärt sich erstmals
- Josis Vorgehen spaltete das Team, die Diskussionen stärkten laut ihm den Zusammenhalt
- Das Kapitel der Causa Fischer ist teamintern abgehakt, die Heim-WM steht im Fokus
Als das schwarze Kapitel des Schweizer Eishockeys vor drei Wochen seinen Anfang nimmt, weilt Roman Josi noch in Nordamerika. Die Enthüllung des Fälschungsskandals um seinen Nati-Trainer Patrick Fischer (50), die standhafte Verbandsführung, die 24 Stunden später einknickt. Die Entlassung des dreifachen WM-Silber-Coaches – sie lässt den NHL-Star in Nashville nicht kalt.
Mitten im riesigen (medialen) Wirbel liefert auch Josi noch brisante (Schlag)Zeilen: Er verfasst ein Schreiben, adressiert an den Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey, in dem er den Verband respektvoll bittet, die Entscheidung zu überdenken und Fischer für die Heim-WM zu begnadigen. Geschrieben in Wir-Form. Das Problem dabei: Nicht alle Mitspieler teilen die Meinung ihres Captains. Die Causa Fischer spaltet die Nati-Stars. Es gibt interne Diskussionen.
Josi bestätigt dies Blick exklusiv nach seinem ersten Training in Ängelholm. Erstmals redet der 35-Jährige in Schweden über die Ereignisse, die sich einen Monat vor der Heim-WM überschlagen. «Es waren sehr turbulente Tage in der Schweiz und ich habe es auch in den USA sehr nah mitbekommen. Wir führten schon unmittelbar nach der Entlassung von Fischer Gespräche und Diskussionen im Team. Ich redete mit vielen. Für mich und für alle anderen war sehr viel los», beginnt Josi seine Erzählung.
«Für die Mannschaft war das gut»
Mit seinem Brief hat der Leader, der 2009 in der Schweiz seine erste WM gespielt hat, einfach ein starkes Zeichen setzen wollen. Nicht gegen Nachfolger Jan Cadieux (46) – sondern für Fischer. «Meine Enttäuschung war in jenem Moment gross. Deshalb war für mich klar, dass ich mich solidarisch hinter Fischi stelle. Er hätte das Gleiche für mich und uns als Team getan. Wir durften so viel Schönes mit ihm erleben und haben mit ihm etwas Cooles aufgebaut mit der Nati.» Die Meinungsverschiedenheiten im Team wurden laut Josi jedoch gelöst.
«Wir haben viel diskutiert in der Mannschaft, auch wenn wir alle an verschiedenen Orten weilten. Es war wirklich gut, weil wir sehr offen kommunizierten und alle ihre Meinung eingebracht haben. Zu diesem Thema gingen die Ansichten ja überall auseinander, auch in der Schweiz.» Dann sei es wichtig, dass man darüber rede. Der Star-Verteidiger gewinnt dieser Problemlösung sogar Positives ab: «Wir haben den gleichen Teamspirit wie vorher. Wir sind sogar noch mehr zusammengewachsen, weil wir so ehrlich miteinander gesprochen haben. Für die Mannschaft war das sehr gut.»
Er versichert, dass das Thema intern abgehakt sei. Mit einer bitteren Schlussfolgerung, dass «aus diesem Spiel nicht viele als Gewinner herausgekommen sind». Und betont dann, dass sich die Mannschaft nun auf die bevorstehende Heim-WM fokussieren und sich in dieser Woche hier optimal darauf vorbereiten wolle. Die Vorfreude sei durch das schwarze Kapitel nicht getrübt worden. «Wir haben zu lange auf diesen grossen Moment gewartet.» Auf das Highlight Heim-WM, das nun mit Cadieux an der Bande in Angriff genommen wird.
Team fand im Ausland besser wieder zu sich
Deshalb ist es Josi wichtig, zu betonen, dass er während der turbulenten Tage vor drei Wochen auch in stetem Austausch mit dem früher als geplant ins Amt beförderten Nati-Headcoach gewesen ist. «Jan wusste und weiss, dass ich zu einhundert Prozent hinter ihm stehe und ihn unterstütze. Er hat mein vollstes Vertrauen. Das war für mich keine Frage, das habe ich ihm immer so gesagt.» Dem dreifachen WM-Silberhelden ist es einfach am Herzen gelegen, seine Loyalität Fischer gegenüber zu zeigen.
Seit zwei Jahren und seiner Entlassung in Genf ist Cadieux fixes Mitglied des Nati-Coachingstaffs. «Wir kennen Jan extrem gut», so Josi. «Er ist ein super Coach.» Der Coach, der nach dem unvorstellbar gewesenen Ausmass der Causa Fischer die Schweizer auf Kurs halten muss. Und der mit dieser Nati die Heim-WM vergolden soll. «Das Team hegt den grossen Wunsch, gut abzuschneiden», sagt der Westschweizer, «deshalb haben wir versucht, ein neues Kapitel aufzuschlagen und uns nur darauf zu konzentrieren.» Dass die Schweizer die letzten zwei Vorbereitungs-Wochen vor dem WM-Start im Ausland und damit fern der Aufmerksamkeit verbringen, habe dem Team geholfen, zu sich selbst zu finden. «Ich spüre den grossen Siegeswillen», so Cadieux.
