Welche neuen Erkenntnisse brachte die Pressekonferenz vom Freitag?
Der Verband macht ganz deutlich, dass er die ganzen Vorgänge rund um Patrick Fischers Einreise mit dem gefälschten Impfzertifikat bis hin zu seiner Entlassung nochmals aufrollen will. Die renommierte Zürcher Anwaltskanzlei Niederer Kraft Frey wurde deshalb mit einer externen Untersuchung beauftragt. Der Verband will in diesem Zusammenhang auch wissen, wie Fischer 2022 nach den Olympischen Spielen in Peking an die Eishockey-WM in Finnland gereist ist, wo damals immer noch strenge Covid-Regeln (geimpft oder genesen) galten.
Wann wusste der Verband genau von Fischers gefälschtem Impfzertifikat?
Klar ist, dass der Kommunikationschef des Verbandes davon wusste, weil er bei besagtem Mittagessen dabei war, als Patrick Fischer dies im März gegenüber SRF-Mann Pascal Schmitz im Rahmen einer Reportage ausplauderte. Dazu, ob danach weitere Verbandsleute informiert wurden und ob schon zuvor welche davon wussten und wie mit dieser Information umgegangen wurde, wurde keine Stellung genommen. Kessler verwies auf die externe Untersuchung.
Weshalb hat Lars Weibel, als Nati-Direktor der direkte Vorgesetzte von Fischer, nicht an der Medienkonferenz teilgenommen?
Gemäss Monika Reinhard-Brand, die als Director Digital Transformation und Kommunikationsstrategin des Verbandes durch die Medienkonferenz führte, war das ein bewusster Entscheid. Sie begründete ihn damit, dass sich zum aktuell nur eine Stimme, jene von Präsident Urs Kessler, zu den Vorgängen rund um Fischer äussern soll.
Werden beim Verband weitere Köpfe rollen?
Das ist durchaus möglich. Nati-Direktor Lars Weibel, dessen Rolle im «Fall Fischer» weiterhin unklar ist, ist nach der WM allerdings ohnehin weg – er wird CEO von Ambri. Präsident Urs Kessler fand es eine berechtigte Frage, als er gefragt wurde, ob ein Rücktritt nach diesem Skandal eine Option für ihn sei, und sagte dazu: «Wenn der Verband so kurz vor der Heim-WM führungslos dastehen würde, wäre dies das Schlimmste.» Er werde daher seinen Fokus darauf legen, dass alles aufgearbeitet werde und der Mannschaft und dem neuen Headcoach Jan Cadieux die bestmöglichen Voraussetzungen für die Heim-WM geschaffen werden. Das Ergebnis der externen Untersuchung könnte aber durchaus weitere Verbandsleute zu Fall bringen.
Bleibt der Maulkorb für die Nati-Spieler den Staff bestehen?
Ja, von der Nati wird diese Woche niemand sprechen. Dies begründet Reinhard-Brand damit, dass man die Spieler und Trainer nach den für sie aufwühlenden letzten Tagen schützen will. Der Fokus soll auf dem Wesentlichen liegen. Nächste Woche, wenn die Nati einen Trainingsblock in der Schweiz und zwei Testspiele in Biel gegen Ungarn bestreitet, soll dann wieder in den Normalbetrieb zurückgekehrt werden – und Cadieux und die Spieler zur Verfügung stehen.
Wie geht der Verband mit seinem Partner SRF um, der den ganzen Fall ins Rollen gebracht hat?
Kessler sagte, man werde das alles mit SRF aufarbeiten, SRF sei ein langjähriger Partner. Und Reinhard-Brand betonte, dass es keine Retourkutsche für SRF sei, dass ihrem Mann vor Ort derzeit bei den Testspielen in der Slowakei keine Interviews gewährt werden.
Patrick Fischer war der Posterboy der bevorstehenden Heim-WM, hat auch den neuen Torsong eingesungen. Wie geht der Verband damit um?
Mit den Sponsoren war der Verband diesbezüglich von Anfang an in Kontakt. Man werde die Situation weiter gemeinsam anschauen. Und auch dem Torsong werde man sich annehmen. Es ist nicht davon auszugehen, dass an der WM bei Schweizer Toren Fischers Stimme zu hören ist.
Wie war der Gesamtauftritt des Verbandes an dieser Medienkonferenz?
Wer krachende Neuigkeiten erwartet hatte, wurde enttäuscht. Doch Kessler hat das Ganze gut, selbstkritisch und auch mit einem gewissen Charme gemeistert. Er gestand, wie man die ganze Welle nach Fischers Beschiss-Geständnis vom Montag unterschätzt habe. Er betonte auch, dass es richtig sei, dass man nun als Verband in der Kritik stehe und er sich in seiner Führungsposition dieser stellen müsse. Kessler zeigt sich sichtlich bemüht, den Scherbenhaufen zusammenzukehren. Den zentralen Fragen um die Hintergründe des Skandals wich er allerdings aus und verwies auf die externe Untersuchung.
Es gab allerdings auch einige Schönheitsfehler. So war Kessler zu Beginn der Medienkonferenz gar nicht zu hören, weil sein Mikrofon nicht freigeschaltet war. Und Reinhard-Brand bezeichnete Urs Kessler irrtümlich mal als Urs Fischer, was für gewisse Aufheiterung sorgte. Nun ja, der erfolgreiche Fussballtrainer trägt den Vornamen des Verbandspräsidenten und den Nachnamen des gefeuerten Nati-Trainers. Kann ja mal vorkommen.