Am Sonntag, dem 29. März 2026, war die Welt des Patrick Fischer (50) noch in Ordnung. An den Sports Awards wurde er unter grossem Applaus zum dritten Mal zum Trainer des Jahres gewählt. In seiner Laudatio erzählte er, er sei stolz darauf, dass er und sein Team einander vertrauen, und bedankte sich bei SRF für diese Plattform.
Zweieinhalb Wochen später ist alles anders. Fischer hat das Vertrauen ver- und missbraucht und ausgerechnet das von ihm gelobte Schweizer Fernsehen war es, das am vergangenen Montag den Skandal um ihn ins Rollen brachte. Nun legen Blick-Recherchen nahe, dass aus dem bisher dreifachen Schweizer Trainer des Jahres bald nur noch ein einfacher Trainer des Jahres werden könnte, denn es gibt im Hintergrund Bestrebungen, ihm die Titel 2024 und 2025 abzuerkennen.
Sollte Patrick Fischer tatsächlich seine beiden Auszeichnungen zum Schweizer Trainer des Jahres 2024 und 2025 verlieren, würden möglicherweise Christoph Dieckmann und Florian Clivaz den Preis erben.
2024 belegte Dieckmann, damals Nationaltrainer unserer Beachvolley-Frauen, hinter Fischer Rang 2. Und 2025 wurde Clivaz, unter anderem Trainer der Kambundji-Schwestern, nur vom damaligen Hockey-Nati-Coach geschlagen.
Sollte Patrick Fischer tatsächlich seine beiden Auszeichnungen zum Schweizer Trainer des Jahres 2024 und 2025 verlieren, würden möglicherweise Christoph Dieckmann und Florian Clivaz den Preis erben.
2024 belegte Dieckmann, damals Nationaltrainer unserer Beachvolley-Frauen, hinter Fischer Rang 2. Und 2025 wurde Clivaz, unter anderem Trainer der Kambundji-Schwestern, nur vom damaligen Hockey-Nati-Coach geschlagen.
Dies bestätigt der Dachverband Swiss Olympic, deren Mitglied auch die Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) ist, gegenüber Blick. An seiner Mittwochssitzung entschied der Swiss-Olympic-Exekutivrat, dass die beiden Swiss-Olympic-Vertreter bei den Sports Awards, Ralph Stöckli und Matthias Kyburz, den Antrag stellen sollen, zu prüfen, ob Fischer die Trainer-Awards für 2024 und 2025 entzogen werden können. Sie berufen sich dabei auf die ethischen Voraussetzungen für Nominierte. Werden ihm die Auszeichnungen tatsächlich aberkannt, wäre dies ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des Schweizer Sports.
Swiss Olympic hat von Anfang an hart durchgegriffen
Fischer könnte noch weiteres Ungemach drohen. Swiss Olympic bestätigt zwei weitere Massnahmen. Erstens: Am Mittwoch haben sie Fischer bei der Swiss Sports Integrity (SSI) gemeldet. Die SSI kümmert sich um Ethikverstösse und Missstände sowie Dopingverstösse im Schweizer Sport. Und zweitens: Ebenfalls am Mittwoch wurde Fischer die Swiss-Olympic-Trainerkarte entzogen. Das hat zwar eher symbolischen Charakter und ist für Fischers Job-Ausübung nicht relevant, trotzdem ist es ein Zeichen dafür, wie ernst es Swiss Olympic meint und wie hart der Dachverband im Gegensatz zur SIHF von Anfang an durchgreift.
Bereits am Dienstag hatte Swiss Olympic gegenüber Blick Fischers Verhalten scharf kritisiert: «Swiss Olympic ist überrascht und irritiert von der Tatsache, dass Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer im Februar 2022 ungeimpft und mit einem gefälschten Impfzertifikat an den Olympischen Spielen 2022 in Peking teilgenommen hat. Bei allem Respekt für seine persönlich anspruchsvolle Situation ist Patrick Fischer aus Sicht von Swiss Olympic ein grosses Risiko für sich selbst, seine Mannschaft sowie die Schweizer Delegation an den Olympischen Spielen 2022 eingegangen.»
Klare Worte, wegen denen am Dienstagabend plötzlich auch Swiss Olympic Gegenwind ins Gesicht blies. An einem Wirtschaftsanlass wurde gemäss Blick-Informationen Präsidentin Ruth Metzler-Arnold (61) genau für diese klaren Worte kritisiert. Anwesende forderten gar, Swiss Olympic müsse sein Statement zurückziehen und Fischer in Ruhe lassen.
Spannungen auf diplomatischer Ebene wären garantiert gewesen
Das Vorgehen von Swiss Olympic zeigt, dass sich der Dachverband von Anfang an der Dimension des Falls Fischer bewusst war. Wie jeder Athlet hatte auch der Nati-Coach vor den Olympischen Spielen 2022 eine Vereinbarung unterschrieben. «Dazu gehört auch das Einhalten der Vorgaben des Internationalen Olympischen Komitees, der Organisationskomitees von olympischen Anlässen und der Behörden des Ausrichterlands», so Swiss Olympic.
Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Fischers gefälschtes Covid-Zertifikat bei der Einreise von den chinesischen Behörden entdeckt worden wäre. Wäre dann «nur» der Nati-Trainer bestraft worden, oder wäre gar das komplette Hockey-Team von den Spielen rausgeflogen? Oder gleich die ganze Schweizer Delegation? Was wäre passiert, wenn es zu einer Infektion gekommen wäre, die mit Fischer in Verbindung hätte gebracht werden können? Die Chinesen, von Covid mit Millionen Toten schwer gebeutelt, fuhren eine rigide Corona-Politik – und sie stehen nicht im Verdacht, bei Gesetzesverstössen mit sich diskutieren zu lassen. Spannungen auf diplomatischer Ebene wären garantiert gewesen – und könnten es auch jetzt noch sein.
Es geht auch eine Kategorie harmloser: Wäre Fischer dann dafür verantwortlich gewesen, dass eine Reihe von Snowboard-Crossern, Buckelpistenfahrern und Eiskunstläuferinnen, die mit ihrem Sport kaum Geld verdienen, um ihren Karrierehöhepunkt gebracht worden wären? Der Teamgedanke, den Fischer zur Verteidigung seiner Urkundenfälschung vorbrachte, endet scheinbar ausserhalb des Hockey-Teams.
Der Entscheid gegen Fischer fiel schon am Mittwochmorgen
Diese oder ähnliche Fragen hat Fischer in seinem Statement nicht beantwortet. Gestellt haben dürfte sie sich in den letzten Tagen aber auch SIHF-Präsident Urs Kessler (63), der erst seit September 2025 im Amt ist. Gemäss Blick-Informationen hatte er am Mittwochmorgen den Entscheid gefällt, Fischer per sofort freizustellen. Kommuniziert wurde diese dann erst abends, nachdem Fischer ein Angebot abgelehnt hatte, freiwillig zurückzutreten.
Zurück zum Abend des 29. März 2026, der Verleihung des Sports Awards. In seiner Laudatio erklärte Fischer auch, was ihm am meisten stolz macht: «Dass wir zusammengeblieben sind als Mannschaft und an uns geglaubt haben.» Nun ist diese Ehe zwischen Fischer und der Nati endgültig zerbrochen.
