Darum gehts
- Patrick Fischer nach Impfpass-Skandal gefeuert, nur einen Monat vor WM
- Seine Karriere begann 2013 mit dem Gewinn von WM-Silber in Stockholm
- 2025 wurde Fischer zum dritten Mal als Trainer des Jahres geehrt
Es hätte für Patrick Fischer in anderthalb Monaten ein grosser Abgang auf der heimischen WM-Bühne in Zürich werden sollen. Mit einer weiteren WM-Medaille um den Hals, seiner persönlich vierten. Im Idealfall als ultimative Krönung in Gold. Vielleicht wäre für Patrick Fischer dann sogar eine Statue errichtet worden, als grösster Schweizer Trainer aller Zeiten.
Abgesehen von Medienmitteilungen hat der Eishockeyverband bisher zum Fall Patrick Fischer geschwiegen. Am Freitagmorgen nimmt die Verbandsspitze um Präsident Urs Kessler Stellung zum Rauswurf des langjährigen Nati-Trainers.
Abgesehen von Medienmitteilungen hat der Eishockeyverband bisher zum Fall Patrick Fischer geschwiegen. Am Freitagmorgen nimmt die Verbandsspitze um Präsident Urs Kessler Stellung zum Rauswurf des langjährigen Nati-Trainers.
Es ist anders gekommen. Ganz anders. Stattdessen geht Patrick Fischer im slowakischen Provinzstädtchen Topolcany durch die Hintertüre. Gefeuert – genau einen Monat vor dem WM-Start, und einen Tag vor dem Startschuss der WM-Kampagne mit einem Testspiel gegen die Slowakei. Nachdem sein Lügengebäude für seinen Impfzertifikatsbeschiss zusammengestürzt, er untragbar geworden ist. Der Druck der Sponsoren, Verbände, Liga und auch der Öffentlichkeit wurde zu gross. Ein fantastisches Märchen hat in einem bösen Alptraum geendet.
Bestimmung und Erfüllung mit der Nati
Alles hatte so perfekt begonnen, als Patrick Fischer 2013 erstmals im Nati-Staff auftauchte. Als zweiter Assistenztrainer von Sean Simpson war er beim ersten WM-Silberwunder von Stockholm dabei. Hinterher war zu hören, dass sein Anteil daran wegen seiner aufbauenden und lockeren Art nicht klein gewesen sei.
Fischer musste auch Rückschläge verdauen. Etwa als er anschliessend in Lugano Headcoach wurde, aber nach zweieinhalb Jahren wieder gehen musste. Es war bis zu diesem Mittwoch seine einzige Entlassung. Denn danach fand er mit der Nati seine Bestimmung und Erfüllung. Er liess uns nicht nur gross träumen, sondern auch regelmässig feiern.
Fischer lernte schnell
Auch als Nationaltrainer klappte nicht alles auf Anhieb, Fischers erste WM 2016 ging mit Niederlagen gegen Kasachstan und Norwegen und dem deutlichen Verpassen der Viertelfinals in die Hose. Seine Vorstellung der Spielweise war naiv. Doch Fischer lernte schnell und umgab sich auch noch mit den richtigen Leuten.
Etwa mit dem Schweden Tommy Albelin. Er bekam den perfekten Assistenztrainer, der sich der defensiven Stabilität annahm und den er damals gebraucht hatte. Die Fortschritte gipfelten 2018 in Kopenhagen im nächsten WM-Silberwunder. Diesmal mit Patrick Fischer als Headcoach – sein definitiver Ritterschlag als Trainer.
Wieder Silber – wieder Trainer des Jahres
In den Viertelfinals, vor 2013 jeweils das höchste der Gefühle, waren wir nun Dauergast. Aber es gab auch Enttäuschungen. Etwa wenn uns in den Viertelfinals jeweils die Deutschen das Fell über die Ohren zogen. 2021 und 2023 war das der Fall. Eine weitere Pleite im WM-Viertelfinal 2024 gegen unseren Nachbarn und Fischer wäre als Nationaltrainer Geschichte gewesen.
Stattdessen führte er uns nicht nur zu einem 3:1 gegen die Deutschen, sondern auch zur nächsten Silbermedaille. Sein Ansehen wuchs und wuchs. Da es 2025 mit dem nächsten Silber sogleich eine Wiederholung gab. Dafür wurde er vor zweieinhalb Wochen an den Sports Awards zum dritten Mal zum Trainer des Jahres gewählt.
Die 64. Minute als letzte Stunde
Neben dem WM-Gold, das er für seinen perfekten Abschluss angestrebt hat, hat ihm einzig noch eine Olympiamedaille gefehlt. Dass daraus nichts mehr wird, wusste man nach der dramatischen 2:3-Niederlage nach Verlängerung im Viertelfinal gegen Finnland im Februar. Dass beim Tor von Artturi Lehkonen in der 64. Minute allerdings auch seine letzte Stunde an der Nati-Bande geschlagen hatte, ahnte niemand.
Stets hat Fischer einen Weg gefunden, sich aus kniffligen Situationen zu befreien. Bis zu diesem Montag. Und seinem auferzwungenen und mit einer weiteren Lüge gespickten Geständnis rund um das gefälschte Impfzertifikat. Die darauffolgende Welle konnte nicht einmal mehr Patrick Fischer aufhalten, sie hat ihn weggespült.






