Was bleibt nach dem Fälschungsskandal?
Das Zertifikat war falsch – Fischers Werk nicht

Patrick Fischer ist weg. Aber bevor wir weitermachen, lohnt sich eine unbequeme Frage: Was sagt es über uns aus, dass wir aus einem Eishockeytrainer einen Moralapostel gemacht haben, fragt Blick-Sportchef Emanuel Gisi. Und was bleibt von Fischer?
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Einer zum Anfassen: Patrick Fischer nach der WM-Silbermedaille 2018.
Foto: AP
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Emanuel GisiSportchef

Der Mensch ist kompliziert. Irgendwann in den letzten Jahren hat die Schweiz beschlossen, dass Patrick Fischer nicht einfach ein guter Eishockeytrainer ist. Er wurde zur Figur, zum Charakterkopf. Auch zum Beweis, dass man mit Haltung, Werten und der richtigen Körpersprache an der Pressekonferenz sehr weit kommen kann. Dass man damit nicht nur ein Team, sondern ein ganzes Land inspirieren kann.

Eine wilde Woche, einen Zertifikatsfälschungsskandal und eine Fischer-Entlassung später ist die Enttäuschung wahrscheinlich auch deshalb so gross. Immer schon haben wir Persönlichkeiten aus dem Sport überhöht. Sporttrainer werden zu moralischen Instanzen. Und dann sind wir überrascht, wenn sie es nicht sind.

Wer es mit Patrick Fischer hält, sagt: Fischer hat Eishockey trainiert. Er hat keine Doktorarbeit in angewandter Ethik eingereicht. Den Heiligenschein haben ihm andere aufgesetzt, nicht er selbst. Dem kann man entgegnen: Fischer hat für seine Mannschaft selber einen anspruchsvollen Wertekanon aufgestellt und offensiv propagiert. Da kann er nicht einfach den ethischen Hinterausgang nehmen.

In ein paar Wochen beginnt die Heim-WM. Die Spieler, die Fischer im letzten Jahrzehnt geformt hat, werden auflaufen. Der Stil, den er ihnen beigebracht hat – lebensbejahend, offensiv, ohne Angst – wird sichtbar sein. Sein Name wird auf den Tribünen und im TV immer wieder fallen. Noch. In einem Jahr dann wohl nicht mehr. Aber das, was Fischer dem Schweizer Nationalteam hinterlassen hat, wird bleiben: der Mut, das Selbstverständnis, der Glaube an die grösstmöglichen Ziele.

Was bleibt, ist das Werk. Wer geht, ist der Mann. Beides hat er sich verdient. So kompliziert ist der Mensch.

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