«Schwieriger, aber notwendiger Schritt»
0:26
Verbands-Boss zur Entlassung:«Schwieriger, aber notwendiger Schritt»

Wie kam die Polizei Patrick Fischer auf die Schliche?
Was man aus dem Strafbefehl ableiten kann

Er ist nicht mehr Trainer der Schweizer Eishockey-Nati – früher als geplant und unfreiwillig. Patrick Fischer flog um die Ohren, dass er sich für Olympia 2022 ein gefälschtes Covid-Zertifikat besorgt hatte. Doch: Wie ist er im Jahr 2023 überhaupt aufgeflogen?
Kommentieren
1/8
Patrick Fischer ist über eine alte Geschichte gestolpert.
Foto: imago/CTK Photo

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Patrick Fischer fälschte Covid-Zertifikat, um 2022 an Olympia teilzunehmen
  • Er zahlte 400 Franken in Bitcoin und nutzte das Zertifikat für China
  • 2023 wurde er zu 40'000 Franken Strafe verurteilt, jetzt verlor er seinen Job
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Blick_Portrait_2537.JPG
Nicolas LuratiReporter News

Patrick Fischer (50) ist der Mann der Stunde. Aber nicht im positiven Sinne. Seit publik wurde, dass der Hockey-Trainer ein Covid-Impfzertifikat gefälscht hat, steht er täglich, ja stündlich, in den Schlagzeilen. Sein Name, sein Gesicht, seine Vergehen, seine Lügen – überall und immer wieder in den letzten Tagen.

Klar ist: Er hat sich ein Zertifikat besorgt, das ihm Covid-Impfungen attestiert, obwohl er diese nicht hatte. Fischer tat dies, um mit seiner Mannschaft zu Olympia 2022 in Peking reisen zu können. Ebenfalls klar ist: Fischer wurde mittlerweile vom Verband gefeuert.

Strafbefehl wirft eine grosse Frage auf

Schaut man sich den Strafbefehl der Luzerner Staatsanwaltschaft an, bleibt eine grosse Frage jedoch unbeantwortet: Wie ist Patrick Fischer damals bei der Polizei aufgeflogen? Im Dokument, das Blick vorliegt, steht nämlich: «Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt, mutmasslich im Oktober oder November 2021, bestellte der Beschuldigte via Telegram-App in der Gruppe ‹Covid Schweiz› von einer unbekannten Person ein gefälschtes Covid-Zertifikat, welches bestätigen sollte, dass er die beiden Covid-Impfungen erhalten hatte.» Datiert ist der Strafbefehl auf den 21. Juli 2023.

Dann habe Fischer der unbekannten Person 400 Franken per Bitcoin für das gefälschte Zertifikat bezahlt und eine Passkopie geschickt. «Am 22.11.2021 erhielt der Beschuldigte das gefälschte Covid-Zertifikat per Telegram oder E-Mail.»

Heisst: Die Strafverfolgungsbehörden kamen den Hintermännern, die Fischer das Fake-Zertifikat organisierten, bis jetzt nicht auf die Schliche. Oftmals war das bei gefälschten Zertifikaten anders, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Die Aussteller dieser gefälschten Impfzertifikate waren oft Mitarbeiter von Impfzentren, von Spitälern, Ärzte mit privaten Praxen oder Praxispersonal. Kurz: Leute mit Zugang zu medizinischen Informationen.

Impfpass-Aussteller immer wieder vor dem Richter

Immer wieder wurden diese Personen ausfindig gemacht. Wie etwa bei einem Fall im Kanton Aargau, bei dem sich Patienten wegen Urkundenfälschung einen Strafbefehl einhandelten. Sie besorgten sich Impfzertifikate, aber liessen sich nicht impfen. Pass ohne Piks. Die Kosten: zwischen 500 und 600 Franken, wie die «Aargauer Zeitung» damals berichtete. Der Hintermann, oder besser gesagt die Hinterfrau: eine Ärztin mit einer Praxis in Zürich.

So kam es zum Covid-Geständnis von Patrick Fischer
0:34
SRF-Redaktor Schmitz erklärt:So kam es zum Covid-Geständnis von Patrick Fischer

Ebenfalls im Kanton Zürich verkauften 2021 zwei Arztgehilfinnen Fake-Zertifikate – pro Dokument sackten die beiden Frauen bis zu 1000 Franken ein. Rund 1100 gefälschte Zertifikate stellen die beiden Praxisassistentinnen aus. Und verdienten sich eine goldene Nase – nämlich gut eine halbe Million Franken!

Anderer Kanton, anderer Fall: Ein junger Mitarbeiter (20) des kantonalen Impfzentrums Schaffhausen hatte sich einen unerlaubten Zustupf verdient, indem er Ungeimpften Corona-Zertifikate verkauft hatte. Und zwar mehrere Hundert. Der Fall flog im November 2021 auf.

Worüber stolperte der «Eisgenosse»?

Doch bei Patrick Fischer muss es anders gelaufen sein. Da die Hintermänner bisher unentdeckt blieben, müssen die Behörden Fischer direkt auf die Schliche gekommen sein. Aber wie? Jemand könnte den – mittlerweile – Ex-Nati-Trainer verraten haben. Verplapperte sich Fischer in der Zeit nach Erhalt des Zertifikats? Anderer Punkt: Der Strafbefehl ist nur wenig informativ und sehr knapp gehalten. Ein Hinweis darauf, dass Fischer gegenüber den Ermittlern nicht kooperativ war?

«Schwieriger, aber notwendiger Schritt»
0:26
Verbands-Boss zur Entlassung:«Schwieriger, aber notwendiger Schritt»

Wie auch immer: Bekommen hatte Fischer das gefälschte Zertifikat Ende November 2021 – wie erwähnt. Anschliessend habe er das Dokument in die App «Covid Cert» importiert, heisst es weiter im Strafbefehl. «Folglich besass der Beschuldigte ein gefälschtes Covid-Zertifikat, welches ihm attestierte, dass er je am 27.10.2021 und am 22.11.2021 eine Covid-Impfung erhalten hatte, obschon dies nicht der Fall war.» Und: «Im Zeitraum vom 03.02.2022 bis ca. 15.02.2022 reiste der Beschuldigte mit dem gefälschten Zertifikat sodann nach China, im Wissen darum, dass er ohne Zertifikat nicht in China hätte einreisen dürfen.»

Der Rest ist bekannt: Fischer kassiert im Juli 2023 wegen Urkundenfälschung eine unbedingte Geldstrafe von knapp 40'000 Franken. Jetzt, fast drei Jahre später, ist die Strafe bedeutend höher: Sein Ruf ist ruiniert, seinen Job ist er los – unfreiwillig und früher als geplant.

In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen