Reto Berra nach Meister-Party schon wieder in der Nati
«Ich bin immer noch im Playoff-Modus»

Weniger als eine Woche nach dem Gewinn des nationalen Titels mit Fribourg steht Reto Berra bereits mit der Schweizer Nati auf dem Eis. «Ich habe in meiner Jugend genug gefeiert.»
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Zum zweiten Mal Meister: Berra herzt den Pokal.
Foto: Pascal Muller/freshfocus
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Grégory BeaudJournalist

Ibiza wird gerade von feierwütigen Profisportlern überrannt. Der FC Schalke feiert dort seit vergangenem Wochenende die Rückkehr in die 1. Bundesliga. Die Thun-Spieler begiessen auf der Insel ebenfalls ihren überraschenden Meistertitel. Und auch Teile des Teams von Fribourg-Gottéron machen die Balearen-Insel nach dem Final-Coup unsicher.

Fribourgs Meister-Goalie Reto Berra (39) ist dort nicht dabei. Er bereitet sich wie seine Klubkollegen Christoph Bertschy, Attilio Biasca und Simon Seiler auf die bevorstehende WM in Zürich und Fribourg vor. Bereut er es, in Schweden auf dem Eis zu stehen, während andere in Spanien feiern? «Im Leben muss man Entscheidungen treffen. Du kannst nicht alles haben, und ich bin froh, hier zu sein.»

Reto Berra hat eine lange Saison hinter sich, in der er vor einer Woche den Titel gewann. Seitdem? Ein Sturm der Emotionen mit einer Rückkehr nach Fribourg mitten in der Nacht und einer Parade vor 80'000 Freiburgern in Trance. Hätte er nicht gerne noch ein bisschen weitergefeiert? «Ich habe in meiner Jugend genug gefeiert», sagt er lachend. «Jetzt möchte ich vor allem noch mehr vom Eishockey profitieren.»

«Ich werde mein ganzes Leben mit Fribourg verbunden bleiben»

Eine bewundernswerte Einstellung für jemanden, der gerade eine grandiose und zugleich chaotische Woche hinter sich hat. «Ganz ehrlich? Ich glaube nicht, dass ich das, was wir in den letzten Tagen erlebt haben, schon realisiert habe», bemerkt er.

«Für mich ist es immer noch unwirklich. All diese Emotionen, die ich mit den Menschen in Fribourg erlebt habe, sind fantastisch. Nach all der Zeit des Wartens haben wir unglaubliche Momente erlebt. Ich glaube, dass ich für mein ganzes Leben mit Fribourg verbunden bleiben werde.»

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Wie jeder Spitzensportler, der etwas auf sich hält, hat Berra die Fähigkeit, Ereignisse schnell abhaken zu können. Egal ob positiv oder negativ. Aber die Extreme der letzten Tage machen dies schwieriger, auch wenn er es nicht so ausdrücken würde. «Als ich am Dienstag hier ankam, habe ich das Kapitel Fribourg für eine Weile auf Eis gelegt. Im Sommer werde ich es wieder eröffnen. Ich freue mich schon jetzt darauf, mit einem kühlen Bier im Liegestuhl zu sitzen, all diese Bilder und Emotionen hervorzuholen und sie ein zweites Mal zu erleben.»

Doch bevor Berra die wohlverdiente Ruhe bekommt, muss er sich auf die WM vorbereiten. Und auch wenn er schon zehn Mal dabei war, wird diese eine ganz besondere sein, denn sie findet in Zürich statt, nur einen Puckwurf von seinem Heimatort Bülach entfernt: «Ich habe schon einige Ticketanfragen von Verwandten bekommen», erzählt er.

Für den 39-Jährigen, der schon dreimal Silber gewonnen hat, wird es die erste und bestimmt auch letzte Heim-WM sein. «Ich freue mich riesig auf dieses grosse Ereignis», sagt er. «Das war schon die ganze Saison über in meinem Kopf.»

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Aber kann man so schnell von einem grossen Erfolg zu einem gewöhnlichen Spiel in Schweden an einem Donnerstagnachmittag gegen Finnland switchen? Ist das wirklich möglich? «Ja», sagt Berra, ohne zu zögern. Wie soll das gehen? «In meinem Kopf bin ich noch im Playoff-Modus. Der Titel gegen Davos war ein Spiel sieben, aber wir werden die nächste Serie starten. Ich habe gerade sechs Wochen Playoffs hinter mir und hier in Schweden bin ich in meiner siebten. Die achte wird die nächste sein, wenn die WM beginnt.» Einfach, oder?

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