Darum gehts
- Fribourg-Gottéron holt ersten Meistertitel der Klubgeschichte mit 2:1-Sieg in Davos
- Captain Julien Sprunger beendet Karriere nach 1186 Spielen mit Pokalsieg
- Party in Freiburg dauert bis in die frühen Morgenstunden
Um 22.45 Uhr
Der schwedische Playoff-Topskorer Lucas Wallmark schiesst Fribourg nach 65:56 Minuten im Powerplay zum ersten Meistertitel der Klubgeschichte und startet die grosse Party gleich mit einem Sprint übers ganze Eis in Richtung Gottéron-Fans.
Um 22.45 Uhr
Nicht nur in Davos startet die Gottéron-Party, sondern auch daheim in Freiburg, wo sich 9000 Fans in der BCF-Arena und gegen 20'000 vor dem Stadion zum Public Viewing versammelt haben, geht nach Wallmarks Treffer die Post ab.
Um 22.52 Uhr
Nati-Stürmer Christoph Bertschy wird nach seinem zweiten Meistertitel – den ersten gewann er vor 13 Jahren mit dem SC Bern gegen Fribourg – im Interview mit MySports von den Emotionen übermannt und bricht in Freudentränen aus.
Um 23.12 Uhr
Nachdem die Freiburger die Gratulationen der Davoser Spieler entgegengenommen haben, ist es endlich so weit: Gottéron-Captain Julien Sprunger stemmt den Pokal in die Höhe. Da ist das Ding. Jetzt ist er Meisterfluch der Freiburger, die davor viermal im Final gescheitert waren, endgültig begraben. Niemand kann ihnen den Triumph mehr nehmen. Nie mehr werden gegnerische Fans höhnisch singen können: «Ihr werdet nie Schweizer Meister.» Für Sprunger, den Mann mit der Nummer 86, schliesst sich im 1186. Spiel der Kreis. Dort wo er als 16-Jähriger vor 24 Jahren debütierte, holt er in seinem letzten Spiel den Titel. Als hätte es ein kitschiges Drehbuch gegeben. Immerhin schiesst Sprunger nicht noch ein Tor.
Um 23.18 Uhr
Meisterschütze Lucas Wallmark hat sein Handy in der Kabine geholt, um die Festivitäten filmen zu können. «Es ist unglaublich und schwierig zu begreifen», sagt er zu Blick. «Es ist ein grandioses Gefühl. Ich bin so glücklich. Als Kind träumt man davon, in der Overtime in einem Game sieben ein Tor zu schiessen.» Und wie viel Bier wird fliessen? «Viel.»
Um 23.20 Uhr
Die Freiburger hüpfen und tanzen vor dem Gästesektor. «Schweizer Meister, Schweizer Meister», singen Fans und Spieler gemeinsam. Immer wieder werden andere Helden besungen. Von Meistermacher Roger Rönnberg bis zu Captain Julien Sprunger.
Um 23.26 Uhr
Er habe schon so lange darüber nachgedacht, was er in diesem Moment sagen wolle, erzählt Nati-Goalie Reto Berra auf Mysports, und seine Stimme wird brüchig und seine Augen wässrig. «Jetzt weiss, was ich sagen will: Ich habe so mega Freude für alle Freiburger. Es ist eine Riesenfamilie. Sie mussten so lange warten. Und gleichzeitig habe ich so viel Freude für Julien Sprunger.» Dabei gehe es nicht um Titel oder Siege. «So wie er jeden Menschen in dieser Garderobe empfängt und mit ihm umgeht – um das geht es im Leben.» Da bleibt kein Auge trocken. Für den 39-Jährigen ist es der perfekte Abschluss, ehe er zu Kloten wechselt. 17 Jahre nach seinem ersten Titel mit Davos kann er nach acht Jahren bei Gottéron den historischen Triumph feiern.
Um 23.28 Uhr
«Ich bin so gerührt. Julien beendet seine Karriere als Sieger. Ein Sieger für den Rest seines Lebens. Niemand verdient dies mehr als Julien Sprunger», sagt Meistermacher Roger Rönnberg. Ist der Schwede ein Party-Tier? «Ich muss schlafen. Es war eine lange Saison. Wir haben wirklich hart gearbeitet, um diese Chance zu bekommen», winkt er ab. «Ehrlich, ich werde jetzt zwei Wochen lang schlafen.»
Um 23.30 Uhr
Still geniesst Rönnbergs Assistent Lars Leuenberger die Szenerie. Für ihn ist es Meistertitel Nummer 4. Einen holte er als Spieler, einen als Asslstent von Antti Törmänen 2013 mit dem SCB gegen Fribourg, einen als Headcoach 2016 mit Bern und nun jenen mit Fribourg.
Um 23.35 Uhr
«Es ist crazy, dass sie es geschafft haben», sagt Elin Hurschler, die Freundin von Stürmer Attilio Biasca, strahlend. «Sie haben davon geträumt, und jetzt haben sie es geschafft. Es ist unglaublich.» Und Biasca sagt, nachdem er einen Schluck aus der Bierdose genommen hat: «Ja, es ist unglaublich. Jetzt werden wir dermassen feiern. Es gibt nichts Geileres als das.» Und wie lange wird gefeiert? «Keine Ahnung. Lang. Unendlich von mir aus.»
Um 23.40 Uhr
Julien Sprunger hat in der Stunde des Triumphs seinen alten Weggefährten Andrej Bykow nicht vergessen, als er gefragt wird, an wen er in diesen Momenten denke. «An viele Menschen. Natürlich an Andrej. Wir haben uns den ganzen Tag geschrieben, seit Tagen. Ich wusste, dass er kommt. Ich habe fast meine gesamte Karriere mit ihm verbracht. Und dann denke ich auch an all die Leute, die diesen Verein aufgebaut haben. Es wird immer vom 4. März 1980 und dem Aufstieg gesprochen. Aber jetzt werden alle über den 30. April sprechen. Wir haben eine neue Seite in der Geschichte von Fribourg-Gottéron geschrieben. Es ist sicherlich die schönste.» Dabei hatte der 40-Jährige schon vor einem Jahr an den Rücktritt gedacht. Nach Gesprächen mit dem neuen Trainer Roger Rönnberg habe er sich gesagt: «Ich gebe mir noch eine letzte Chance. Im Nachhinein betrachtet war es die beste Entscheidung meines Lebens. Sportlich gesehen war es der schönste Tag meines Lebens. Man kann sich nichts Besseres wünschen.»
Um 23.59 Uhr
Auf die Frage, ob er ein Party-Tier sei, sagt Marcus Sörensen: «Ich glaube, ich bin die Nummer 1 im Team beim Partymachen.» Er habe viel Erfahrung im Feiern, sagt der schwedische Stürmer, der mit Fribourg den ersten Titel seiner Karriere geholt hat. «Wir werden es geniessen. Und ich hoffe, die Fans geniessen es. Sie verdienen es. Seit ich vor vier Jahren hierherkam, waren sie fantastisch. Ich kann ihnen nicht genug danken.»
Um 1.02 Uhr
Obwohl Tausende von Fans in Freiburg warten, haben die Meisterhelden keine Eile. Sie geniessen das Zusammensein in Davos in vollen Zügen. Dass gegen 30'000 Anhänger beim Public Viewing waren, überrascht Captain Julien Sprunger nicht: «Es sind nicht nur wir auf dem Eis. Es sind nicht nur 25 Jungs. Da steht ein ganzer Verein dahinter, Leute, die schon so lange davon träumen, die Jahr für Jahr daran glauben. Wir haben 100 Spiele in Folge in einem ausverkauften Stadion gespielt. Die Leute haben nie aufgegeben.» Allmählich machen sich die frischgebackenen Meister dann aber doch auf den Heimweg. Mit dem Car dauert dieser aber knapp vier Stunden.
Um 4.19 Uhr
Die Fans in Freiburg warten sehnlichst auf ihre Helden. Sie zünden Pyros, singen und machen die Nacht in der Saanestadt zum Tag.
Um 4.36 Uhr
Noch immer sind Julien Sprunger, Reto Berra und Co. nicht angekommen. Lange dürfte es aber nicht mehr gehen, bis die Party so richtig beginnen kann.
Um 5 Uhr
Da sind sie! Captain Julien Sprunger präsentiert der Menschenmenge den Pokal. Es wird gesungen, gejohlt, getanzt, gejubelt und einfach gefeiert. In Freiburg ist der 1. Mai zwar kein Feiertag, eine Freinacht gibts aber dennoch. Bars dürfen länger offen haben. Grosse Zwischenfälle gibts keine, wie die Polizei meldet.
