Kolumne von Style Writer Wäis Kiani Seelenheil für ein Butterbrot

George Michael hat ungefähr 1,5 Millionen in der Schweiz liegen lassen, um von seinen Süchten befreit zu werden. Genützt hat es nichts.

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Sie haben es sicher mit­bekommen: Der verstorbene Sänger George Michael hatte schwerste Suchtprobleme. Sein Freund glaubt, nicht ein Herzstillstand, sondern eine Überdosis sei Schuld an seinem Tod. Also daran habe ich auch gleich gedacht. Er war wahrscheinlich zu Hause und hat es sich an Heiligabend ­ordentlich besorgt. Wobei ich gar nicht weiss, wie das einer anstellt, der täglich 25 Joints und dazu Crack raucht und Kokain nimmt.

George lebte ja vor einem Jahr längere Zeit unter uns, in Küsnacht am Zürichsee, in der bekannten Entzugsklinik The Kusnacht Practice. Er checkte dort ein, weil er sich in ­einem derart ­verheerenden ­Zustand befand, dass er superdicht aus dem von seinem Fahrer gelenkten, fahrenden Bentley gefallen war. Er hatte Raum und Zeit­ ­vergessen und wollte mitten auf der Autobahn aussteigen.

Also ging der Sänger ins «Addiction Treatment Center» in Küsnacht und blieb ein ganzes Jahr. Ich habe mir die Klinik einmal angesehen, der Direktor ist ein britischer Arzt, Dr. David Smallwood. Die Website des Betriebs kann man ­seltsamerweise auf Japanisch, Englisch, Französisch und Arabisch lesen, aber nicht auf Deutsch. Sie heilen dort Süchte, Depressionen, Burn-outs. Die Leiden ­heissen auf Französisch «les troubles». Die Süchtigen werden nicht Patienten, sondern Kunden genannt. Eine Woche Suchtheilung kostet zwischen 70'0000 und 100'000 Franken.

Oui, oui. Dazu kommen ­sicher noch andere Kosten wie in jedem Luxushotel. Die ­Kunden bekommen im The Kusnacht Practice kein Zimmer, sondern eine eigene Villa mit Butler und einem Driver zugewiesen, der fährt sie dann zu den «Treatments». George ­Michael zahlte fast 1,5 Millionen Franken für seinen Aufenthalt am Zürichsee.

Die Therapien – Elektroschocks, «Biochemical Restoration», «Family Systems» – scheinen sinnvoll, aber weniger erfolgreich als erhofft. Denn George lag ein Jahr später tot in ­seinem Bett. Vielleicht nahm er das Continuing-Care-Angebot nicht in ­Anspruch? Oder hatte er der Klinik monatlich 100'000 Franken für die Folgebetreuung ­bezahlt und ist trotzdem gestorben?

Sieht man sich die Bilder der Klinik im Internet an, bekommt man etwas Angst, wie viele Verzweifelte es ­geben muss, die solch ­astronomische Summen zahlen, um von ihren Ängsten und Süchten befreit zu werden. Ich gründe jetzt meine eigene Suchtklinik, ich habe ja ein Buch darüber geschrieben und kenne mich aus. Ob Alkohol-, ­Drogen-, Sex-, Fress- oder Magersucht, ­Single-Angst, Angst vor dem Altern, Scheidungstrauma: Schreiben Sie mir, ich bringe Sie nach vorn. Es kostet bei mir vergleichsweise nur ein Butterbrot!

Zur Person

Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

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Publiziert am 11.01.2017 | Aktualisiert am 11.01.2017
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