Kolumne von Style Writer Wäis Kiani Der Weg ist definitiv kein Ziel

Wäis Kiani über die Nettigkeit von Psychologen.

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Erwähnte ich eigentlich, dass zu den Dingen, die ich am allermeisten hasse, zu Fuss gehen gehört? Ich hoffe, es hat eine reinigende oder Karma relevante Wirkung, wenn man vorsichhin marschiert, obwohl man es hasst, denn ich bin diese Woche gefühlte tausend Kilometer zu Fuss durch die Schweiz gepilgert – auf der Suche nach neuen Erkenntnissen. Ich hatte zwar keinen Rucksack mit Steinen auf dem Rücken, aber mein MacBook, Bücher, der Tages-Proviant und Stifte wogen schwer. Ich war schliesslich unterwegs, um Psychologen zu interviewen für eine grosse Geschichte, die Sie in Kürze in diesem Blatt lesen können.

  • Zur Person

    Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

Ich bestellte also bei schwerem Schneefall jeweils «Uber» und jedesmal rief mich der Fahrer an, er stehe «ums Eck». Also marschierte ich hin, wir fuhren an die Zieladresse, er liess mich irgendwo aussteigen, denn «da kann ich nicht hineinfahren». Also marschierte ich noch immer bei schwerem Schneefall mit dünnen Ledersohlen schmale Gassen rauf und noch schmälere runter, fragte Menschen nach dem Weg und liess mich schliesslich von Google Maps zum richtigen Haus führen. Dort schleppte ich mich über die knirschende Holztreppe in den dritten Stock hoch, wo mich schliesslich eine bezaubernde Person in Empfang nahm und mich in einen Raum mit entzückenden Mini-Sandwiches führte. Schlagartig war alles vergessen.

Die Unterhaltung mit der klugen Psychologin war dermassen kurzweilig, dass ich es nach drei Stunden bedauerte, gehen zu müssen, aber die nächste Psychologin wartete schon auf mich. Wieder Fussmärsche, Kälte, Treppen, leises Winseln, eine elegante Lady, keine Sandwiches aber wiederum ein sehr schönes, bereicherndes Gespräch. Danach musste ich erneut sehr lange zu Fuss gehen, um weitere schöne Gespräche zu führen. Morgen muss ich dafür sogar in eine Seegemeinde reisen. Die Person, die ich dort besuchen will, wohnt angeblich «ganz nah» beim Bahnhof. Es werden mindestens zwei Kilometer sein, und es wird schneien, bestimmt. Aber auch das werde ich schnell vergessen, und danach gutgelaunt und sehr viel klüger zur S-Bahn marschieren. Und wieder einiges über mich und die anderen Menschen erfahren.

Stellen Sie sich vor, heute habe ich vernommen, was das Gehemnis ist, um mit sich und anderen Menschen glücklich zu werden: Grosszügigkeit und Emphatie! Das haben alle Psychologen unabhängig voneinander gesagt. Wussten Sie das? Ich nicht, allein dafür lohnte sich die Marschiererei. Jeder sollte hin und wieder mit einer Psychologin oder einem Psychologen reden, egal über welches Thema. Ich habe schon lange keine angenehmeren und intelligenteren Menschen erlebt.

Publiziert am 03.03.2016 | Aktualisiert am 03.03.2016
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