Kolumne von Style Writer Wäis Kiani Der kluge Mann «jagt» während der EM

Warum EM und WM auch für nicht-fussballbegeisterte Männer die beste Zeit der Jahre sind.

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Mein Freund Z. und ich sassen letzte Woche am wohl heissesten Tag dieses Monats, vermutlich dieses Sommers, im Garten des Zürcher Restaurants Terrasse, wir lunchten. «Z.», sagte ich, «ich wurde in den letzten Wochen zu derart vielen Events, Partys und Dinners eingeladen wie sonst in einem Jahr nicht. Alle Einladungen kommen aus Deutschland, obwohl ich nie Einladungen aus Deutschland bekomme, die haben mich längst abgeschrieben. Und alle Einladungen sind für den 9. Juni, total verrückt! Nie eingeladen worden – und jetzt plötzlich von allen. Und alle am selben Tag. Was ist los?»

  • Zur Person

    Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

«Ach», sagte Z., «das ist doch wegen der Fussball-EM, und der 9. Juni ist der letzte Abend, danach sehen vier Wochen alle nur noch fern, und man bekommt die Leute nicht mehr dazu, irgendwo hinzugehen, wo kein Fussball läuft.» Ich war schockiert. Schon wieder EM? Ich hatte von nichts etwas mitbekommen und nicht die leiseste Ahnung. Ich hasse Fussball sowieso, aber die EM und WM hasse ich besonders – allein aus dem Grund, weil alle die ganze Zeit komplett aus dem Häuschen sind und den Spass ihres Lebens haben, auch Frauen und Kinder. Nur ich habe noch weniger Spass als sonst, weil alles fussballverseucht ist.

Dann überfiel mich Panik – nämlich die Angst, dass mein fussballsüchtiger Grafiker, mit dem ich eng zusammenarbeite, die nächsten vier Wochen nicht zu gebrauchen ist. «Die Spiele sind doch nur abends», sagte Z., um mich zu beruhigen. «Ja und?», schrie ich. «Der muss sich doch immer auf ein Spiel vorbereiten, und am nächsten Tag ist er verkatert und, wenn die falschen gewonnen haben, depressiv.» – «Ach, die EM», sagte Z., «ich liebe die EM.»

Ich war verwundert, Z. interessierte sich kaum für Fussball. Was ein Wunder ist, denn er ist Deutscher. Vermutlich liegt es daran, dass er seit über zwanzig Jahren in der Schweiz lebt. Und deutsche heterosexuelle Männer, die nicht wegen wichtigen Spielen durchdrehen, sind rar. Einer der vielen Gründe, die Schweiz zu lieben: Hier ist man sicher vor der ständigen Fussball-Guckerei, denn wenn nicht EM ist, ist Bundesliga oder Champions League oder was weiss ich.

Z. lehnt sich in seinem Stuhl zurück. «Die EM bedeutet vier wunderbare Wochen, wo alle Frauen einsam und gelangweilt in den Bars herumsitzen und es nicht glauben ­können, wenn einer wie ich kommt und sie anspricht. Sie weinen fast vor Dankbarkeit und sind leichte Beute. Die EM beschert mir den Höhepunkt meiner Jagdsaison.»

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Publiziert am 15.06.2016 | Aktualisiert am 15.06.2016
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