Kolumne von Style Writer Wäis Kiani Social Media, Tod der Mode

Mode-Blogger sind nur ein Phänomen dafür, dass vieles mit uns schiefläuft.

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US-Autorin Nancy Jo Sales hat ein Buch geschrieben, das gerade alle aufregt und beschäftigt: «Social Media and the Secret Lives of Teenagers» – ­Social Media und das geheime Leben der Teenager. Sales beschreibt darin, wie kalt und abgebrüht die heutige Jugend ist. Immer das iPhone in der Hand, immer auf irgendwelchen ­Social-Media-Seiten und null in der Realität. Jetzt tun alle so, als wäre das schockierend und eine grauenvolle Enthüllung, was ich wiederum total grauenvoll und schockierend finde.

Wie kann die Welt so verlogen sein? Wer in den letzten vier Wochen mal auf Instagram war, weiss, dort trifft sich die Welt – und nicht nur Jugend­liche. Instagram wird aktuell von langweiligen Catwalk-Videos geflutet, die all die vielen Hobby-Blogger von den Modewochen aus New York bis Paris posten. Und alle posten das Gleiche, alle finden dasselbe toll.

Designer bevorzugen Blogger

Blogger finden sowieso alles super, weil sie keine Ahnung haben und ­sogar Geld dafür bekommen. Gleichzeitig beschweren sich die echten Redaktoren der echten Magazine aus der realen Welt, dass in den ersten Reihen der Catwalks nur mehr nutzlose Blogger sitzen und nicht ihre Modechefinnen. Die Designer wollen aber die nutzlosen Blogger vorne haben, weil diese alles sofort auf Social Media posten – und ihre Shows sofort ins Gespräch bringen und nicht erst Wochen später auf bedrucktem Hochglanzpapier.

Weiter beschweren sich die echten Modeleute, dass sich die Blogger vor und nach den Shows fast prügeln, um in ihren geschenkten Klamotten selber fotografiert zu werden – damit sie durch einen Streetstyle-Post auf Social Media ihren eigenen Wert erhöhen können. Früher wünschten sich Mädchen einen «individuellen» Stil, heute tragen sie auf den Bildern total identische Kleidung. Weil Blogger dasselbe geschenkt bekommen, anziehen – und Bilder davon auf Social Media um die Welt ziehen. Macht beispielsweise Puma einen neuen Schuh, posten den sofort 500 Blogger – weil er vorgängig selbstverständlich an sie verschickt worden ist.

Hier stimmt was nicht

Sehen Sie das ganze verkorkste ­System? Designer bezahlen hübsche junge Mädchen, die keine Lust haben, etwas zu lernen und zu arbeiten – sondern lieber jeden Tag etwas anderes anziehen, sich damit fotografieren ­lassen, auf Partys abhängen, um dort wieder von Fotografen fotografiert zu werden. Auch diese werden dafür ­bezahlt – damit wir all ihre Bilder ansehen und vielleicht eine der gezeigten Designerklamotten kaufen.

Und schuld an solchen Phänomenen sind die Teenager, die nonstop an ihren iPhones hängen, weil dort alles passiert, was sie wissen müssen? Ich sage Ihnen, irgendetwas stimmt mit ­un­serer Gesellschaft tatsächlich nicht. Aber nicht nur bei den ganz jungen Menschen.

  • Zur Person

    Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

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Publiziert am 13.10.2016 | Aktualisiert am 13.10.2016
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