Kolumne von Style Writer Wäis Kiani Bommel aus der Hölle – reloaded

Pelz und damit Tierleid hat am Weihnachtsbaum nichts zu suchen – sollte man meinen.

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Erinnern Sie sich an die Skandal-Kolumne vom letzten Jahr, «Bommel aus der Hölle»? Es war wohl die meistkommentierte Kolumne, die ich je geschrieben habe. Noch Monate später wurde der Text von wildfremden Menschen auf Social Media gepostet.

Zur Erinnerung: Es ging darum, dass die italienische Modefirma Fendi mit ihren bunten Pelzbommeln einen unerträglich grausamen und sinnentleerten Hype losgetreten hatte. Nicht nur, dass Damen mit viel Geld und ohne Hirn es schick fanden, eine bis mehrere dieser Pelzkugeln (ab 500 Franken) zu kaufen – andere Modemarken zogen nach und stellten günstigere Bommel aus noch zweifelhafteren Pelzproduktionen her, damit sich auch Frauen mit kleinem Budget diesen Blödsinn leisten konnten. Und schon hatten wir den überflüssigsten aller überflüssigen Trends: blutige Kadaver gequälter Tierchen, hübsch eingefärbt an den Handtaschen unreflektierter Frauen.

Nun, der Bommelhype schien sich zu beruhigen. Diese Woche aber gab Fendi eine grosse Weihnachtsparty im Mandarin Oriental Hotel in München. Keine Sorge, ich war weder dort noch eingeladen – denn Fendi hat seit der Bommel-Kolumne Angst vor mir. Aber ich sah auf Facebook davon ein Foto mit debil grinsenden Damen. Sie standen in der weihnächtlich geschmückten Hotellobby – ausnahmslos alles reiche Ehefrauen und Ex-Ehefrauen, betuchte Witwen, Bloggerinnen und ein paar arbeitslose Starlets. Denn die wirklich feine Gesellschaft hat sich in Deutschland schon lange aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Aber seltsamer als die grinsenden Gesichter war der gigantische Weihnachtsbaum, vor dem die Frauen standen. Ich traute meinen Augen nicht: Der Baum war voller fussballgrosser, bunter Pelzbommel! Es gab unfassbar viele davon. Ein Baum voller Tierkadaver, Nerze, Füchse, Waschbären und was weiss ich was. Für die Supersize-Grösse mussten sicher vier bis fünf Nerze ihr Leben lassen. Die Posterin hatte auf Facebook übers Foto geschrieben: «Was für ein spektakulärer Weihnachtsbaum!»

Ich dachte ja erst, das kann nicht sein, das sind sicher Plüschkugeln – kein normaler Mensch hängt Pelz an den Tannenbaum, nach all dem, was wir darüber gelernt haben. Dann stand aber anderntags in einer Tageszeitung: «Münchens umstrittenste Tanne: O Pannenbaum.» Geschrieben von einer Anwesenden, die schockiert war, den Baum zu sehen – und noch schockierter darüber, wie begeistert der Gastgeber und die Gäste von der Idee waren. So viel Elend – und dazu «Jingle Bells».

Zur Person

Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

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Googeln Sie den Artikel, da steht es drin, und es wird Ihnen den Magen umdrehen. Wer Weihnachtsbäume mit toten Tieren schmückt, passt nicht zu uns.

Publiziert am 30.11.2016 | Aktualisiert am 30.11.2016
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