Kolumne von Style Writer Wäis Kiani Ein Engel namens Maria

Wäis Kiani findet in der eiskalten Ferienhölle einen Strahl Wärme.

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Ich schreibe diese Zeilen in Griechenland, um ganz genau zu sein, auf Kreta. Für mich eine sehr abenteuerliche Sache, denn ich war noch nie in Griechenland, noch nicht mal auf Mykonos, wo alle die ganze Zeit sind. Und als ich anfing zu suchen, waren die Preise verdächtig niedrig – ich bin ja den Wucher auf Ibiza gewöhnt, der einem im Vergleich zu Südfrankreich aber immer noch günstig vorkommt. Also buchte ich – fünf Sterne Deluxe, Adults only. Ganztägiges Kindergeschrei am Pool ist das Letzte, was meine Nebenhöhlen gebrauchen können.

Weiss und kalt

Die Ankunft im «Adults only» ist sehr weiss und sehr kalt wegen der Klimaanlage. Das Resort, eine halbe Stunde Autofahrt von Heraklion entfernt, ist minimalistisch eingerichtet und erinnert eher an eine Schönheitsklinik als an ein mediterranes Feriendomizil. Ich ziehe mir die Kapuze meines Sweatshirts über den Kopf und bete, meine Stirnhöhle möge mir die kalte Lobby verzeihen.

  • Zur Person

    Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

Ich solle mich beeilen, sagt die Rezeptionistin, gleich ist die Dinnerzeit rum. Aber vorher bringt man mir mein Gepäck ins Zimmer. Das ist eine vierminütige Fahrt mit dem Golfcaddy weit weg, in einem Labyrinth seelenloser Reihen weisser Bungalows. Der Hotelpage öffnet die Tür, und ich sehe nur ein Wohnzimmer und einen Balkon. «Wo ist das Bett?» Er deutet nach oben. Eine steile Leiter geht in einen fensterlosen Raum mit einem Bett. «Wie soll ich ohne Fenster bei der Hitze schlafen?» Er deutet auf die Klimaanlage. «Mit Klimaanlage schlafen tötet den gesündesten Menschen», sagt ich der Rezeption, «ich brauche ein anderes Zimmer.» «Wir sind voll, vielleicht morgen», ist die Antwort.

Ferien zum Heulen

Also zum Dinner, auf das ich mich schon während des Flugs gefreut habe. Das Restaurant ist ein eiskalter, geschlossener Raum. Vier starke griechische Männer kommen auf mich zu und wollen mir einen Tisch zuweisen. Ich fliehe auf die Terrasse und breche, total uncool, in Tränen aus. Nachdem ich mich in ein zehn Meter langes Stück Zellstoff, das ich mir von einer Rolle an der leeren Bar gerissen habe, schnäuze, kommt eine Frau zu mir: «Ich heisse Maria, hören Sie auf zu weinen, alles wird gut.»

Ich heule noch mehr. «Why worry? Morgen bekommen Sie ein schönes Zimmer, und ich bin für Sie da», sagt sie. «Kommen Sie nach unten und sagen Sie: Maria! Dann komme ich, und bringe Ihnen alles, was Sie wollen, hinauf auf die Terrasse, why worry?» Ich rotzte noch etwas vor mich hin, bis das ganze Papier schwarz ist von meiner Wimperntusche. Ich sehe sicher aus wie ein Vampir, nehme aber von dem Obst, das sie vor mich gestellt hat, und denke: «Why worry? Der Himmel hat mein Unglück nicht mehr ertragen und mir einen Engel geschickt. Sein Name ist natürlich Maria.»

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Publiziert am 29.06.2016 | Aktualisiert am 29.06.2016
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