Kolumne von Style Writer Wäis Kiani Der Taschen-Krieg der Deutschen

Die Londoner haben es einfach zu gut, es gibt hier einfach nichts, was keinen Spass macht.

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Der aufmerksame Leser wird sich erinnern: Neulich erzählte ich hier von der Streitsucht der Deutschen und dass sich wegen Jan Böhmermann alle so schlimm in den Haaren lagen und dass der Tod von Poplegende Prince für eine wohltuende Pause sorgte. Es nahm mich Wunder, was wohl der nächste Streitpunkt sein würde, denn meine Landsleute streiten sich seit einem Jahr wegen wirklich allem.

Nun den Auslöser für den neuen Massenfight gab es Anfang Mai: Ein harmloses Interview mit der Coffee-Table-Book-Verlegerin Angelika Taschen in einer deutschen Sonntagszeitung brachte den Zorn des Volks in unglaubliche Wallungen.

  • Zur Person

    Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

Das Interview war, wie soll ich sagen, peinlich und dümmlich, aber sind das nicht die meisten Interviews? Frau Taschen outete sich als «Wechseljuicerin und Flexotarierin», gab freundlich ihre Sicht auf den hippen Berlin-Lifestyle preis und dazu Tipps, was man in Berlin zu tun und zu lassen habe. Auf die Frage: «Wie viel Sex erlebt man auf Berliner Partys?», sagte sie: «Da tut sich was, so auf den Toiletten. Und dann geht man wieder raus und trinkt das nächste Glas Champagner.»

Jedes Kind weiss, dass man in Berliner Clubs keinen Champagner trinkt, und auf den Ü40-Kunstpartys von Frau Taschen ist auf den Toiletten gar nichts los. Man kann das Geplapper als bemüht sehen, jung und cool zu wirken, aber nicht als «arrogantes und selbstherrliches Geschwätz einer Reichen».

Ich kenne diese Kunst-Omas. Die sind alle so weltfremd, egal ob 35 oder 60. Und immer angestrengt urban, um hip zu wirken, was meistens an ihrem merkwürdigen Kleidungsstil schon leicht zu erkennen ist. Man muss die Kunst-Omas einfach in Ruhe lassen, sie haben Geld, sind wohlsituiert und wollen mehr, mein Gott.

In London hat Reichsein ein ganz anderes Level, wie ich eben in einem Wochenblatt gelesen habe, die Milliardäre (die natürlich alle auch Kunst sammeln) legen Wert darauf, immer die Hausnummer 1 zu haben. Deswegen baute man schnell ein paar seelenlose Luxusghettotürme: One Hydepark, One Elephant, One London, in denen die Mieten bei 20000 Franken in der Woche losgehen. Dafür hat man Concierge Service, einen 360-Grad-Blick über die City und eine Adresse, die einen von den anderen Reichen abhebt. Das sollten mal die Streithähne aus dem gallischen Dorf Deutschland erfahren, dann würden sie die arme Wechseljuicerin sofort loslassen.

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Publiziert am 26.05.2016 | Aktualisiert am 26.05.2016
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