Kolumne von Style Writer Wäis Kiani Lösung, wo bleibst du?

Wäis Kiani über die Langeweile des Erwachsenseins.

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Letzte Woche habe ich erfahren, dass ich und alle um mich herum in einem «schwierigen Alter» sind, und dies das Geheimnis meiner Langweile ist. Und damit der Grund, warum ich seit zwei Jahren nicht weiss, wohin mit mir, und von einer Krise in die nächste falle.

  • Zur Person

    Wäis Kiani, Schriftstellerin und Stil-Liebhaberin, schreibt jeden Sonntag über ihre Beobachtungen im Alltag. Ihr neues Buch «Die Susi-Krise» ist gerade im Piper-Verlag erschienen.

 

Die Oper ist nicht schuld

Ja, ich weiss, ich schrieb ein Buch darüber, aber in meinem Buch werden ja keine Lösungen beschrieben, sondern nur vorhandene Probleme. Also die plötzlich einsetzende grosse Langweile des Erwachsenseins und die ­dadurch entstehenden Störungen. «Zürich ist so langweilig», klagte ich also meiner Freundin Stephanie in Berlin. «Ich glaube, ich komme nach Berlin.» «Das liegt an unserem Alter», antwortete Stephanie: «Wir sind zu alt für die Aktivitäten der Jugend und zu jung, um in die Oper zu gehen und in Ruhe alt zu sein.» Ich werde nie alt genug sein, um in die Oper zu gehen, dachte ich mir, und ich kenne viele Langweiler, die jünger sind als ich und auch in die Oper gehen. Die Oper ist nicht schuld.

Daraufhin chattete ich mit Freundin P., die hat sich gerade von ihrem Mann getrennt. «Mir geht es nicht gut», schrieb sie, «mein Alltag ist scheisse.» – «Ach, dir ist langweilig», sage ich, «das liegt an unserem Alter, wir waren zu lange jung, haben von 14 bis 40 immer dasselbe gemacht.» Wir wissen nicht, wie älter werden, und auf das Vergangene haben wir auch keine Lust mehr. Sie gab mir vollkommen recht.

Wann sind wir alt genug, um alt zu sein?

Vorgestern sass ich mit meinem Vorgesetzten zusammen. Ohne Boyfriend ist das Leben langweilig, klagte ich, aber mit Boyfriend ist es grauenvoll. «Wir sind in einem schwierigen Alter», sagte er. «Wir wissen nicht wohin, wir sind zu jung, um schon alt zu sein. Mir ist auch langweilig, aber ich habe beschlossen, es einfach zu ignorieren.» «Aber was ist die Lösung?», rufe ich verzweifelt: «Müssen wir jetzt zwanzig Jahre warten, bis wir alt genug sind, um alt zu sein?» Er zuckte mit den Schultern. Sein Freund war schon mit zwanzig alt, der merkt also nicht, dass sich etwas geändert hat.

Abends fuhr ich zu Freundin B. Sie hat diese Probleme nicht, sie ist erst 26, frisch verheiratet und lebt in einem grossen, schönen Haus in Rüschlikon am Zürichsee. Ich besuchte B. diese Woche schon das zweite Mal, und ­wieder lag sie ungeschminkt in einer ­Jogginghose auf dem Sofa. «Seit ich ­verheiratet bin, bin ich voll gechillt, habe überhaupt keine Lust auf Party und Leute. Ich will nur mein Haus einrichten und meine innere Ruhe geniessen.»

Es ist wie verhext, eine attraktive 26-Jährige kann das Leben der Erwachsenen geniessen, und wir Erwachsenen sind innerlich komplett aufgewühlt und vermissen etwas, wovon wir nicht wissen, was es denn sein soll. Ich erwarte eine Lösung!

Publiziert am 08.06.2016 | Aktualisiert am 08.06.2016
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