Darum gehts
- Bus in Kerzers FR brannte, fünf Tote durch Selbstentzündung von Roger K.
- Postauto-Chauffeur Albino R. öffnete Türen, starb als Held
- Fabian Keller (†16) hatte gerade Schreinerlehre begonnen, starb tragisch
Eine gewöhnliche Busfahrt endete in einer Katastrophe. Als Roger K.* (†65) vergangene Woche im Postauto sass, zückte er plötzlich ein Feuerzeug, übergoss sich mit Benzin und zündete sich an. Der Bus ging in Kerzers FR in Flammen auf und riss fünf Menschen aus dem Leben.
Fabian Keller
Fabian Keller (†16) hatte noch sein ganzes Leben vor sich, machte gerade seine ersten Schritte ins Berufsleben. «Er hat viel zu jung gehen müssen», sagte Fabians Mutter Regula Keller (54) am Freitag zu Blick. Am Dienstag hatte Fabian gerade den zweiten Schnuppertag seiner Schreinerlehre in Courtepin FR absolviert.
Einen Tag zuvor sei Fabian noch voller Euphorie gewesen. Nach dem ersten Schnuppertag bei der Schreinerlehre am Montag habe er sich sofort bei ihr gemeldet. «Er hat noch per Videoanruf erzählt, dass alles gut gegangen sei und er in der kommenden Woche auf die Baustelle könne. Er hat so viel Freude gehabt. Und dann passiert am nächsten Tag so etwas.»
Postauto-Chauffeur Albino R.
Albino R.* (†63) hatte am Dienstag Dienst und fuhr das Postauto, das in Kerzers in Flammen aufgegangen ist.
Statt schnell zu flüchten und irgendwie rauszukommen, blieb Albino R. laut seinem Sohn Leandro G.* (42) im Bus. «Mein Vater starb als Held», sagte G. zu Blick. Der Chauffeur habe reflexartig angehalten und die Türen geöffnet. G. weiter: «Er hat sich also entschieden, nicht auszusteigen, möglicherweise, um besser helfen zu können.»
So ein Verhalten passe zu seinem Vater. «Er war jemand, der niemals aufgibt. Ein lebensfroher Mensch, immer für andere da, für die Familie, für die Enkelkinder.» Dass der fünffache Grossvater als Held gestorben ist, ist ein kleiner Trost für den 42-Jährigen. «Auf jeden Fall macht uns das stolz.»
Lara Baumgartner
Im Buss sass auch Lara Baumgartner (†26), Moderatorin von Energy Bern. Radio Energy gehört wie Blick zu Ringier. Ein Schock für Familie, Freunde und Arbeitskollegen. Um der 26-Jährigen zu gedenken, gab es vergangenen Donnerstag eine Spezialsendung. Simon Moser von Energy Bern, Anja Schäublin von Energy Zürich und Vivian Kunkler von Energy Basel führten gemeinsam durch den Morgen. Es gab keine Spiele, keine Rubriken. Lara Baumgartner stand im Mittelpunkt – und die Trauer.
Der Schock, dass die 26-Jährige nicht mehr da ist, ist deutlich zu spüren. «Wir haben im Team Kerzen für die Opfer angezündet und der Familie von Lara einen Brief geschrieben», erzählt Anja Schäublin in der Sendung. Dann kommt auch noch eine Kollegin zu Wort. «Hoi Lara, erst am Montag sassen wir noch in der Sonne und haben über das Leben philosophiert und du hast mir von deinen Zukunftsplänen erzählt.» Sie vermisst Lara Baumgartner sehr. «Mir fehlen die Worte. Ich denke fest an dich. Du wirst so fehlen.»
Ramesh S.
Auf seinem Arbeitsweg in die Coop-Filiale Düdingen FR sei er jeweils eine Station mit dem Bus gefahren. «Er hat mir immer am Morgen, wenn er arbeiten gegangen ist, ein Snapchat-Foto vom Bus geschickt», erzählt eine Verwandte. Auf dem Heimweg nochmals. «Am Dienstagabend kam aber kein Snap mehr an.»
Die Verwandten sind traurig und wütend auf Roger K. und diese furchtbare Tat. «Wenn er sich umbringen wollte, dann hätte er es auch einfach irgendwo allein machen können.»
Viktoria P.
Viktoria P.** (†39) starb bei der Katastrophe von Kerzers. Sie war an der Universität Freiburg angestellt und stammte aus der Region. In den sozialen Medien finden sich viele Beileidsbekundungen, in denen um die 39-Jährige getrauert wird. Sie sei jetzt endlich bei ihrem Sohn im Himmel, heisst es in einem Beitrag der Familie. Dahinter versteckt sich eine traurige Geschichte: P. verlor ihren Sohn 2014 unter tragischen Umständen.
Roger K.
Roger K. lebte zurückgezogen in einem Camper in der Nähe von Aarberg, einer Gemeinde im Berner Seeland. Er fiel schon in der Vergangenheit negativ auf. Er verschanzte sich 2019 im SRF-Gebäude in Bern und drohte, sich etwas anzutun. Und er meldete sich auch bei Blick in einem Schreiben.
«Ich bin schwer an einer Muskelerkrankung erkrankt und habe mein Leben lang gearbeitet», erzählte K. in einer Nachricht an den Blick damals. «Jetzt möchte ich meinen letzten Willen noch ausleben, bevor ich in Frieden gehen kann.» Er gab im E-Mail an, dass er aktuell in einem Arbeitsprogramm im Kanton Freiburg arbeite.
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net
* Namen bekannt
** Namen geändert