Darum gehts
- Am 10. März starben sechs Menschen bei einem tragischen Postautobrand in Kerzers
- Über 200 Personen nahmen an einer bewegenden Gedenkfeier mit fünf Kerzen teil
- 32-jähriger Verletzter mit schweren Verbrennungen besuchte trotz Schmerzen die Trauerfeier
Auf den Tag genau vor einem Monat kam es in Kerzers FR zur Katastrophe. Am 10. März um 18.25 Uhr entschied Roger K.* (†65), seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch der Rentner, der als psychisch instabil galt, tat dies auf tragische Weise. In einem Postauto übergoss er sich mit Benzin, zündete sich an und riss fünf Menschen mit in den Tod. Weitere wurden verletzt.
Am Freitagabend gedachten die Menschen aus Kerzers und Umgebung nun der Opfer, die die Tat von Roger K. gefordert hat. Opfer, Angehörige, Einsatzkräfte und die Bevölkerung trafen sich in der Seelandhalle zur Gedenkfeier.
Verletzter mit dabei
Gekommen ist auch Faton Morina (32). Er war in dem Bus, als sich Roger K. selbst anzündete. Morina stammt aus dem Kosovo, am Tag des Dramas war er in der Schweiz, um seinen Cousin zu besuchen. Auch dieser ist zu Trauerfeier gekommen.
Zu Blick sagt der junge Mann: «Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich heute hier bin. Ich will den Angehörigen der Getöteten mein Beileid ausdrücken und gemeinsam mit ihnen trauern.»
Es sind rührende Worte, denn Morina ist vom Brand im Postauto noch immer gezeichnet, er hat schwere Verbrennungen an den Händen davongetragen. Tagsüber war er nochmals im Spital, um seine Wunden versorgen zu lassen. «Es ist wichtig, zusammen zu trauern», sagt er, dann geht er in Begleitung seines Cousins in die Halle.
Fünf Kerzen
Neben Morina sind über 200 Menschen zur Trauerfeier gekommen, um Abschied zu nehmen. Im Saal ist Fotografieren verboten, die Trauernden sollen nicht gestört werden.
In der Mitte der Hallenbühne stehen fünf Kerzen, eine für jedes von Roger K.'s Opfern. «Vor einem Monat ist die Zeit in Kerzers stehengeblieben», sagt die Trauerrednerin zu den Anwesenden. «Es ist kaum zu fassen, was an diesem Freitag geschehen ist.»
Sie spricht den anwesenden Gästen Mut zu, drückt ihre Anteilnahme aus. Die Musik einer Pianistin gibt immer wieder Zeit zum Nachdenken.
Hinduistische Verabschiedung
Vertreter der katholischen und reformierten Kirche sprechen den Angehörigen Mitgefühl und Kraft zu. Der katholische Geistliche zitiert den bekannten Psalm: «Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.»
Immer wieder wird die Feier von Musik umrahmt, dann folgt ein hinduistisches Abschiedsritual. Eines der Opfer war Hindu. Ein Muschelhorn ertönt; es sind fremde Klänge in der Halle im Seeland, und doch passen sie.
Dann geht die Trauerfeier zu Ende, vor der Halle trösten sich die Angehörigen noch einmal, einige weinen. Seit einem Monat steht in Kerzers die Zeit still. «Es fällt schwer, an Normalität zu denken», hatte einer der Geistlichen gesagt.
* Name bekannt