«Crans-Montana-Opfer sind benachteiligt gegenüber normalen Opfern»
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Jans zu Crans-Montana-Opfern:«Sind benachteiligt gegenüber normalen Opfern»

Leser fordern Gerechtigkeit bei Opferhilfe
«Es darf keine Hierarchie des Leids geben!»

Zwei Tragödien, zwei Reaktionen: Während die Opferfamilien von Crans-Montana 50’000 Franken vom Bund erhalten, bleibt für die Hinterbliebenen von Kerzers bisher jede Entschädigung aus. Viele Leser fragen sich: Ist das gerecht?
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Feuerhölle Postauto: Sechs Personen kamen hier in Kerzers ums Leben.
Foto: Leserreporter

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bund zahlt den Familien der Crans-Montana-Opfer je 50’000 Franken
  • Die Angehörigen der sechs Toten von Kerzers bekommen keine Entschädigung
  • Leser gespalten, Diskussion über Gleichbehandlung und Präzedenzfall
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Sechs Menschen sterben in einem brennenden Postauto in Kerzers. Wochen zuvor kamen 41 Menschen bei einem Bar-Inferno in Crans-Montana ums Leben. Zwei Katastrophen, zwei Orte – und nun eine politische Frage, die viele beschäftigt: Wie viel ist ein Opfer wert?

Denn während der Bund den Familien der Opfer von Crans-Montana je 50’000 Franken zahlen will, ist für die Hinterbliebenen von Kerzers bisher keine solche Geste vorgesehen. Ist das gerecht? Oder sollten auch sie entschädigt werden? Wir wollten wissen, wie unsere Community darüber denkt.

Zwischen Gerechtigkeit und Vorbehalt

Unsere Leserumfrage mit über 27'000 Teilnehmern zeigt ein gespaltenes Bild: Eine Mehrheit der Leser spricht sich für eine Entschädigung der Opferfamilien von Kerzers aus. 54 Prozent der Teilnehmenden finden, dass auch sie – wie die Angehörigen der Opfer von Crans-Montana – 50’000 Franken vom Bund erhalten sollten.

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Allerdings ist die Meinung nicht einhellig. 41 Prozent sind der Ansicht, dass der Bund grundsätzlich keine solchen Zahlungen leisten sollte, weder in Crans-Montana noch in Kerzers. Nur eine kleine Minderheit von 5 Prozent möchte, dass Crans-Montana ein Einzelfall bleibt und Kerzers leer ausgeht. 

Unsere Umfrage zeigt deutlich, wie kontrovers das Thema diskutiert wird – ein Eindruck, der auch in den Kommentaren unserer Leserinnen und Leser deutlich wird. So hält etwa Bernhard Müller eine Entschädigung für gerechtfertigt und übt scharfe Kritik an der aktuellen Handhabung: «Wie kurzsichtig der Entscheid vom Bund unter dem Druck von Meloni war, zeigt sich jetzt. Der Bund soll jetzt zu seinem Entscheid stehen und in Zukunft alle Opfer aufgrund solcher Tragödien entschädigen. Aber anscheinend gilt das nur, wenn die Behörden versagen. Absurder geht es nicht mehr!»

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Solidarität darf nicht von Druck oder Echo abhängen, sondern von den Folgen.
Diego De La Vega
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User Diego De La Vega findet ähnliche Worte: «Für Crans-Montana wurde innert kürzester Zeit ein Solidaritätsbeitrag beschlossen.» In Kerzers fehle bis heute ein vergleichbares Zeichen. Dies stelle die Rechtsgleichheit infrage. «Es darf keine Hierarchie des Leids geben. Auch Kerzers ist eine aussergewöhnliche Tragödie mit Toten, Verletzten und Angehörigen, die das lebenslang tragen.» Wenn der Staat Sonderwege öffne, müsse er klare Kriterien nennen. «Solidarität darf nicht von Druck oder Echo abhängen, sondern von den Folgen. Alle Opfer von Kerzers verdienen die gleiche Unterstützung, jetzt!»

Auch Markus Minder kritisiert das politische Vorgehen: «Der Bundesrat ist im Fall Crans-Montana wieder einmal dem Druck anderer Staaten und den Medien nicht gewachsen gewesen und eingeknickt. Nun bin ich gespannt, wie er sich im Fall Kerzers und bei zukünftigen tragischen Ereignissen verhalten wird. Für mich gibt es in diesem Fall nur einen Weg: Der Bund muss auch in Zukunft bezahlen.»

Ein Präzedenzfall für alle Tragödien

Doch nicht alle Leser teilen diese Ansicht. Peter Meister weist darauf hin, dass nicht jedes Unglück automatisch zu einer Zahlung führen könne. «Was ist mit Krebskranken, mit Opfern von Autounfällen? Sollen nun für jedes Opfer 50'000 Franken vom Staat ausbezahlt werden?» fragt er. Nach seiner Auffassung sorgt das bestehende Versicherungs- und Wohlfahrtssystem dafür, dass alle Fälle gleichbehandelt werden. Im Fall von Crans-Montana sei ein erhebliches Systemversagen gegeben, weshalb eine Staatsentschädigung angemessen erscheine – im Fall von Kerzers hingegen nicht. «Sonst sind wir bald bei Auszahlungen an jedermann!»

Eva Maissen hinterfragt die Vorgehensweise des Bundesrats ebenfalls und vertritt die Ansicht, dass der Staat in solchen Fällen grundsätzlich nie einspringen sollte. «Ich wusste es ab jenem Moment, als der Bund die 50'000 für die Opferfamilien von Crans-Montana sprach, dass bei jeder Tragödie nun der Anspruch nach dieser Zahlung kommen wird.» Ihrer Meinung nach liegt die Verantwortung für das Unglück in Crans-Montana bei den Morettis und der Gemeinde, und allfällige Entschädigungen sollten von ihnen getragen werden. «Die Steuerzahlenden der gesamten Schweiz waschen ihre Hände in Unschuld und somit sind die Bundeszahlungen nicht gerechtfertigt.» 

Auch Roland Greter übt deutliche Kritik an den Bundeszahlungen: «Es war ein unverzeihlicher Fehler, dass man den Crans-Montana-Opfern vom Bund Geld zugesprochen hat. Es betrifft eine Gemeinde, es betrifft das Wallis, und da muss sich der Bund raushalten.» Bei jedem unverschuldeten Unfall gebe es Opfer, Trauernde und hohe Kosten, die mit den Opfern und den Kosten von Crans-Montana vergleichbar seien. «Dass mit Crans-Montana ein Präjudiz geschaffen wurde, zeigt, wie unüberlegt der Bundesrat handelt. Weitsichtiges, zukunftsorientiertes Handeln sieht anders aus!»

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