Darum gehts
- Roger K. (†65) zündete sich am 10. März in einem Postauto an
- Er war psychisch instabil, lebte in einem Camper und schrieb verzweifelte Mails
- Brand in Kerzers forderte sechs Tote, darunter der Täter
Am Dienstag, kurz vor 18.30 Uhr, geschieht in Kerzers FR das Unfassbare. Ein Mann übergiesst sich in einem Postauto mit brennbarer Flüssigkeit – und zündet sich selbst an. Sechs Menschen sterben, darunter der Täter.
Jetzt decken Blick-Recherchen auf: Es ist nicht das erste Mal, dass der mutmassliche Täter Roger K. (†65) in der Öffentlichkeit für Aufsehen und Angst sorgt.
Im SRF-Gebäude verschanzt
Der Mann hatte sich im Jahr 2020 bei der Blick-Redaktion gemeldet. Im Mail sagte er, dass er für einen länger zurückliegenden Vorfall verantwortlich sei, der für Schlagzeilen gesorgt hatte. «An besagtem Tag verschanzte ich mich im SRF-Gebäude in Bern», schrieb K.
Was war geschehen? An einem Montagmorgen im August 2019 war ein Mann in das Postbüro des SRF-Gebäudes im Berner Monbijouquartier eingedrungen. Er hatte dort damit gedroht, sich selbst etwas anzutun. Die Polizei überwältigt ihn im Lauf des Vormittags. Er blieb unverletzt. Ein Krankenauto brachte ihn ins Spital. Niemand kam zu Schaden.
K. schreibt Mail an Blick über schlechte Situation
«Ich bin schwer an einer Muskelerkrankung erkrankt und habe mein Leben lang gearbeitet», erzählte K. in einer Nachricht an den Blick damals. «Jetzt möchte ich meinen letzten Willen noch ausleben, bevor ich in Frieden gehen kann.» Er gab im E-Mail an, dass er aktuell in einem Arbeitsprogramm im Kanton Freiburg arbeite.
Dann kam der Dienstag dieser Woche in Kerzers: Diesmal tut Roger K. nicht nur sich selbst, sondern auch vielen anderen Menschen Schlimmes an. Gegen 17.45 Uhr steigt er in Düdingen FR ins Postauto ein. Es fährt nach Kerzers. Um 18.25 Uhr übergiesst sich der 65-Jährige im Fahrzeug mit Benzin, zündet sich an, das Feuer breitet sich im Bus rasant aus. Sechs Menschen sterben, darunter auch der Täter Roger K.
«Selbst- oder Fremdgefährdung war kein Thema»
Die Polizei schreibt am Tag nach der Tat in Kerzers, dass es sich beim Brandstifter um eine «psychisch instabile Person handeln» könnte, «die von ihrer Familie als vermisst gemeldet wurde». Die Polizei hatte nach der Meldung eine Suche eingeleitet, um Hinweise auf eine mögliche Selbst- oder Fremdgefährdung zu erhalten. Solche Hinweise habe es aber zum damaligen Zeitpunkt nicht gegeben.
Auch die Berner Polizei gab am Donnerstag an, dass es zum Zeitpunkt seines Verschwindens offenbar keine Hinweise auf eine mögliche Gefährdung gab.
Rahel Rohr, Präsidentin der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Oberland West, erklärte am Freitag auf Anfrage von Blick: «Wir können bestätigen, dass der genannte Fall der Kesb bekannt ist.» Es handle sich um eine Beistandschaft in administrativen Angelegenheiten. «Selbst- oder Fremdgefährdung war kein Thema», erklärt die Kesb-Präsidentin.
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net
Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld da:
- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefon 143 www.143.ch
- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefon 147 www.147.ch
- Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben
- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch
- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net
Vermieter kündigt K. Camper-Standplatz
Roger K. lebte zuletzt in einem Camper. In einem Weiler nahe bei Aarberg BE hat K. einen Standplatz gemietet. Das berichtet der «Tages-Anzeiger» am Donnerstagabend. Sein Briefkasten ist komplett überfüllt, unter anderem mit Vorladungen und Betreibungen. Ein Beistand der Kesb hatte eben die Aufgabe, administrative Aufgaben für K. zu übernehmen.
Im Januar dieses Jahres erlitt K. einen Nackenschlag. Der Vermieter kündigt ihm den Camper-Standplatz, so der «Tages-Anzeiger» weiter. Ende März hätte Roger K. verschwinden müssen. Es kommt nicht dazu: Am 10. März beendet er sein Leben. Fünf unschuldige Menschen reisst er mit in den Tod.
* Name bekannt