So sieht die Unfallstelle nach der Löschung aus
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Postauto komplett ausgebrannt:So sieht die Unfallstelle nach der Löschung aus

Brandursachenermittler Markus Knorr zum Bus-Inferno in Kerzers FR
Darum stand das Postauto blitzschnell in Flammen

Nach dem Postauto-Drama von Kerzers stellt sich die Frage, warum sich die Opfer nicht mehr rechtzeitig aus dem Bus retten konnten. Der Brandursachenermittler Markus Knorr liefert eine Erklärung.
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Der zuständige kantonale Brandinspektor äusserte sich am Mittwoch in einer Medienkonferenz nur knapp zum Busbrand. Das Feuer habe offensichtlich über ausreichend Sauerstoff, Hitze und brennbares Material verfügt, um sich ausbreiten zu können, sagte er.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Mann zündet sich in Postauto in Kerzers FR an, sechs Tote
  • Lebensgefahr durch brennbare Dämpfe und Materialien
  • In Bussen begünstigen Kunststoffe und Enge schnelle Brandausbreitung
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Marian NadlerRedaktor News

Am Dienstagabend übergoss sich ein Mann in einem Postauto in Kerzers FR mit Benzin und zündete sich selbst an. Sechs Menschen starben, mehrere weitere Personen wurden verletzt.

Kommt Feuer mit Benzin in Berührung, wird es gefährlich. Es gibt oft eine initiale Stichflamme oder ein sogenanntes Ballonfeuer, eine plötzliche, kugelförmige Flammenexplosion. Der Täter und die Opfer dürften tödliche Brandverletzungen erlitten haben.

Der zuständige kantonale Brandinspektor äusserte sich am Mittwoch an einer Medienkonferenz nur knapp. Das Feuer habe offensichtlich über ausreichend Sauerstoff, Hitze und brennbares Material verfügt, um sich ausbreiten zu können.

Brandursachenermittler Markus Knorr ordnet ein

Der deutsche Brandursachenermittler Markus Knorr (33) erklärt gegenüber Blick, warum die Insassen kaum Zeit zur Flucht hatten. Das Tückische an Benzin: «Es brennt nicht die Flüssigkeit selbst, sondern die über der Flüssigkeit entstehenden, brennbaren Dämpfe.» 

Wenn sie sich entzünden, breitet sich der Brand blitzschnell aus. Diese Ausbreitung kann laut dem Experten «erheblich weiter erfolgen als die ursprüngliche Verteilung des flüssigen Brennstoffs». 

Dann explodiert alles mit einem starken Druckstoss

Knorr schliesst nicht aus, dass es zu einer schlagartigen Brandausbreitung kam – etwa durch einen Flashover oder andere Brandphänomene wie etwa eine Rauchgasdurchzündung oder -explosion. Ein Flashover hatte sich bei der verheerenden Brandkatastrophe von Crans-Montana VS in der Silvesternacht 2025/2026 ereignet.

Bei einer Rauchgasdurchzündung – auch Rollover genannt – zünden brennbare Gase im Rauch plötzlich, weil im Raum noch genug Sauerstoff vorhanden ist. Bei einer Rauchgasexplosion – auch Backdraft genannt – geht der Brand fast aus, weil kein Sauerstoff mehr da ist. Im Rauch bleiben aber brennbare Gase wie Kohlenmonoxid. Wenn dann beispielsweise eine Tür aufgeht und frischer Sauerstoff reinkommt, explodiert alles mit einem starken Druckstoss. 

Für Busse gelten internationale Brandschutzvorgaben

Begünstigt wird die schnelle Brandausbreitung durch eine hohe Gesamtmenge an brennbaren Materialien, im Postauto-Fall dürften es vor allem Kunststoffe gewesen sein, in Kombination mit «Sauerstoffeintrag durch geöffnete oder versagende Türen und Fenster».

Für Verkleidungen, Polster und Schaumstoffe in Bussen gelten internationale Brandschutzvorgaben. Sie sollen Feuer und Rauch begrenzen.

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Doch selbst die normgerechten Materialien sind nicht unbrennbar. Bei starkem Feuer oder Brandbeschleunigern kann sich der Innenraum rasch entzünden.

Knorr zu Blick: «Je nach Alter der Busse sind die Materialien im Innenraum nur geringfügig unter Gesichtspunkten des Brandschutzes geprüft und ausgewählt.» Und weiter: «Insbesondere bei älteren Modellen finden sich aber noch grosse Mengen nicht schwer entflammbarer Kunststoffe und Textilien, die zu einer sehr schnellen Brandausbreitung beitragen können.»

Drängten die Menschen zu den Türen?

Auch in neueren Fahrzeugen bleiben Rauch und brennende Kunststoffe eine grosse Gefahr. «Denn auch schwer entflammbare Kunststoffe sind brennbar und können durch geeignete und anhaltende Zündquellen oder den Einsatz von flüssigen Brandbeschleunigern anhaltend entzündet werden», so der Brandursachenermittler.

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Die Enge im Bus dürfte die Flucht ebenfalls behindert haben. Bei vielen Menschen auf engem Raum kommt es rasch zu Engstellen an den Ausgängen. Die starke Russ- und Rauchgasentwicklung durch Kunststoffe tut dann ihr Übriges. Sie kann sowohl die Flucht erschweren als auch schnell zu Bewusstlosigkeit und Tod führen, merkt der Experte an.

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