Darum gehts
- Sechs Tote und fünf Verletzte bei Postauto-Brand in Kerzers FR am Dienstag
- Zeuge: «Reifen explodierten und flogen bis zu 200 Meter weit»
- Feuer brach im mittleren Teil des Busses aus, genaue Ursache unklar
Als am Dienstagabend gegen 18.25 Uhr in Kerzers FR ein Postauto in Flammen aufgeht, bietet sich Anwohnern und Passanten ein Bild des Grauens. Sechs Menschen kommen bei dem verheerenden Brand ums Leben, mindestens fünf weitere werden verletzt. Garagist Astrit B.* (40), dessen Werkstatt unweit des Brandorts liegt, schildert gegenüber Blick die dramatischen Minuten, in denen sich alles abspielte.
Wie es der Zufall will, sind gerade Polizisten bei ihm, weil bei ihm eingebrochen worden war. «Dann meinte einer der Polizisten plötzlich: ‹Seien Sie kurz still› – er hörte den Funkverkehr ab. Wenig später sagte er: ‹Wir müssen sofort los, ein Notfall›», erzählt er.
«Was ich dann sah, war schockierend»
Kurz darauf sieht der Garagist eine riesige schwarze Rauchsäule aufsteigen. «Die Polizisten stiegen ins Auto und waren in 30 Sekunden dort. Ich bin gleich hinterher – was ich dann sah, war schockierend.»
Der Bus habe mitten im Dorfzentrum gebrannt. «Von der Hitze explodierten sogar die Reifen und flogen bis zu 200 Meter weit», erinnert sich der Zeuge. Zwei Polizisten – ein Mann und eine Frau – seien als Erste vor Ort gewesen und hätten versucht, den Rettungseinsatz zu koordinieren.
Die Feuerwehr, deren Stützpunkt direkt gegenüber der Garage liegt, habe mehrere Minuten gebraucht, bis sie eingreifen konnte. «Alles ging so schnell – und dann stand binnen Augenblicken alles in Flammen», fasst der Garagist zusammen.
«Bin ohne Schuhe rausgerannt»
«Überall waren nur noch Flammen», berichtet auch Osman Ismaili (67). Der Rentner lebt seit 35 Jahren in Kerzers, seine Wohnung liegt direkt neben der Brandstelle. Ismaili sitzt gerade mit seiner Familie beim Znacht, als sie plötzlich das Feuer am Fenster sehen. «Ich habe nur noch gerufen, dass es brennt und bin ohne Schuhe rausgerannt,», sagt er.
Draussen beobachtet er dramatische Szenen: «Ich habe gesehen, wie ein Mann einen Stein genommen und eine Scheibe eingeschlagen hat. Kurz darauf konnte sich ein Mann aus dem Bus befreien. Seine Familie habe sogar Bekannte im Postauto gehabt. «Wir wissen bis jetzt nicht, was mit ihnen passiert ist», sagt Ismaili unter Tränen. Und fasst die Situation dann zusammen: «Das ist einfach nur schlimm und traurig.»
«Meine Frau fährt sonst immer mit diesem Bus»
Wie knapp manche Menschen der Tragödie entkamen, zeigt die Geschichte von Justyna S.* (39) aus Kerzers. Normalerweise fährt sie jeden Tag mit genau dieser Postauto-Linie zur Arbeit, erzählt ihr Ehemann. «Wir hatten wirklich Glück – meine Frau fährt sonst immer mit diesem Bus zur Arbeit. Heute konnte ich sie zum Glück persönlich abholen.»
Wäre er nur ein wenig später losgefahren, sähe alles anders aus, ist er überzeugt: «Wenn ich mich verspätet hätte oder sie nicht hätte abholen können, wäre sie mit dieser Linie gefahren – und ich würde mir das nie verzeihen.» Seine Frau sei besonders aufgewühlt, weil sie die Fahrer auf der Strecke kenne und jeden Tag mit ihnen unterwegs sei.
* Namen bekannt