«Person war randständig und gestört»
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Generalstaatsanwalt Bourquin:«Person war randständig und gestört»

Polizei-Kommandant zu Postauto-Drama
«Wir überprüfen, warum Passagiere nicht aus brennendem Bus gekommen sind»

Nach dem tödlichen Postauto-Brand in Kerzers FR am Dienstagabend sind viele Fragen offen. Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren. Am Mittwochnachmittag informieren die Ermittler an einer Medienkonferenz über die neuesten Entwicklungen.
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Das Postauto-Feuer schockiert die Schweiz.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Postauto brannte in Kerzers FR, mehrere Tote und Verletzte am Dienstag
  • Brandursache noch unklar, Terroranschlag ausgeschlossen, es war ein Dieselbus
  • DNA-Analyse dauert Tage, Opferidentifizierung läuft
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Marian NadlerRedaktor News

Nach dem tödlichen Brand in einem Postauto in Kerzers FR haben die Freiburger Behörden am Mittwoch an einer Medienkonferenz neue Details bekanntgegeben. Demnach stieg der mutmassliche Täter am Dienstag gegen 17.45 Uhr in Düdingen FR in den Bus. Rund 40 Minuten später, um 18.25 Uhr, soll er sich in Kerzers FR mit Benzin übergossen und selbst angezündet haben. Das Feuer breitete sich danach rasch auf den ganzen Bus aus.

Familie filmt Inferno direkt vor dem Stubenfenster
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Postauto-Drama in Kerzers FR:Familie filmt Inferno direkt vor dem Stubenfenster

Nach bisherigen Erkenntnissen starben mindestens sechs Menschen, fünf weitere wurden verletzt. Drei Verletzte mussten ins Spital gebracht werden, zwei von ihnen befinden sich weiterhin in Behandlung. Laut Polizei sind die Opfer in einer Spanne aus den Jahrgängen 1961 bis 2009. Damit könnte sich auch eine minderjährige Person unter den Betroffenen befinden. Die formelle Identifizierung der Toten läuft noch, dazu werden DNA-Proben und Autopsien ausgewertet.

Die Freiburger Kantonspolizei schliesst nach ersten Ermittlungen einen Terroranschlag aus. Auch ein technischer Defekt als Brandursache gilt nicht als wahrscheinlich. Beim Fahrzeug handelte es sich um einen Dieselbus. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der Brand mutwillig verursacht wurde und der mutmassliche Täter allein handelte. Er soll Schweizer Staatsbürger, im Kanton Bern wohnhaft und von seiner Familie als vermisst gemeldet worden sein.

«Haben gerade Blumen niedergelegt und gebetet»
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Weiter offen ist, weshalb so viele Passagiere dem brennenden Bus nicht entkommen konnten. Die Polizei wertet dazu Videoaufnahmen aus dem Fahrzeug aus und untersucht unter anderem, wie die Türen funktionierten. Für Angehörige, Zeugen und weitere Betroffene wurden ein Care-Team, eine Hotline und ein Gedenkort eingerichtet.

Den Liveticker zur Medienkonferenz kannst du hier nachlesen:

14:27 Uhr

Mann war als «eigenartig» bekannt

Nächste Frage: Wie wurde das Feuer ausgelöst? Jetzt spricht ein kantonaler Inspektor. Er erwähnt den Brennstoff, den der Mann auf sich kippte. Seine Antwort fällt knapp aus. Das Feuer verfügte offensichtlich über ausreichend Sauerstoff, Hitze und brennbares Material, um sich mit dieser Geschwindigkeit und Ausdehnung ausbreiten zu können.

Der Mann habe sich vor der Tat «eigenartig» verhalten. Ob der Buschauffeur zu den Opfern gehörte? Diese Fragen wollen die Behörden erst beantworten, wenn die Familien der Toten informiert wurden. 

Zwei Personen seien weiterhin im Spital, erklärt Manuela Spicher vom Rettungsdienst. In welchem Spital die Personen liegen, könne man nicht sagen. Damit ist die Pressekonferenz beendet.

14:23 Uhr

Täter ist «circa 60 Jahre alt»

Wie alt ist die Person, die sich selbst angezündet hat? «Es geht anscheinend um eine Person, die circa 60 Jahre alt ist», lautet die Antwort. 

Es wird bestätigt, dass die Türen des Busses geöffnet wurden. Ob diese durch die Explosion oder per Knopfdruck geöffnet wurden, sei noch unklar. «Wie der Bus funktioniert hat, wird im Rahmen der Strafuntersuchung überprüft», so der Polizeikommandant.

14:20 Uhr

Was weiss man zum Täter?

Der Freiburger Polizeikommandant teilt auf die Frage, warum die Opfer nicht aus dem Bus kamen, mit: «Wir überprüfen, warum die Passagiere nicht aus dem brennenden Bus gekommen sind.» Die Polizei sammle und analysiere aktuell Videos. «Ich kann derzeit nur sagen, dass wir die Videos aus dem Bus analysieren. Wir kennen noch nicht alle Personen, die auf der Route ein- oder ausgestiegen sind», so der Polizeikommandant.

Laut ersten Erkenntnissen sind die Opfer vermutlich aus den Jahrgängen 1961 bis 2009. Demnach könnte mindestens eine der betroffenen Personen zum Zeitpunkt des Vorfalls minderjährig gewesen sein – dies muss jedoch noch bestätigt werden. Zur Staatsbürgerschaft der Opfer liegen noch keine gesicherten Angaben vor. Diese sollen erst nach der offiziellen Identifizierung bekannt gegeben werden.

Was weiss man zum Täter? «Die Person wurde noch nicht formell identifiziert. Er ist eher im Bereich der Medizin bekannt, als im Bereich der Strafverfolgung.» Erneut wird der Schweizer als «randständig» bezeichnet.

14:18 Uhr

Fragerunde beginnt

Demierre endet mit einem Appell an die Presse. «Bitte sorgen Sie dafür, dass richtige Informationen verbreitet werden.» Anschliessend wendet er sich an die Angehörigen. «Heute stehen wir an Ihrer Seite und tun alles, um Ihnen Unterstützung zukommen zu lassen.» Weiter geht es mit der Fragerunde.

14:16 Uhr

Care-Team eingerichtet

Nun spricht erneut Demierre. Er erwähnt, dass ein Care-Team «zur Krisenbewältigung» eingerichtet wurde. «So eine Situation hat nicht nur physische und materielle Konsequenzen, sie hat auch tiefe psychische Folgen, die oft noch lange andauern. Die betroffenen Familien werden, sofern sie dies wünschen, von unserem Care-Team unterstützt», fügt er hinzu. «Andere Betroffene, wie etwa Zeugen und Touristen, können zur Seelandhalle gehen, wo drei Spezialisten zur Verfügung stehen.»

14:14 Uhr

Gedenkmoment um 16.45 Uhr

Christoph Wieland vom Oberamt des Seebezirks äussert sich nach Bourquin. Am Ort des Geschehens liege ein Kondolenzbuch aus, in dem sich alle Trauernden eintragen können. «Heute um 16.45 Uhr findet am Ort des Geschehens ein Moment des Gedenkens statt», kündigt er an. «Alle Menschen, die ihre Unterstützung ausdrücken wollen, sind herzlich dazu eingeladen, daran teilzunehmen.» Auch Wieland bedankt sich bei den Einsatzkräften.

14:12 Uhr

Täter «lebte am Rande der Gesellschaft»

Raphaël Bourquin, Generalstaatsanwalt, spricht nach Allain. «Die Polizei und alle Arbeitskräfte haben eine ausserordentliche Arbeit geleistet», beginnt er. «Wir rufen Zeugen auf, sich zu melden.»

Die Polizei habe den Leichen DNA-Proben entnommen, um die Opfer zu identifizieren. Die Gerichtsmedizin werde eine Autopsie durchführen. Weiter berichtet vom Tathergang.

Ein im Kanton Bern wohnhafter Mann sei in den Bus eingestiegen und habe sich mit Benzin übergossen. «Der Täter hat sich selbst angezündet.» Das Motiv sei noch unklar. «Er wird als eine Person beschrieben, die am Rande der Gesellschaft lebte und gestört war.» Die Ermittler durchforsten jetzt auch die sozialen Medien, um Hinweise zu der Tat zu finden.

14:10 Uhr

Mutmasslicher Täter wurde von Familie vermisst

In einer Medienmitteilung gibt die Kantonspolizei weitere Details bekannt: Demnach ist die Person, die den Brand verursacht haben soll, gegen 17.45 Uhr in Düdingen in den Bus eingestiegen. 40 Minuten später, um 18.25 Uhr, hat die Person sich in Kerzers selbst in Brand gesetzt, bevor sich das Feuer auf den gesamten Bus ausbreitete. 

Nach ersten Ermittlungen habe der Täter allein gehandelt. Weiter heisst es, dass die Person die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt und in Bern wohnhaft ist. Sie war von ihrer Familie als vermisst gemeldet. Die Person befindet sich vermutlich unter den Verstorbenen.

14:09 Uhr

Identifizierung der Opfer läuft

Allain sagt weiter, dass die Opfer am Mittwochmorgen identifiziert worden seien. «Einen Toten formell zu identifizieren, erfordert Zeit. Wir werden diese Informationen wahrscheinlich am Nachmittag vorliegen haben.» Zunächst würden die Familien der Toten informiert. 

Derzeit beklagen die Behörden mindestens sechs Todesopfer. Die Identifizierungsmassnahmen laufen, und die Ergebnisse sollten in den nächsten Stunden vorliegen, um deren Identität zu bestätigen. Ausserdem wurden fünf Personen verletzt: Drei von ihnen mussten ins Spital eingeliefert werden. 

Zwei Personen befinden sich derzeit noch in Behandlung, während eine Opferperson in der Nacht nach Hause zurückkehren konnte. Den gesammelten Erkenntnissen zufolge können wir bestätigen, dass alle Opfer in der Region wohnhaft sind. Die Kantonspolizei Freiburg drückt ihre tiefe Solidarität mit den Familien und Angehörigen der Opfer aus.

14:06 Uhr

«Rettungskette hat sehr gut funktioniert»

Manuela Spicher, Leiterin der Sanitätszentrale 144 Freiburg-Jura, hat das Wort. «Die Rettungskette hat sehr gut funktioniert», sagt sie in einem kurzen Statement. Dann gibt sie das Mikrofon an Philippe Allain, Kommandant der Kantonspolizei Freiburg, weiter. Er schildert zunächst den Ablauf der Geschehnisse am Dienstagabend. Jemand hätte dem Notruf am Abend gemeldet, dass Personen «brennend» dem Inferno-Bus entstiegen seien. «In der Nacht wurde die Zone abgesperrt, um dafür zu sorgen, dass die Würde der Opfer erhalten bleibt», sagt er, nachdem er einige Zeitangaben und Geschehnisse aufgezählt hat.

Der Ablauf der Intervention gestaltete sich wie folgt:

Um 18:25 Uhr ging bei der Alarmzentrale der Freiburger Kantonspolizei ein Notruf ein: Ein Postauto stehe in Flammen. Die Anrufer berichteten von Rauch und Feuer im Fahrzeug sowie von brennenden Passagieren, die aus dem Bus flüchteten. Sofort rückten Feuerwehr und Polizei aus. Um 18:43 Uhr wurden zusätzlich die Rega und Ambulanzen alarmiert.

Um 19:18 Uhr stand fest, dass fünf Menschen den Brand nicht überlebt hatten. Nur fünf Minuten später, um 19:23 Uhr, traf das Care-Team ein, um die Betroffenen vor Ort zu betreuen. Zudem wurde eine Hotline für Angehörige und Zeugen eingerichtet.

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