Darum gehts
- Genfer Milliardäre vertreten Schweizer Image bei Trump-Treffen im Oval Office
- Rolex, MSC, Richemont und andere Genfer Unternehmen spielen wichtige Rolle
- Fünf von sechs anwesenden Unternehmern haben ihren Sitz in Genf
Zwei Wochen nachdem sechs Schweizer Unternehmer den US-Präsidenten Donald Trump (79) im Oval Office getroffen haben, um so den Zoll-Deal voranzubringen, finden wir viele davon wieder: Diesmal auf der Liste der 300 Reichsten der «Bilanz».
Zufall? Nicht wirklich. Die meisten dieser Unternehmer sind entweder selbst Milliardäre oder vertreten Konzerne mit milliardenschweren Aktionären.
Noch auffälliger ist, dass es vor allem Genfer Milliardäre und ihre Unternehmen waren, die das Image der Schweiz gegenüber dem US-Präsidenten und dem Rest der Welt vertraten. Fünf der sechs Unternehmer, die in Washington anwesend waren, haben ihren Sitz in Genf. Der einzige nicht aus Genf stammende Geschäftsmann war Alfred Gantner (57). Sein Vermögen wird auf 2,5 bis 3 Milliarden Franken geschätzt.
Alle anderen haben Genfer Bezug. Allen voran Rolex mit CEO Jean-Frédéric Dufour (57). Die Fäden für das Treffen gezogen, aber selbst nicht anwesend war der Genfer Gigant Mediterranean Shipping Company (MSC), die weltweit grösste Reederei für Containerschiffe. Präsident Diego Aponte und Familie werden mit 24 bis 25 Milliarden Franken Vermögen als Viertreichste in der Schweiz eingestuft. An zweiter Stelle folgt der Genfer Juwelier und Uhrenhersteller Richemont. Sein Hauptaktionär, der Südafrikaner Johann Rupert (75), der Donald Trump laut NZZ seit 30 Jahren kennen soll, ist mit einem geschätzten Vermögen von 12 bis 13 Milliarden der 15.-reichste Mann der Schweiz. Oder Mercuria, der globale Handelsriese für Erdöl, Erdgas, Strom, Metalle und Uran, dessen Schweizer Mitbegründer Daniel Jaeggi (64) und Marco Dunand (64) 4,5 bis 5 Milliarden Nettovermögen unter sich aufteilen.
Realpolitik made in Geneva
Doch warum reisten ausgerechnet Vertreter mit Genf-Bezug nach Washington? Die grossen Player der Finanzwelt, wie UBS, Zürich, Swiss Re (notabene in Zürich beheimatet) oder die Basler Pharma-Firmen fehlten nämlich.
Einige Analysen – darunter die der NZZ – kamen zu dem Schluss, dass die Kräfte im Oval Office die wirtschaftliche Stärke Genfs widerspiegelten oder dass «die Romands in der Überzahl waren, weil sie es mit den Regeln nicht so genau nehmen».
Doch die eigentliche Erklärung hat wohl eher etwas mit kommerzieller Realpolitik zu tun.
Genf ergänzt sich besser
Der Grund dafür ist, dass die Player auf den Finanzmärkten alle grosse amerikanische Konkurrenten haben und in diesem Kontext eher als Rivalen denn als Lieferanten wahrgenommen würden.
Es bedurfte also einer Schweizer Wirtschaftslobby, die nicht frontal in die strategisch wichtigsten US-Sektoren fällt. Es ist bekannt, dass die Vertreter der Schweizer Pharmaindustrie parallel und diskreter mit der Trump-Regierung ihren eigenen Sektordeal ausgehandelt haben, der fast die Hälfte der von der Schweiz versprochenen Investitionen in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar in den USA umfasst.
Die UBS bot ihrerseits einen Sonderfall. Sergio Ermotti (65) (geschätztes Vermögen: 200-250 Millionen Franken) kritisierte Trumps Zölle zunächst im April und dann im September. Ab Herbst spielte die UBS dann ihre eigene Solopartitur, nachdem sie sich mit Finanzministerin Karin Keller-Sutter (61) über die Schweizer Regulierung zerstritten hatte. Wiederholt sickerte durch, dass die UBS mit Washington über einen möglichen Umzug nach Amerika diskutierte. Dies wurde von der Bank offiziell dementiert.
Es bleibt festzuhalten, dass es für die Schweiz angesichts der «America First»-Doktrin besser war, die Karte der Genfer Komplementarität zu spielen als die der Zürcher oder Basler Konkurrenz. Daher die Wahl von Genfer Akteuren, die über einige Trümpfe verfügen, die auf dem amerikanischen Markt nicht vorhanden sind und ihm einen Mehrwert bringen können.