Darum gehts
- Bundesrat plant Massnahmen wegen Trockenheit, Rösti legt Aussprachepapier vor
- Rekordtiefstände bei Flüssen, Trockenperiode seit über vier Monaten
- Wälder unter Druck, andere Baumarten könnten helfen
Während die Grünen zur grossen Hitze-Schlacht rufen, nimmt sich der Bundesrat der Trockenheit-Problematik an. SVP-Umweltminister Albert Rösti (59) legt seinen Gspänli am Mittwoch einen Massnahmenplan vor, wie sich die Schweiz an den Klimawandel anpassen soll. Der diesjährige Hitzesommer dürfte nämlich keine Ausnahme bleiben.
Passend zum bundesrätlichen Hitze-Gipfel hat die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) soeben ein Dossier veröffentlicht, in dem es zahlreiche Fragen zur diesjährigen Trockenheit beantwortet. Blick zeigt daraus drei spannende Erkenntnisse:
Dürre in der Schweiz
Die diesjährige Trockenheit mit rekordtiefen Messwerten an vielen Flüssen erachten die WSL-Experten als «sehr aussergewöhnlich». Insbesondere im Mittelland liegen die Niederschläge unter dem langjährigen Durchschnitt. Dabei sind mehrere Faktoren für die Trockenheit verantwortlich: Neben unterdurchschnittlichen Niederschlägen und ausgeprägten Hitzewellen wirken sich auch die geringen Schneefälle in den Alpen während des Winters negativ aus. So ist die Schneeschmelze «spärlich» ausgefallen.
Angesichts der über mehr als vier Monate andauernden Trockenheit in einem Klima wie unserem sprechen die Experten denn auch von einer Dürre! Für eine Verbesserung der Lage reichen kurzzeitige Niederschläge nicht aus, macht das WSL klar. «Für eine nachhaltige Entspannung der Lage braucht es länger anhaltende und grossflächige Niederschläge.»
Douglasien statt Buchen?
Die Trockenheit macht auch unseren Wäldern zu schaffen, was sich an weitherum bereits braun verfärbten Blättern zeigt. Da sich der Wald nicht einfach grossflächig wässern lässt, gilt es, dessen Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. «Dazu gehören Mischwälder mit mehreren Baumarten, eine grössere genetische Vielfalt und eine verringerte Bestandesdichte, damit einzelne Bäume weniger stark um Wasser konkurrieren», so die WSL-Experten.
Gut möglich, dass sich das Antlitz unserer Wälder verändert, indem weniger resistente Baumarten wie Buchen oder Fichten vermehrt verschwinden. Diese könnten durch einheimische Arten ersetzt werden, die besser mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen – wie etwa Spitz- und Feldahorn, Winterlinden oder gewisse Eichenarten. «Im Prinzip sind es vor allem die derzeit seltenen Baumarten, die häufiger werden dürften.»
Allerdings könnten auch nicht-heimische Baumarten vermehrt zur Option werden – wie etwa die Ungarische Eiche, die Atlaszeder oder die aus Nordamerika stammende Douglasie.
Solarstrom hilft
Die Trockenheit wirkt sich auch auf die Stromversorgung aus. So mussten zwei der vier Atomkraftwerke ihre Leistung aufgrund der hohen Wassertemperaturen drosseln oder vorübergehend vom Netz genommen werden. Trotzdem stellt die Trockenperiode für die Stromversorgung keine Bedrohung dar, erweist sich der seit 2020 rasch fortschreitende Solarausbau doch «als wertvoller Beitrag zur aktuellen Stromversorgung», da die hohe Sonneneinstrahlung zu einer überdurchschnittlichen Solarstromproduktion führe.
An sonnigen Tagen trage die Solarstromproduktion während der Mittagsstunden regelmässig mehr als die Hälfte der nachgefragten Leistung bei und in den Abend- und Nachtstunden übernehme die Wasserkraft die zentrale Rolle.
Auch für den Winter geben die Experten Entwarnung. Zwar füllen sich die alpinen Speicherseen langsamer als üblich, doch die Speicherstände steigen weiterhin – und so «bestehen derzeit keine akuten Anzeichen für eine kritische Versorgungslage».
Jetzt braucht es Massnahmen
Obwohl sich der Bundesrat erst am Mittwoch über Röstis Aktionsplan beugt, skizzieren die WSL-Experten bereits die Stossrichtung, wie es sich für Trockenzeiten besser wappnen lässt. Eine nationale Wasserstrategie soll aufzeigen, wer wann und wo Wasser nutzen darf und wie in Trockenphasen priorisiert werden soll.
Kurzfristig gilt es zudem, den Wasserverbrauch zu senken, etwa über effizientere Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft. Langfristig hingegen soll mehr Wasser in der Landschaft gespeichert werden.