Darum gehts
Staubtrockene Felder, herbstliche Wälder und im ganzen Land die höchste Gefahrenstufe: Die Schweizer Natur leidet unter der aktuellen Trockenheit. Besonders das Flachland ist betroffen. Die Wasserstände vieler Flüsse sind sehr niedrig. Überstehen unsere Wasserreserven diesen Hitzesommer?
«Die aktuelle Trockenheit wirkt sich auf die Trinkwasserproduktion aus», bestätigt der Schweizer Fachverband für Wasser, Gas und Wärme gegenüber Blick. Die Produktion werde auf zwei Arten beeinträchtigt: Zum einen könnten die Leitungen, Pumpen und Reservoirs an die Kapazitätsgrenze stossen. Zum anderen könnte Wasser aus Quellen oder Grundwasser knapp werden.
Trinkwasser in einzelnen Gemeinden knapp
Die Wasserressource schwinde in einzelnen Gemeinden tatsächlich. Dabei handle es sich vor allem um kleine, weniger vernetzte Versorger, die ausschliesslich auf Quellwasser angewiesen seien.
Anderorts komme die Versorgung aufgrund des grossen Bedarfs an Trinkwasser an ihre Grenzen. Bei Hitze duschen Konsumentinnen und Konsumenten mehr, füllen ihren Pool oder lassen die Gartensprinkler laufen. «In solchen Situationen kann grundsätzlich noch Wasser vorhanden sein, aber nicht schnell genug gefördert, aufbereitet, transportiert oder gespeichert werden», sagt der Sprecher des Fachverbandes.
Hergiswil NW greift wegen Wasserknappheit durch
Drastisch ist es etwa in der Nidwaldner Gemeinde Hergiswil. Diese teilte am Donnerstag einen markanten Rückgang der Schüttung ihrer Wasserquellen mit. «Zufluss und Wasserverbrauch nähern sich bedenklich an», heisst es in der Mitteilung.
So beziehe die Gemeinde nun Wasser aus Nachbargemeinden, um die eigenen Quellen zu entlasten. Ausserdem seien teilweise Dorfbrunnen abgestellt und Baustellenbetreiber zum Sparen aufgerufen worden. Sollte sich die Trockenheit weiter verschärfen, könne die Gemeinde aufgrund einer bereits eingeholten kantonalen Bewilligung Grünflächen mit Seewasser bewässern.
«Wir appellieren an die gemeinsame Verantwortung für unser Trinkwasser», sagt der Gemeindevizepräsident Christoph Keller und ruft damit auch in den eigenen vier Wänden zu einem sparsamen Verbrauch auf.
Grosse Teile der Deutschschweiz sind «extrem trocken»
In vielen Regionen herrscht extreme Trockenheit. Dies zeigt der Trockenheitsindex des Bafu. Der Index wird in fünf Stufen unterteilt und reicht von «nicht trocken» bis «extrem trocken».
Die Stufen beziehen sich auf die Differenz zur durchschnittlichen Wassermenge für die jeweilige Jahreszeit.
Von 38 Regionen stuft das Bafu 20 Regionen als extrem trocken, 13 als sehr trocken, weitere zwei als trocken und die übrigen drei Regionen als leicht trocken ein. Wie steht es um das Trinkwasser in den extrem trockenen Gemeinden? Blick hat bei Wasserversorgern aus Regionen, die unter die höchste Stufe fallen, nachgefragt.
Emmental
«Die Bereitstellung von Trink- und Löschwasser in genügender Menge und einwandfreier Qualität können wir sicherstellen», sagt die Wasserversorgung Emmental Trinkwasser. Bisher sei es nicht nötig gewesen, die Bevölkerung zum Wassersparen aufzurufen.
Auffallend seien die «staubtrockenen Felder, die verdorrten Kulturen und die sich langsam verändernde Farbe unserer Wälder.» Die Grundwasserstände seien zudem so tief wie seit Jahren nicht mehr.
Appenzell
Die Wasserversorgungen der Kantone Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden riefen die Bevölkerung in einer gemeinsamen Mitteilung zu einem bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Trinkwasser auf. Die anhaltende Trockenheit führe zu einem deutlich höheren Wasserverbrauch, während die Zuflüsse von Quellen und Grundwasser zurückgingen.
«Jeder eingesparte Liter Trinkwasser trägt dazu bei, die wertvollen Reserven zu schonen und die Versorgungssicherheit auch bei einer länger andauernden Trockenheitsperiode sicherzustellen», heisst es in der Mitteilung. Derzeit sei der tägliche Bedarf abgedeckt.
Zürichseebecken
Auch im Zürichseebecken müssen sich Anwohnerinnen und Anwohner keine Sorgen um die Trinkwasserversorgung machen. «Das Seewasser gilt als zuverlässige Ressource», sagt die Wasserversorgung Stadt Zürich auf Anfrage.
Das Zürcher Trinkwasser setze sich aus aufbereitetem Seewasser zusammen, das in zwei Wasserwerken am Zürichsee entnommen werde. Ergänzt werde dies mit Wasser aus einem Grundwasserwerk und aus Quellen rund um Zürich und im Sihl- und Lorzental. So könne genug Wasser für die Stadt und rund 67 umliegende Gemeinden bereitgestellt werden.
Berner Mittelland
Der Wasserverbund Region Bern teilt auf Anfrage mit, dass aktuell genügend Wasser vorhanden sei. Der Verbrauch habe sich aufgrund der Sommerferien etwas reduziert, im Vergleich zu Ende Juni sei der Tagesbedarf um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen. «Dank der Aare, dem Thunersee und dem grossen Einzugsgebiet sind die Grundwasserstände im Aaretal sehr konstant.»
Weitere Schweizer Wasserversorger in Chur GR und Davos GR geben auf Anfrage ebenfalls an, aktuell keine Versorgungsengpässe zu erleben.
Schlechte Aussichten für die kommenden Wochen
«Ausgedehnte oder ergiebigere Niederschläge sind in den nächsten Wochen unwahrscheinlich», heisst es in einer aktuellen Mitteilung des Bundes. Erst ab Mitte August könnte feuchtere Meeresluft aus Westen die Trockenheit etwas lindern. Trotzdem werde voraussichtlich weniger Regen fallen als für die Saison üblich.
Auch das grosse bis extreme Defizit in der Bodenfeuchte bleibe wegen des ausbleibenden Regens und der hohen Verdunstung bestehen. Eine wesentliche Entspannung der Trockenheit ist noch nicht in Sicht.