Darum gehts
- Schweiz erlebt extreme Trockenheit, Bauernpräsident Markus Ritter warnt vor Folgen
- 7000 zusätzliche Kühe geschlachtet, Schäden könnten 500 Millionen Franken übersteigen
- Kartoffelpreise steigen, Detailhändler sollen kleinere Grössen akzeptieren
Wie alle Bauern hofft Markus Ritter (59) auf Regen. Im Interview mit CH Media vergleicht der Präsident des Schweizer Bauernverbands und St. Galler Mitte-Nationalrat die Situation mit dem Jahrhundertsommer 1947. Damals mussten Zehntausende Kühe zusätzlich geschlachtet werden. Auch jetzt seien die Schlachtzahlen ausserordentlich hoch: «In den letzten zwei Monaten wurden im Vergleich zum Vorjahr bereits 7000 Kühe mehr geschlachtet.» Eine solche Trockenheit habe er noch nie erlebt, sagt Ritter. Und das dürfte noch nicht das Ende sein.
Hart treffe die Trockenheit auch Kulturen wie Kartoffeln und Zuckerrüben. Sie würden kaum noch wachsen. Bauernpräsident Ritter erwarte für die Landwirtschaft höhere Schäden als im Hitzesommer 2003. Damals hatte der Bauernverband die Verluste mit 500 Millionen Franken beziffert.
«Wenn verfügbare Mengen zurückgehen, gibt es Preisanpassungen»
Das dürfte Folgen für unseren Alltag haben. Ritter bereitet die Konsumentinnen und Konsumenten auf steigende Preise im Supermarkt vor, zum Beispiel bei den Kartoffeln. «Immer wenn die verfügbaren Mengen in der Schweiz und im Ausland deutlich zurückgehen, gibt es Preisanpassungen», sagt er. Der oberste Schweizer Bauer hoffe darauf, dass sich die Detailhändler bei den Qualitätsanforderungen flexibel zeigen. Und es dieses Jahr auch mal kleinere Kartoffeln als üblich in die Gemüseabteilung schaffen.
Und Ritter stellt klar, dass die Bauern von höheren Lebensmittelpreisen nicht profitieren würden. Die Detailhändler hätten signalisiert, dass sie bereit seien, gewisse Zusatzkosten aufgrund der Dürre anzuerkennen. Es werde Verhandlungen geben. «Doch wenn ein Gemüsebauer einen Drittel weniger Ertrag hat und die Produzentenpreise um zehn Prozent steigen, bleibt ihm unter dem Strich trotzdem deutlich weniger», stellt Ritter klar.
«Was ist das für ein Vorbild bei dieser Dürre?»
Und dennoch: Ritter warnt davor, nun in Panik zu verfallen. Anders als andere Bauern lehne er das Ausrufen einer Notlage ab. Das gilt auch für Forderungen, wonach die Bauern ihre Tierbestände reduzieren sollen, um den Klimawandel zu bekämpfen: «Wenn die Konsumenten mehr pflanzliche Lebensmittel wollen, sind wir Bauern die Ersten, die mitmachen.» Nur würden die Leute eben auch gerne Poulet oder Schweinefleisch essen.
Massnahmen gegen den Klimawandel erkennt aber auch Ritter als unumgänglich an, gerade bei Gebäuden und dem Verkehr. Und die Menschen würden weiterhin sehr viel fliegen. «So gross kann die Sorge ums Klima gar nicht sein», findet Ritter. Wer einmal ins Flugzeug steigt, könne den guten ökologischen Fussabdruck vergessen, sagt er und kann sich einen Seitenhieb gegen den Bundesrat nicht verkneifen: «Oder die Leute, die am 1. August fünf Reden gehalten haben und mit dem Helikopter geflogen sind. Was ist das für ein Vorbild bei dieser Dürre?»