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Schweiz erlebt Extrem-Hitze – Bauern kämpfen mit der Trockenheit
Darum sind Jura und Baselbiet besonders stark betroffen

Die Landwirtschaft kämpft mit der Trockenheit. Im Kanton Freiburg muss Wasser per Helikopter auf die Alpen geflogen werden. Gleichzeitig trocknen die Weiden aus und das Futter für die Tiere wird knapp. Jetzt informiert der Bund, wie er der Landwirtschaft helfen will.
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Die anhaltende Trockenheit setzt auch der Landwirtschaft zu.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweiz erlebt extreme Hitzewelle, gefährdet Tierwohl und Landwirtschaft seit Wochen
  • Militär liefert Wasser per Helikopter auf Freiburger Alpen zur Rettung
  • Futterknappheit: Bauern suchen europaweit, Preise steigen, Lage bleibt angespannt
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Riccarda CampellRedaktorin Politik
vor 8 Minuten

Was, wenn Futter nicht mehr beschafft werden kann?

«Mit Geld ist es nicht gelöst. Die Tiere können das Geld nicht essen. Wir brauchen einfach Futter», sagt Elias Zumbrunn. Normalerweise verfügen die Zumbrunns über Futterreserven für ein Jahr. Hält die Trockenheit jedoch an, stossen sie bald an ihre Grenzen. «Wir sind dann irgendwann am Ende mit dem Futter.»

Falls in der Nähe, etwa im süddeutschen Raum genügend Futter wächst, bestünden Möglichkeiten für Zukäufe. «Aber wenn es überall trocken ist, wird es schwierig.» Der Betrieb sei nicht darauf ausgelegt, grössere Mengen Futter zuzukaufen. Zuletzt mussten die Zumbrunns im Hitzesommer 2003 Futter einkaufen.

vor 12 Minuten

Was passiert, wenn die Trockenheit weiter zunimmt?

«Wasser und Boden sind zwei elementare Grundlagen, um Nahrungsmittel produzieren zu können», sagt Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft. Die bisherigen Kulturen hätten noch anständige Erträge geliefert. Sollte die Trockenheit jedoch anhalten, müsse mit teilweise vollständigen Ernteausfällen gerechnet werden.

Auch die Tierhaltung wäre betroffen: Die verfügbare Futtermenge und die Anzahl Tiere müssten entsprechend angepasst werden. Langfristig müssten sich die Betriebe darauf vorbereiten, mit längeren Trockenperioden umzugehen. «Es gibt einfach mehr Extreme», sagt Hofer.

vor 15 Minuten

Neues Projekt soll Wasser aus Seen nehmen und Betriebe bewässern

Fabrice Bersier, Projektleiter des Projekts «Arrobroye», stellt ein weiteres Bewässerungsprojekt vor. «Arrobroye» ist ein grosses, kantonsübergreifendes Vorhaben in der Broye-Region der Kantone Freiburg und Waadt.

Geplant ist, Wasser aus dem Neuenburgersee zu entnehmen und damit rund 4000 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche zu bewässern. Davon sollen langfristig etwa 200 Landwirtschaftsbetriebe profitieren und ihre Produktion sichern können.

Die Ziele des Projekts sind klar: eine nachhaltige Landwirtschaft zu erhalten, die regionale Produktion zu schützen, die landwirtschaftlichen Erträge langfristig zu sichern und eine Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels zu geben. «Wir haben gute Böden und wollen die Ernährungssicherheit unseres Landes auch in Zukunft gewährleisten», sagt Bersier.

vor 20 Minuten

Landwirte werden bei Kosten unterstützt

Im Rahmen des Projekts werden Landwirte bei hydrotechnischen und baulichen Massnahmen finanziell unterstützt. Dazu gehören beispielsweise Projekte zur Speicherung von Regenwasser, das später als Brauchwasser im Stall genutzt werden kann.

Gefördert werden auch weniger bekannte Ansätze wie das sogenannte Keyline-Design. Dabei wird Regenwasser gezielt aufgefangen, verlangsamt und kann anschliessend in den Boden versickern.

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Überprüfung der Wirksamkeit der Massnahmen. Die Universität Basel führt dazu Feldmessungen durch. Nach Abschluss von «Slow Water» sollen daraus Empfehlungen für mögliche Fördermassnahmen auf nationaler Ebene entstehen.

vor 23 Minuten

Ressourcenprojekt wird vorgestellt

Anschliessend stellt Seraina Grieder das Ressourcenprojekt «Slow Water» der Kantone Basel-Landschaft und Luzern vor. Das auf sechs Jahre angelegte Projekt startete 2024.

«Das wichtigste Ziel ist der langfristige Erhalt der Ertragsfähigkeit, indem die Wasserversorgung in den Landwirtschaftsbetrieben gesichert wird», erklärt Grieder. Dabei soll Regenwasser langsamer abfliessen und vermehrt im Boden gespeichert werden. Ein weiteres zentrales Ziel ist die Verhinderung von Bodenerosion.

Am Projekt beteiligen sich 23 Betriebe im Kanton Basel-Landschaft und 63 Betriebe im Kanton Luzern.

vor 26 Minuten

Kaum Vorräte für den Winter

Sein Bruder Elias Zumbrunn übernimmt das Wort. «Dieses Jahr erinnert stark an den Hitzesommer 2003», sagt er. «Die aktuelle Situation reisst ein grosses Loch in unsere Futtervorräte für den Winter und den Frühling 2027.»

Der Zukauf von Futter sei derzeit äusserst schwierig. «Die Futterhändler nehmen das Telefon teilweise schon gar nicht mehr ab», erzählt Zumbrunn.

Um den Wasserverbrauch zu senken, bauen die Zumbrunns einen Regentank ein. Damit soll möglichst viel Trinkwasser durch gesammeltes Regenwasser ersetzt werden. Die Massnahme entsteht in Zusammenarbeit mit dem Slow-Water-Projekt.

Zusätzlich setzen die Brüder auf Massnahmen zur Ammoniakreduktion. Eine Biogasanlage entzieht der Düngeranlage Methan und wandelt es in Strom um. «Eine Kuh kann so künftig täglich vier bis sechs Kilowattstunden Strom produzieren. Die gesamte Herde reicht aus, um zwei Wohnhäuser zu beheizen.»

vor 30 Minuten

Maispflanzen werden notreif

Er zeigt eine Maispflanze und erklärt die Folgen der Trockenheit: «Durch den Wassermangel beginnt die Pflanze von unten her abzutrocknen. Sie wird notreif, bevor sich die Maiskolben vollständig entwickeln können.»

Deshalb müssen die Pflanzen teilweise vorzeitig geerntet werden. Das erhöht das Risiko für Fehlgärungen und Schimmelbildung. Bei den Maisflächen rechnen die Zumbrunns mit Ertragseinbussen von 50 bis 60 Prozent. «Damit fällt auch dieses wichtige Futtermittel weg».

vor 32 Minuten

Immunsystem von Tieren stark geschwächt

Bruno und Elias Zumbrunn übernehmen das Wort. Sie führen ihren Betrieb in einer Generationengemeinschaft. Auf den Feldern bauen sie Brotgetreide, Futtergetreide, Mais und Kunstwiesen an. Der wichtigste Betriebszweig ist die Milchwirtschaft mit rund 40 Kühen.

«Wir versuchen, die Kühe ein- bis zweimal pro Tag abzuduschen. Durch die anhaltende Hitze ist ihr Immunsystem stark geschwächt, wodurch sie anfälliger für Durchfall und andere Keimerkrankungen sind», erzählt Bruno Zumbrunn.

Der Ertrag der Kunstwiesen fiel durchschnittlich aus. «Seit Anfang Juni ist kein Regen mehr gefallen. Die Grasnarben wurden von Tag zu Tag brauner, bis sie schliesslich vollständig abgestorben sind», sagt Zumbrunn. Bei den Grasflächen verzeichnen die Zumbrunns einen Totalausfall. Dadurch fehlt wichtiges Futter für die Tiere. «Es ist auch praktisch unmöglich zusätzliches Futter zuzukaufen, da die Verfügbarkeit knapp und die Preise hoch sind.»

vor 37 Minuten

Liquiditätsengpässe bei vielen Betrieben

«Wir prüfen aktuell Fragen zur Liquidität der Betriebe», sagt Böbner. Die Erträge aus den Kulturen würden zunehmend ausbleiben, gleichzeitig werde der Zukauf von Futter immer teurer. «Das führt bei einigen Betrieben zu Liquiditätsengpässen und bereitet den Bauernfamilien grosse Sorgen.»

Die Landwirtschaftsbetriebe im Jurabogen und im Baselbiet sind zwar an Trockenperioden gewöhnt. Die aktuelle Situation trifft sie jedoch besonders stark. Und: «Der Sommer ist noch nicht vorbei.»

vor 41 Minuten

«Bereits seit Juni konnte vielerorts kein Gras mehr geerntet werden»

71 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Baselbiet dienen der Nutztierhaltung. Der Kanton ist ein wichtiger Milchproduzent. Die Kirschenernte hatte Glück, da die Trockenheit erst nach der Blütephase zu grösseren Problemen führte. Bei den Futterbetrieben zeigt sich die Situation hingegen deutlich: «Bereits seit Juni konnte vielerorts kein Gras mehr geerntet werden. Zahlreiche Betriebe mussten deshalb auf die Winterfütterung umstellen», so Böbner. 

Die Trockenperiode setzte in diesem Jahr deutlich früher ein als in den Vorjahren – bereits im Juni.

Diesen Sommer ist es heiss – und zwar so richtig. Seit Wochen hält eine hartnäckige Hitzewelle die Schweiz in Atem. Die Menschen sehnen sich nach Abkühlung, auch die Landwirtschaft kämpft mit den Folgen der extremen Temperaturen.

In den Freiburger Bezirken Vevey, Greyerz und Sense sind die Wasserreserven für das Vieh auf den Alpen etwa fast aufgebraucht. Die Behörden haben deshalb den Ausnahmezustand ausgerufen. «Können die Alpen nicht rasch mit Wasser versorgt werden, leidet das Tierwohl. Im schlimmsten Fall ist das Leben der Tiere gefährdet», teilt der Kanton Freiburg mit.

Ein vorzeitiger Abtrieb ins Tal oder auf tiefer gelegene Sommerweiden würde die Situation weiter verschärfen: Dort könnten Futter und Wasser knapp werden, zudem drohen der Käsebranche erhebliche wirtschaftliche Einbussen. Um das zu verhindern, fliegt das Militär Wasser per Helikopter auf abgelegene Alpen.

Auch die Weiden leiden unter der anhaltenden Hitze. Und das längst nicht mehr nur im Mittelland. Auf sozialen Medien und Landwirtschaftsportalen häufen sich die Hilferufe von verzweifelten Bauern, die für ihre Tiere noch Weideplätze suchen. In der ganzen Schweiz wird das Futter knapp. «Viele versuchen jetzt, im In- und Ausland Futter zu organisieren», sagt eine Sprecherin des Bauernverbandes. Einfach ist das nicht: Ganz Europa kämpft mit den Folgen der Hitze. Zudem wird Futter immer teurer. Die Lage sei deshalb «sehr angespannt», heisst es beim Bauernverband.

Jetzt informiert der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft zu Massnahmen. Blick berichtet live. 

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