Wälder im Jura leiden unter Trockenheit
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Wälder leiden:Im Jura sterben Bäume wegen Trockenheit ab

Hitzesommer in der Schweiz
Kantonsförster schlägt Alarm: «Wenn Bäume schreien könnten ...»

Die grosse Hitze und Trockenheit machen den Schweizer Wäldern zu schaffen. «Die Buchen leiden am meisten», sagt der Solothurner Kantonsförster Rolf Manser. Wie viel Regen er sich wünscht. Und wie unsere Wälder in 30 Jahren aussehen.
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«Es ist himmeltraurig»: Kantonsförster Rolf Manser nahe der Verenaschlucht bei Solothurn.
Foto: Remo Buess

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Wälder leiden unter Hitze und Trockenheit, besonders im Jurabogen
  • Buchenbäume sterben, grüne Blätter fallen ab, 2018 bereits massive Schäden
  • Hitzeperioden häufen sich: 2003, 2018, 2023, 2026 – Wälder unter Druck
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Jessica Pfister
Schweizer Illustrierte

Es sind 34 Grad im Schatten im Solothurner Martinsflue-Wald. Der Schweiss fliesst Rolf Manser (62) von der Stirn. Doch nicht der diplomierte Forstingenieur ETH hat in seinem Revier zu kämpfen.

Herr Manser, wie ist es für Sie, momentan im Wald zu sein?
Rolf Manser:
Extrem frustrierend! Ein Gefühl der Machtlosigkeit. Man sieht, wie die Bäume jetzt schon braun werden und das Laub abfällt. Als Förster ist das ein trauriges Bild. Ich arbeite seit 34 Jahren im Forstdienst – doch so was habe ich noch nie erlebt. Dem Schweizer Wald gehts teilweise sehr schlecht. Hier im Jurabogen von Genf bis Baden im Aargau gibts die grössten Probleme.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Wie merkt man, dass ein Baum unter der Hitze leidet?
Die Blätter der Bäume und Sträucher und Pflanzen «lampen». Sie bekommen viel zu wenig Wasser und auch zu wenig Nährstoffe. Besonders augenscheinlich ist es bei den Buchen. Gesunde Bäume stellen die Versorgung der Blätter ein. Zum Teil fallen gar grüne Blätter ab, das ist noch schlimmer. Die tödliche Grenze liegt bei 40 bis 42 Grad. Bei den Fichten ist es nicht so ersichtlich. Doch sie leiden genauso. Wenn Bäume schreien könnten – es wäre ein sehr lautes Wehklagen.

Welche Bäume sind besonders betroffen?
Die Buchen, die häufigsten Laubbäume in der Schweiz. Das war schon in der letzten grossen landesweiten Trockenperiode so, 2018. Dieses Jahr haben wir massiv mehr. Auch im Mittelland sieht es nicht besser aus.

Leiden auch die Waldtiere?
Sie können mit Wasserknappheit besser umgehen. Aber auch sie sind im Stress.

«Normalerweise sind Buchenblätter und Buchnüssli erst Ende September so braun.»
Foto: Remo Buess

Nehmen Bäume so irreparable Schäden?
Mit grösster Wahrscheinlichkeit ja. Genau wissen wir das im nächsten Frühling. Nach der letzten grossen Trockenperiode 2018 starb ein Grossteil der geschädigten Buchen ganz ab. Sie erholen sich nicht oder nur schwer. Gemeinsam mit anderen Kantonen sind wir dran, ein Projekt hochzufahren, im Sinne von Rapid Mapping: Mit Drohnen und von anderen Fluggeräten aus sollen Waldbilder aus der Vogelperspektive aufgenommen werden, um die Veränderung rasch zu dokumentieren. Wie ist der Zustand des Schweizer Waldes?

Wie ist der Zustand des Schweizer Waldes?
Die Folgen des Klimawandels setzen den Wäldern schwer zu, das sieht man jetzt. Die Bäume, die nicht absterben, werden in der Regel geschwächt: Sie sind anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Der Wald ist deutlich unter Druck. Das nimmt mit den klimatischen Veränderungen noch weiter zu.

Werden hitzegeschädigte Bäume schon jetzt gefällt?
Wenn möglich nicht. Doch wenn die Nährstoffe sich so schnell zurückziehen, fallen nicht nur die Blätter ab, sondern es kann auch zu Astabbrüchen kommen. Es wird auch passieren, dass ganze Kronenteile abfallen. Solche Bäume werden gefällt. Das kam schon vor, auch Waldwege mussten schon gesperrt werden. Die Leute sollen noch immer gerne in den Wald gehen, er bietet Schatten und Erholung. Ich empfehle: Immer nach oben schauen, nie unter einem geschädigten Baum stehen bleiben!

Welche Folgen verursacht die diesjährige Hitzeperiode?
Es gibt einen deutlichen Wertverlust, zum Beispiel für die Forstwirtschaft. Eine gesunde Buche wird bis 150 Jahre alt. Bei guter Qualität kann man sie als Nutzholz brauchen. Durch die Trockenheitsschäden kann ihr Holz nicht mehr verbaut, sondern nur noch zur Energiegewinnung verwertet werden. Es gibt aber auch Profiteure.

Wer?
Einer ist der Borkenkäfer. Er vermehrt sich nun gut. Entsprechend werden die Schäden zunehmen. Und weil immer mehr Bäume absterben, wird es mehr Totholz geben. Davon profitieren Insekten und Käfer.

Wie sieht der Wald der Zukunft aus?
So schnell wird sich nichts verändern. Aber in 30, 40 Jahren wird er anders aussehen, mediterraner. Auch die Tier- und Pflanzenwelt wird sich entsprechend ändern. Einzelne Baumarten werden verschwinden. Fichten im Mittelland zum Beispiel. Auch Buchen werden an gewissen Standorten ausfallen. Förster pflanzen jetzt schon Baumarten an, die sich für die Zukunft eignen.

Welche sind das?
Wärmeliebende Arten wie Nussbäume, Spitzahorne und Linden, aber auch Baumhasel. Wir nennen sie klimafitte Baumarten. Auch Eichen, das ist ein Zukunftsbaum. Bei den Nadelbäumen wird vermehrt auf die Douglasie statt auf Fichte gesetzt.

«In 30 Jahren wird der Wald mediterraner aussehen.»
Foto: Remo Buess

Der Innerrhoder Ständerat Daniel Fässler sagte in der «NZZ am Sonntag»: «Der Klimawandel setzt den Bäumen härter und schneller zu, als ich je gedacht hätte.» Stimmen Sie ihm zu?
Ja! 1947 gabs eine ausgeprägte Hitze- und Trockenperiode in der Schweiz, die nächste war 1976, dann 2003 – damals sprach man vom Jahrhundertsommer, in der Hoffnung, dass es das war bis 2100. Doch danach hat sich der Rhythmus solcher Ereignisse verkürzt: 2018, 2023, 2026.

Umweltminister Albert Rösti hat die vom Bundesparlament genehmigten Millionen für den klimatauglichen Umbau des Waldes ab 2027 aus der Finanzplanung für die kommenden Jahre gestrichen.
Ein höchst bedauerlicher Entscheid! Das sage ich im Namen von vielen anderen Förstern.

Beten Sie für Regen?
Ich habe mir schon überlegt, einen Regentanz zu machen. (Schmunzelt.) Mehrere Wochen gleichmässiger und grossflächiger Regen täte der Natur gut. Bis dann gilt Feuerverbot. Bei uns stellte jemand sein Auto auf einem Ackerweg ab, wegen des heissen Auspuffs fing das Gras Feuer. Doch zu so grossflächigen Bränden wie in Frankreich kommt es bei uns vermutlich nicht.

Was sagen Sie Jugendlichen?
Tragt Sorge zu ihm, wenn ihr in den Wald geht! Abfall mitnehmen, schauen, dass es keinen Brand gibt. Wichtig ist auch, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie ein solches Ökosystem wie der Wald funktioniert.

Und was noch?
Bäume werden sehr alt und wachsen nur langsam. Während der Eiszeit zogen sie sich aus der Schweiz in den Mittelmeerraum zurück und wanderten nachher wieder ein. Dafür hatten sie mehrere tausend Jahre Zeit. Heute verläuft der Klimawandel aber so schnell, dass sie wenig Chancen haben. Daher muss die oberste Maxime sein, den Klimawandel so stark wie möglich auszubremsen. Jeder sollte sich überlegen, was er dazu beitragen kann. Die Bäume können es nicht richten. Helfen wir ihnen!

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