«Wir sind wie gestört am Wässern»
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Dürre hat Folgen für Bauern:«Wir sind wie gestört am Wässern»

Hitzekollaps im Schweizer Wald
Die Blätter zerfallen zu Staub

Buchen verdursten, auch «hitzeresistente» Bäume sind bereits kahl. Mitten im Sommer bricht das Waldklima zusammen.
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Herbst im Juli: Der Wald leidet unter Trockenheit und Hitze.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bäume im Solothurner Jura sterben wegen extremer Trockenheit seit Juni ab
  • Schockierend: Bäume verlieren Laub ohne Nährstoffrückzug, Blätter zerfallen zu Staub
  • Extremwetter 2026: Keine Niederschläge erwartet, Waldökosystem massiv geschädigt
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Lino SchaerenRedaktor

Von weitem sieht der Wald oberhalb von Laupersdorf noch grün aus. Doch wer hier im Solothurner Jura zwischen die Stämme tritt, erlebt eine andere Realität: Der Wald stirbt. «Schaut man sich um, fängt es überall an», sagt Frank Krumm, Co-Leiter der Forschungsgruppe Wald- und Bodenökologie an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

Am Mittwoch inspizierte Krumm den Wald gemeinsam mit Bodenkundlern und Förstern. Ihr Befund liefert das Protokoll eines rasanten Verfalls.

Mitten im Hochsommer zeigt sich der Boden bereits mit Laub übersät. Die Entwicklung ist extrem: «Am Nachmittag lag bereits mehr Laub am Boden als noch am Morgen», stellt Krumm fest. Nicht einmal schattigere Nordhänge, widerstandsfähige oder junge Bäume blieben verschont. Manche Kronen sind bereits komplett entlaubt. Eine krasse Dynamik. «Vermutlich führt das früher oder später zum Absterben etlicher Bäume», warnt der Forscher.

Wenn das System versagt

Wer ein herabgefallenes Blatt aufhebt, begreift das Geschehen. Die Blätter sind schlichtweg am Ast verdorrt. «Wenn man sie zwischen den Fingern reibt, zerfallen sie zu Staub», sagt Krumm.

Das ist ein entscheidender Unterschied zu historischen Trockenjahren wie 2018. Damals litten die Wälder ebenfalls massiv, doch viele Bäume folgten einem Notfallplan: Im August gingen sie frühzeitig in die Herbstruhe und zogen die Nährstoffe aus den Blättern in den Stamm zurück. Erst dann liessen sie das Laub fallen.

Heute geschieht das Absterben so plötzlich, dass dieser Rückzug weitgehend ausbleibt. Erste Messungen des WSL-Teams im Jura bestätigen den Befund. «Das ist eine Schwächung für die Zukunft», sagt Krumm. Was normalerweise geordnet im Herbst geschieht, ist jetzt ein Schock-Abwurf, der schon Ende Juni begonnen hat. Linderung ist nicht in Sicht: Es sind keine nennenswerten Niederschläge vorhergesagt.

Selbst Krisengewinner am Limit

Extreme Temperaturen, viel zu wenig Regen: Die aktuelle Dürre trifft zudem auf ohnehin geschwächte Wälder. Ein einzelner Hitzesommer bringt den Wald nicht um, aber die Summe der Extremereignisse entzieht den Bäumen über Jahre ihre Lebenskraft. Der Solothurner Jura zeigt das eindrücklich. Und die Hitze trifft den gesamten Jurabogen hart – an manchen Standorten sind alle Baumarten betroffen.

Am härtesten erwischt es die Buche. Sie kann sich von solchen Schocks kaum erholen. Ihr Absterben beginnt in der Krone und frisst sich nach unten durch. In den Folgejahren treibt der Laubbaum kaum noch aus. Folgen weitere trockene Jahre, stirbt er. Der Todeskampf kann sich bis zu fünf Jahre hinziehen.

Besonders besorgniserregend: Längst leiden nicht mehr nur sensible Arten. Auch Bäume, die bisher als trockenheitsresistent galten, zeigen klare Symptome. Beim Spitzahorn, der Mehlbeere und der Linde rollen sich die Blätter ein, statt saftigen Grüns prägt eine umfassende Welke das Bild. Nur einzelne Eichen und Eschen zeigen noch satteres Grün.

Das Ende des Waldes, wie wir ihn kennen

Für die WSL-Wissenschaftler ist das nicht überraschend. «Unsere Modelle sagen schon lange voraus, dass es so kommen wird», sagt Krumm. Doch die Häufung der Extremjahre verändert das Ökosystem. Die Durchschnittstrends der Vergangenheit gelten nicht mehr. Dieses Jahr ist besonders beunruhigend, weil die Krise extrem früh begann. Wo sie im Herbst stehen wird, sagt Krumm, sei kaum abschätzbar.

Immerhin: Der Schweizer Wald verfügt im Vergleich zu Monokulturen im Ausland über eine gemischte Basis. Fällt eine Baumart aus, ist Reaktionspotenzial vorhanden. «Das ist unser grosser Vorteil», so Krumm. Trotzdem wird sich das vertraute Waldbild teilweise radikal verändern.

Die majestätischen, kerzengeraden Bäume, wie sie für die Holzwirtschaft wichtig sind, werden seltener. Der Schweizer Wald der Zukunft dürfte sich in tieferen Lagen dem mediterranen Raum angleichen: Die Bäume bleiben niedriger, wachsen krumm, gedrungener. Andere, wärmeliebende Arten werden dominant.

Kaum noch Abkühlung

Damit stehen in manchen Regionen essenzielle Dienstleistungen des Waldes auf dem Spiel: der wirtschaftliche Nutzen, der Schutz vor Naturgefahren, die Gewinnung von Trinkwasser. «Diese werden nun punktuell infrage gestellt», warnt Krumm. Zudem reinigt der Waldboden unser Wasser, die Beschattung hält es kühl. Fällt dieser Schutz weg, drohen handfeste Probleme.

Auch mit der Abkühlung ist es an einigen Orten im Jura vorbei. Früher flohen die Menschen hier vor der Hitze in den Wald. Heute brennt die Sonne durch das kahle Geäst direkt auf den Boden.

«Wenn man durch einen Wald läuft, fühlt man sich, wie wenn man ausserhalb stehen würde», stellt Frank Krumm beim Ortstermin oberhalb von Laupersdorf fest: «Es gibt hier kein wirkliches Waldklima mehr.»

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