Darum gehts
- Der Siebenbrüdertag soll das Sommerwetter sieben Wochen lang vorhersagen
- Wetterexperte Klaus Marquardt hält Lostage für unzuverlässig
- Die Deutschschweiz bleibt bis Mitte Juli heiss und trocken, Temperaturen von über 30 Grad
Viele Menschen kennen den Siebenschläfertag, aber hast du schon mal vom Siebenbrüdertag gehört? Mit dem Siebenschläfertag am 27. Juni ist eine der bekanntesten Bauernregeln verbunden: «Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.» In diesem Jahr fiel der Tag mitten in eine Hitzewelle.
Auch diese Woche sind wieder Temperaturen über 30 Grad angesagt. Was also hat es mit dem Siebenbrüdertag am 10. Juli auf sich? Die sieben Brüder, deren Namen auf frühchristliche Märtyrer zurückgehen, haben im bäuerlichen Wetterglauben eine vergleichbare Bedeutung.
Das steckt hinter den Lostagen
Die Wetter-Regel aus dem Volksmund lautet beispielsweise so: «Ist Siebenbrüder ein Regentag, so regnets noch sieben Wochen danach.» Für Sonnenfans gibt es eine Abwandlung: «Wenn sich die sieben Brüder sonnen, kommt sieben Wochen Wonnen.» Dahinter steckt dieselbe Idee wie beim Siebenschläfertag: Das Wetter Anfang Juli soll den Charakter des restlichen Sommers bestimmen. Fällt Regen, werden die darauffolgenden Wochen regnerisch, scheint die Sonne, bleibt es trocken, so die Logik hinter der Bauernregel.
Ein markanter Wettertag, der verraten soll, was das Wetter bringt? Wetterexperte Klaus Marquardt von Meteo News hält davon wenig. «Ein einzelner Lostag ist tatsächlich wertlos», erklärt er. Lostage sind im Volksglauben Tage, die das Wetter der kommenden Wochen vorhersagen sollen – wie eben der Siebenbrüdertag.
«Strömungsmuster können sich umstellen»
Es gibt nur einen Punkt, der die Siebenbrüder-Regel stützen könnte. «Grundsätzlich verlagert sich der Jetstream im Frühsommer tendenziell weiter nach Norden, die Tiefs ziehen im Mittel weiter nördlich», sagt Marquardt. Der Jetstream ist ein hoch in der Atmosphäre verlaufendes, schnell strömendes Windband, das die Zugbahnen von Hoch- und Tiefdruckgebieten sowie unser Wetter massgeblich steuert. Dadurch könne sich ein gewisser Wettercharakter durch die verbleibenden Sommerwochen ziehen.
«Allerdings ist das nicht in jedem Jahr so», relativiert Marquardt. Und weiter: «Strömungsmuster können sich auch umstellen – egal, was im Siebenschläfer-Zeitraum war.»
Am Freitag lacht in weiten Teilen der Schweiz die Sonne vom Himmel. Einzig im Wallis, im Tessin und im südlichen Bündnerland muss mit Regenschauern gerechnet werden. Und dann?
Trockenheit bleibt weiter ein Problem
«Bis Mitte nächster Woche ist es grundsätzlich sonnig und heiss, das Temperaturniveau steigt sogar noch etwas an», teilt der Wettermann mit. In der Deutschschweiz bleibe die Trockenheit ein grosses Thema.
«Was danach passiert, lässt sich noch nicht seriös sagen», fügt er hinzu. Dass es von einem Hitzesommer in eine komplett verregnete zweite Sommerhälfte kippt, hält Marquardt für eher unwahrscheinlich. Es sei aber gut möglich, dass es auch mal eine weniger heisse und nassere Woche geben könnte. «Das wäre normal. Wochenlanger Sonnenschein und Hitze sind es eher nicht.»