Aargau-AKW heizt Debatte an
Die Schweiz dient Österreichern als abschreckendes Beispiel

Ausgerechnet die Schweiz heizt Österreichs Atomdebatte an. Die jüngste hitzebedingte Abschaltung des AKW Beznau liefert neue Argumente. Das Land ist ein Sonderfall, wenn es um Atomkraft geht.
Kommentieren
1/6
Das AKW Beznau musste Ende Juni wegen der hohen Wassertemperaturen vorübergehend vom Netz genommen werden.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Österreich auf Anti-Atom-Kurs, Schweizer AKW Teil der Debatte
  • AKW Beznau wurde wegen Hitzewelle und Aare-Überhitzung im Juni abgeschaltet
  • Wiens Umweltanwaltschaft: Atomkraftwerke ineffizient bei Hitze, benötigen viel Kühlwasser
IMG_4140.jpg
Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Österreich und die Atomkraft? Es ist keine Liebe. Unser Nachbarland ist ein Sonderfall: Bis heute hat es noch nie ein AKW zur Stromerzeugung betrieben. Erst im Frühjahr entschied das Parlament in Wien, «den Anti-Atom-Kurs Österreichs konsequent weiterzuführen». Es war eine Art politischer Selbstvergewisserung. 

Trotzdem flammt die Debatte regelmässig wieder auf. Gerade Stimmen aus der Wissenschaft plädieren dafür, die Kernenergie neu zu beurteilen. Doch solche Vorstösse werden meist rasch im Keim erstickt.

Und ausgerechnet die Schweiz liefert den Atomgegnern in Österreich dieser Tage neue Munition. Ende Juni musste das AKW Beznau im Kanton Aargau wegen der Hitzewelle vorübergehend vom Netz genommen werden. Seither verweisen Politiker, Umweltschützer und Medien im Nachbarland immer wieder darauf.

Eine Abschaltung gibt zu reden

Der Wiener Klima-Stadtrat Jürgen Czernohorszky (49) erklärte mit Blick auf die Schweiz, die Hitzewellen würden «die Grenzen der Atomkraft deutlich aufzeigen». Kernkraft sei kein Ausweg, sondern gerate «durch die Klimakrise selbst immer stärker unter Druck», teilte der Sozialdemokrat mit. Atomkraftwerke benötigten grosse Mengen an Kühlwasser und leiteten ihre Abwärme zusätzlich in Flüsse ein.

Die Wiener Umweltanwaltschaft – eine öffentliche Institution – verwies ausdrücklich auf das AKW Beznau. Die Klimakrise zeige eine Schwäche der Atomenergie auf, so ihr Fazit. «Ausgerechnet, wenn an heissen Sommertagen besonders viel Strom für Klimaanlagen und Kühlung benötigt wird, können Atomkraftwerke ihre Leistung oft nicht voll erbringen.» 

Allerdings betonte auch die Umweltanwaltschaft: Nicht das AKW Beznau an sich war das Problem, sondern der Fluss. Das Kühlwasser stammt aus der Aare und wird nach dem Kühlvorgang wieder eingeleitet. Damit die Aare nach der Einleitung des Kühlwassers die zulässige Temperatur von 25 Grad nicht überschritt und Fische sowie andere Wasserlebewesen nicht zusätzlich belastet werden, reduzierten die Betreiber zunächst die Leistung beider Reaktoren. Später schalteten sie diese ganz ab.

Rechtskonservatives Portal setzt Kontrapunkt

Einen Kontrapunkt setzte das rechtskonservative Portal «Exxpress», das häufig wohlwollend über Atomkraft berichtet. Seine Stossrichtung: Die Drosselung von Beznau und auch von Anlagen in Frankreich sei primär eine Folge strenger Umweltauflagen. 

Das Problem sei nicht die Kernenergie, sondern die wetterabhängige Stromproduktion aus Wind und Sonne. Während die Atomkraftwerke wegen des Gewässerschutzes zeitweise weniger Leistung erbracht hätten, hat zumindest nach Ansicht des Portals just die «Hitzeflaute» die Schwächen der erneuerbaren Energien offengelegt.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen