Darum gehts
- Zuger Politiker prüfen Kauf von Zürcher AKW-Anteil für Versorgungssicherheit
- Mögliche jährliche Gewinne von 18 Millionen Franken durch den Anteil
- AKW Gösgen war 2025 fast zehn Monate wegen Nachrüstungen stillgelegt
Die Schweiz und ihre Atomkraftwerke. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.
Eigentlich wollte die Schweiz keine neuen AKW mehr. 2017 entschied dies das Volk mit der neuen Energiestrategie. Und bereits ein Jahr zuvor wollte die Stadtzürcher Bevölkerung, dass man sich nicht mehr länger am Kernkraftwerk Gösgen beteiligt. Doch dieser Verkauf gestaltet sich schwierig, ernsthafte Interessenten gab es kaum.
Bis jetzt: Bürgerliche Politiker von FDP und SVP aus dem Kanton Zug fordern, dass der Kanton prüft, «ob eine Beteiligung an Produktionskapazitäten, insbesondere am Kernkraftwerk Gösgen, geeignet wäre, einen Beitrag zur langfristigen Versorgungssicherheit zu leisten». Im Fokus dafür: der Anteil der Stadt Zürich. Zuerst hatte das Onlineportal Zentralplus darüber berichtet.
18 Millionen Gewinne locken
Insbesondere soll geprüft werden, welche finanziellen und rechtlichen Auswirkungen eine solche Beteiligung hätte. Sie könnte verschiedene potenzielle Vorteile haben, heisst es im Vorstoss – unter anderem eine Stärkung der Versorgungssicherheit, eine bessere Planbarkeit und weniger Abhängigkeit vom Ausland.
Gemäss dem Onlineportal rechnen die Postulanten mit jährlichen Gewinnen von 18 Millionen Franken, wenn man den Zürcher Anteil kaufen würde. Pro Zugerin oder Zuger entspräche das rund 140 Franken pro Jahr, so FDP-Kantonsrat Flurin Grond (53).
Genügend Geld für die Investitionen hätte der Kanton, heisst es im Vorstoss. «Der Kanton Zug verfügt grundsätzlich über die finanzielle Stabilität und die institutionellen Voraussetzungen, um langfristige Infrastrukturinvestitionen dieser Art seriös zu prüfen.» Ob eine Beteiligung sinnvoll sei, soll erst nach der Prüfung entschieden werden. Gleichwohl dürfte die Kritik, insbesondere von linken Politikern, gross sein.
Bei einem Kernkraftwerk können Probleme auftreten. Gerade das AKW Gösgen stand im vergangenen Jahr für fast zehn Monate still, weil es Nachrüstungen brauchte. Die Verzögerungen kosteten mehrere Hundert Millionen Franken.
Bekommt die Schweiz ein neues Kernkraftwerk?
Auch auf nationaler Ebene gibt es Bewegung in der AKW-Frage: Das Parlament hat kürzlich entschieden, dass wieder neue Kernkraftwerke gebaut werden können.
Besonders im Nationalrat war der Entscheid sehr knapp – aktuell sammeln SP, Grüne und GLP Unterschriften für ein Referendum. Das letzte Wort dürfte also das Volk haben.