Brisante Studie
Röstis AKW-Plan gefährdet bis zu 16’000 Jobs

Albert Rösti möchte neue Atomkraftwerke. Das setzt Stellen in der Schweiz aufs Spiel, warnt ein Professor der ZHAW.
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Die AKW-Pläne von Bundesrat Albert Rösti geben zu reden.
Foto: Keystone

Darum gehts

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Raphael RauchBundeshausredaktor

Energieminister Albert Rösti (58, SVP) will neue Atomkraftwerke in der Schweiz bauen. Dafür soll das vom Volk beschlossene Neubauverbot aufgehoben werden. Grüne, GLP, SP und Teile der Mitte wiederum wollen dies mit einem Referendum verhindern. Sie halten AKW für gefährlich – und zu kostspielig. Bislang hat Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62, FDP) noch keinen Plan vorgelegt, wie die neuen Reaktoren zu finanzieren wären.

Die AKW-kritische Schweizerische Energie-Stiftung hat bei Jürg Rohrer (64) eine Studie in Auftrag gegeben. Der Professor leitet an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) die Forschungsgruppe Erneuerbare Energien. Rohrer warnt vor Jobverlusten in der Schweiz. Bereits die Aufhebung des AKW-Neubauverbots könnte Tausende Arbeitsplätze in der Solar- und Baubranche gefährden – selbst dann, so die Autoren, wenn gar kein neuer Reaktor gebaut wird.

10’000 bis 16’000 Jobs gefährdet

Kernargument der Studie: Setzt sich Rösti durch, entstehe gegenüber erneuerbaren Energien ein investitionsfeindliches Klima. Die Solar- und Baubranche würde weniger Aufträge erhalten – in der Folge gingen Jobs verloren: «Die blosse Möglichkeit eines AKW-Neubaus genügt, um Investitionsentscheide in erneuerbare Energien zu verzögern oder zu verhindern – mit unmittelbaren Folgen für Arbeitsplätze in der Schweiz», warnt die Studie.

Die Untersuchung kommt zum Schluss, dass diese Variante von Technologieoffenheit in den nächsten fünf Jahren 5800 bis 9500 Stellen bedrohen könne, über zehn Jahre hinweg bis zu 10’600. Werde zusätzlich ein AKW geplant oder gebaut, sind es innerhalb von zehn Jahren sogar 10’000 bis 16’000 gefährdete Jobs.

Wertschöpfung aus dem Ausland

Die Autoren sind überzeugt: «Arbeitsplätze, die durch ein AKW-Projekt entstehen würden, kompensieren weder quantitativ noch qualitativ jene, die in der Photovoltaik-Branche nicht geschaffen werden und im Gebäudebereich wegfallen würden.»

Bei Atomkraftwerken würden Technologie und Know-how weitgehend aus dem Ausland importiert, entsprechend tief bleibe die heimische Wertschöpfung. Die Solarbranche hingegen verteile ihre Jobs regional, arbeite stark über KMU und schaffe dauerhafte Beschäftigung statt nur temporärer Baustellenarbeit.

Studie: AKW sichert keine Schweizer Arbeitsplätze

Zudem rechnet die Studie mit negativen Folgen für das Gebäudeprogramm. Die Autoren nehmen an, dass die AKW-Debatte den politischen Druck auf Fördergelder für Sanierungen und Effizienzmassnahmen erhöht. Je nach Szenario könnten weitere Stellen in der Baubranche wegfallen, weil weniger energetische Sanierungen umgesetzt würden. Die Studie greift damit ein zentrales Argument der AKW-Befürworter frontal an: dass ein Neubau von Reaktoren Schweizer Arbeitsplätze sichert.

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