Darum gehts
- Klimaaktivisten störten Albert Röstis Sommeranlass in Luzern mit lauten Protesten
- Sie forderten seinen Rücktritt wegen unzureichender Klimapolitik und Menschenrechtsverletzungen
- Schweiz trägt etwa 0,1 Prozent zum globalen CO₂-Ausstoss bei, so Rösti.
Eigentlich wollte sich Albert Rösti (58) am Mittwoch von seiner besten Seite zeigen. Für den diesjährigen Sommerausflug lud er die Medienschaffenden ins Verkehrshaus Luzern mit anschliessendem Mittagessen ein. Den Anlass wollte er nutzen, um sich mit seinen aktuellen Projekten – etwa dem Verkehrsausbau und den AKWs – zu profilieren.
Doch eine Gruppe von Klimaaktivisten machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Als der Bundesrat die Journalisten am Bahnhof Luzern gut gelaunt begrüsste, wurde er vom Drop-Kollektiv lautstark unterbrochen.
«Hört ihm nicht zu und fordert seinen Rücktritt!», skandierte eine junge Aktivistin. Sie verwies auf die Hitzewelle, welche die Schweiz in den vergangenen Wochen beschäftigte. «Es sterben Hunderte und der Umweltminister schweigt!» Röstis Politik verstosse gegen die Menschenrechte und das Völkerrecht.
Das Drop-Kollektiv hat es sich auf die Fahne geschrieben, Anlässe von einflussreichen Personen zu stören, die seiner Meinung nach den Klimawandel befördern. In den vergangenen Monaten sorgte die Gruppierung bereits mit Störaktionen bei Anlässen von Milliardär Alfred Gantner (58), Verteidigungsminister Martin Pfister (62) und «NZZ»-Chefredaktor Eric Gujer (63) für Schlagzeilen.
Trillerpfeifen und Buhrufe
Bundesrat Rösti versuchte, die Situation zu deeskalieren. «Das ist ja das Schöne an der Schweizer Demokratie – jeder darf seine Meinung sagen.» Die geplante Rede verschob er kurzerhand ins Verkehrshaus.
Doch die Aktivisten liessen nicht locker. Sie begleiteten den Bundesrat und die Medienleute auf dem halbstündigen Spaziergang entlang der Seepromenade mit Trillerpfeifen, Buhrufen und Konfetti. Um den Schutz des Bundesrats zu gewährleisten, eilten mehrere Polizisten herbei.
Der Umweltminister bemühte sich gelassen zu bleiben und trotz des Lärms die Fragen der Journalisten zu beantworten. Zu Blick sagte er: «Diese Gruppierung hat schon einmal einen Anlass von mir gestört!» Er habe den Aktivisten ein Gespräch angeboten, aber das wollten sie nicht. «Sie schreien lieber ihre Parolen weiter – das muss ich ertragen.»
Rösti verteidigt seine Klimapolitik
Auf die extreme Hitze der vergangenen Tage angesprochen, sagte der Umweltminister: «Der Klimawandel hat sich derzeit massiv manifestiert.» Lösungen gebe es aber nur langfristige. Dafür müsse man vor allem von den fossilen Energien wegkommen.
Der Bund mache in diesem Bereich alles, was er könne. Dazu zählte der Bundesrat das Stromgesetz, die Förderung der erneuerbaren Energien sowie den Gegenvorschlag zur Blackout-Initiative.
Er betonte aber auch, dass die Schweiz die Klimakrise nicht alleine verhindern könne. «Unser Land ist für rund ein Promille des CO₂-Ausstosses verantwortlich.» Es sei wichtig, dass die grossen Staaten wie die USA, Indien und China am gleichen Strick zögen.
Vor dem Verkehrshaus meldete sich schliesslich das Wetter mit voller Wucht. Ein sintflutartiger Regen setzte ein und überraschte die kleine Schar. Bundesrat und Medienschaffende retteten sich hastig ins Innere des Museums, während die Polizei sicherstellte, dass die Demonstrierenden draussen blieben.