Mitte-Chef Bregy nervt sich über Prämienanstieg
«Dieses Geld muss bei den Versicherten landen»

Seit Jahren steigen die Gesundheitskosten und damit auch die Krankenkassenprämien. Mitte-Chef Philipp Matthias Bregy will diese Entwicklung nicht länger hinnehmen. Im Blick-Interview erklärt er, wie er den Prämienanstieg stoppen will.
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Mitte-Chef Philipp Matthias Bregy will die Gesundheitskosten eindämmen.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Prämien steigen auch 2027, mittlere Monatsprämie könnte erstmals über 400 Franken ausmachen
  • Mitte will Prämienanstieg mit 5-Punkte-Plan stoppen
  • Medikamentenrabatte sollen Versicherten zufliessen und die Grundversorgung gestärkt werden

Ende September präsentiert SP-Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) die neuen Krankenkassenprämien für 2027. Schon jetzt ist klar: Einmal mehr saust der Prämienhammer auf die Versicherten nieder. Bis zu 5 Prozent dürfte der Aufschlag diesmal betragen und die mittlere Standardprämie damit erstmals über 400 Franken monatlich ausmachen.

Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy (48) will den Prämienanstieg mit einem neuen 5-Punkte-Plan – von einer stärkeren Grundversorgung bis hin zur Prävention – stoppen. Im Blick-Interview erklärt er wie.

Blick: Herr Bregy, wann waren Sie zuletzt beim Arzt und haben damit unser Gesundheitswesen belastet?
Philipp Matthias Bregy: Ich gehe selten zum Arzt. Meine Frau sagt sogar «deutlich zu wenig». Meinetwegen steigen die Kosten also nicht. Entscheidend ist, dass die Leute dann zum Arzt gehen, wenn sie ihn wirklich brauchen. Für den Prämienanstieg sind aber ohnehin nicht primär die Patienten verantwortlich.

Nächstes Jahr werden die Prämien wieder deutlich steigen. Was läuft falsch?
Gerade für Menschen mit weniger Einkommen, für Familien und den Mittelstand sind die Prämien eine riesige Belastung. Das regt mich auf! Umso mehr, weil wir mit unserer Kostenbremse-Initiative einen guten Vorschlag auf dem Tisch hatten, der am massiven Widerstand der Gesundheitslobby gescheitert ist. Wir müssen die Gesundheitskosten endlich in den Griff bekommen.

Die Entwicklung zeigt in eine ganz andere Richtung: Erstmals dürfte die mittlere Monatsprämie über 400 Franken steigen.
Das ist ein brutal hoher Betrag. Aber damit die Menschen bezahlbare Prämien erhalten, müssen die Gesundheitskosten runter.

Mit Ihrem 5-Punkte-Plan wollen Sie den Prämienanstieg stoppen. Ist das nicht ein zu vollmundiges Versprechen?
Das Ziel muss sein, den Prämienanstieg zu stoppen. Oder zumindest zu bremsen. Ohne ambitionierte Ziele ist dies nicht möglich.

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Die abgelehnte Kostenbremse-Initiative war für viele zu schwammig. Wo bringen Sie nun Vorschläge mit Fleisch am Knochen?
Ein wichtiger Punkt ist die Weitergabe der Medikamentenrabatte an die Versicherten. Es geht gemäss Finanzkontrolle um 700 Millionen Franken, die heute grösstenteils von Ärzten, Apothekern oder Spitälern abkassiert werden. Das ist inakzeptabel. Dieses Geld darf nicht im System versickern, sondern muss bei den Versicherten landen. Dieses Geld gehört den Prämienzahlern! Künftig muss gelten: Wer ungerechtfertigt Rabatte nicht weitergibt, muss sanktioniert werden können.

Ansetzen wollen Sie auch bei der Gesundheitsversorgung. Wie kann diese gestärkt werden?
Wir müssen das Tarifsystem so ausgestalten, dass die Patienten auf der richtigen Versorgungsstufe betreut werden. Heute müssen die Leute viel zu früh zum Spezialisten oder ins Spital gehen, weil die Grundversorgung teilweise ungenügend ist. Es braucht deshalb eine klare Versorgungspyramide: Zuerst geht man zur Apotheke, wenn es schlimmer wird zum Hausarzt und erst dann – wenn wirklich nötig – zum Spezialisten oder ins Spital. Es sollte nicht sein, dass man wegen jeder Oberschenkelprellung gleich ein MRI haben muss. Darin steckt ein Riesenpotenzial.

Dann sind Sie mit dem seit Anfang Jahr geltenden Tardoc-System unzufrieden?
Tardoc ist nicht genügend austariert, damit es insbesondere für Hausärzte attraktiv ist. Wir müssen Hausärzte und damit die Grundversorgung stärken. Das System hat noch immer Fehler, die beseitigt werden müssen.

Die Mitte plädiert in ihrem Papier auch für mehr Qualität statt Quantität. Ein erster Schritt zur Rationierung?
Es geht eben gerade nicht um Rationierung. «Pay for quality» bedeutet, Qualität statt Menge zu bezahlen – und das heisst Doppelspurigkeiten auszumerzen. Hat der Hausarzt ein Röntgenbild erstellt, muss der Spezialist dies nicht noch einmal machen. Dafür braucht es aber auch ein elektronisches Patientendossier. Da müssen wir jetzt vorwärtsmachen. 

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10'000 Schritte nicht nötig:Was deinem Körper wirklich guttut

In Ihrem Plan fokussieren Sie auf die Leistungserbringer. Um schmerzhafte Einschnitte bei den Versicherten kommen wir aber nicht herum, wenn man wirklich sparen will.
Die Frage ist doch, wer die Kosten wirklich verursacht. In vielen Punkten sind es eben nicht die Versicherten, sondern andere Player. Der Patient kann doch nicht beurteilen, was nötig ist und was nicht. Hier wollen wir ansetzen! Wir wollen keine Zweiklassenmedizin, aber eine Medizin, in der die Akteure ihre Verantwortung wahrnehmen. Hierzu gehört ein Zugang zu qualitativen medizinischen Leistungen für alle, aber einfach dann, wenn nötig. 

Die Prämien selbst tasten Sie nicht direkt an. Warum keine einkommensabhängigen Prämien statt Kopfprämien, wie dies die Linke fordert?
Wir müssen doch die Ursachen bekämpfen! Der Prämienanstieg lässt sich nur stoppen oder zumindest bremsen, wenn wir die Gesundheitskosten reduzieren. Einfach mehr Geld ins System zu buttern, um die Nebenwirkungen zu mildern, ist reine Symptombekämpfung. Damit schaffen wir keine Anreize zur Kostenreduktion. 

Nächstes Jahr stehen bereits wieder nationale Wahlen an. Wollen Sie mit der Gesundheitspolitik dabei einen Schwerpunkt setzen?
Die Gesundheitspolitik steht bei uns schon lange im Fokus und wird leider auch über das Wahljahr hinaus ein Thema bleiben. 

Einen Schatten auf das Wahljahr wirft die Affäre um die mittlerweile aus der Partei ausgetretene Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli (33). Das ist doch für Sie als Parteipräsident eine Katastrophe!
Ich will nicht um den heissen Brei reden: Streit in der eigenen Partei hat kein Parteipräsident gern. Schlussendlich ist es aber eine Angelegenheit der Kantonalpartei. Nun gilt es, vorwärts zu schauen. Wir haben in den letzten Jahren in der Waadt eine starke Basis aufgebaut und verfügen mit Isabelle Chappuis über eine profilierte Nationalrätin. Daher bin ich für die Zukunft positiv gestimmt.

Mit dem F-35-Fixpreis-Debakel sorgt mit Ex-Verteidigungsministerin Viola Amherd (64) eine weitere Mitte-Frau für Unmut. Dass sie als zuständige Bundesrätin einen Milliardenvertrag offenbar nicht selbst gelesen hat, hat wohl auch Sie überrascht?
Gemäss GPK-Bericht haben nur wenige den Vertrag gelesen. Warum Nationalrat David Roth an der Medienkonferenz behauptet hat, es sei nur eine Person gewesen, erschliesst sich mir nicht. Zu einzelnen Personen macht der Bericht keine Angaben. Ohnehin ist das aber nicht die entscheidende Frage.

Sondern?
Wenn sich eine politische Behörde von einem Expertengremium begleiten lässt, muss diese auf diese Fachexperten vertrauen können. So wie man eigentlich auch auf die amerikanische Botschaft vertrauen können müsste. Inhaltlich hat der Bericht ohnehin nichts Neues hervorgebracht. Bundesrat Martin Pfister hat bereits im Frühling Transparenz geschaffen und aufgezeigt, dass sich der Fixpreis nicht durchsetzen lässt und wie er nun vorwärtsgehen will.

Frau Amherd hingegen schweigt bisher.
Das ist ihr gutes Recht. Ich gehe davon aus, dass sie sich dazu äussern wird, sobald es von ihrer Seite etwas zu sagen gibt.

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