Prämienlast lässt Versicherte umdenken
Freie Arzt- und Spitalwahl wankt

Angesichts der zunehmenden Prämienlast sind die Versicherten vermehrt zu Opfern bereit, wie der neue GFS-Gesundheitsmonitor zeigt. Der Rückhalt für Reformvorschläge steigt. Gleichzeitig soll der Zugang zu innovativen Medikamenten mehr kosten dürfen.
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Angesichts der zunehmenden Prämienlast sind die Versicherten vermehrt zu Opfern bereit.
Foto: Keystone-SDA

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Krankenkassenprämien 2027 steigen voraussichtlich um bis zu 5 Prozent
  • Prämienlast führt zu mehr Reformbereitschaft, wie GFS-Gesundheitsmonitor zeigt
  • 65 Prozent akzeptieren Einschränkungen bei Spitalwahl zur Kostensenkung, 57 Prozent bei Arztwahl
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Ruedi StuderBundeshaus-Redaktor

Nächste Woche präsentiert Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) die neuen Krankenkassenprämien für 2027. Schon jetzt ist klar: Einmal mehr saust der Prämienhammer auf die Versicherten nieder. Bis zu 5 Prozent dürfte der Aufschlag diesmal betragen. Nach 4,4 Prozent in diesem Jahr erneut ein happiger Anstieg also. Die mittlere Standardprämie dürfte damit erstmals auf über 400 Franken monatlich steigen!

Angesichts der zunehmenden Prämienlast sind die Versicherten vermehrt zu Opfern bereit, wie der neue GFS-Gesundheitsmonitor im Auftrag von Interpharma zeigt. Um die Gesundheitskosten zu senken, würden 65 Prozent der 1046 Befragten eine Einschränkung der freien Spitalwahl hinnehmen – 16 Prozent mehr als im letzten Jahr. Auch der Verzicht auf die freie Arztwahl findet mit 57 Prozent Zustimmung, letztes Jahr waren es nur 43 Prozent. 

Kompromissbereitschaft steigt

Selbst für eine Kürzung des Grundversicherung-Leistungskatalogs hat die Akzeptanz von 36 auf 50 Prozent zugenommen, sofern effektiv gespart werden kann. Die Studienautoren orten «eine deutlich gestiegene Kompromissbereitschaft», wenn es um Einschränkungen geht. «Der Kostendruck verändert damit die Grenzen des politisch Machbaren.»

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Die Stimmbevölkerung fordert zwar keinen generellen Leistungsabbau. Sie zeigt sich aber zunehmend offen für Veränderungen. Ebenso gewinne die Vorstellung an Bedeutung, dass innerhalb des Gesundheitssystems «stärker auf die Verantwortung des Einzelnen gesetzt werden soll».

Bagatell-Notfallgebühr kommt gut an

So zeigt sich die Bevölkerung auch in anderen Bereichen offener für – auch schmerzhafte – Anpassungen. Fast 80 Prozent sprechen sich für eine Strafgebühr für Bagatellfälle in Spitalnotfallaufnahmen aus. 69 Prozent finden, dass Medikamente für Bagatellen aus dem eigenen Sack bezahlt werden sollen.

Mit automatischen Massnahmen zur Kostenbeschränkung zeigen sich 56 Prozent einverstanden. Für eine Budget-Krankenkasse (mit entschlacktem Leistungskatalog) lassen sich 62 Prozent erwärmen, für eine Einheitskasse 54 Prozent. 

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Allerdings weiss die Bevölkerung selbst nicht immer so richtig, was sie will, wie gewisse Umfrageergebnisse vermuten lassen. So zeigen sich 67 Prozent mit dem System der Kopfprämien, also gleich hohe Prämien für alle, einverstanden. Gleichzeitig stimmen 63 Prozent der Idee für einkommensabhängige Prämien zu.

Im langjährigen Trend haben Kopfprämien aber deutlich an Rückhalt verloren, während einkommensabhängige Prämien zunehmend auf Gegenliebe stossen. Die von der SP geplante Prämienrabatt-Initiative trifft damit einen Nerv. 

Die Versicherten setzen aber auch klare Grenzen: Eine Erhöhung der heutigen Mindestfranchise von 300 Franken, wie es das Parlament derzeit plant, lehnen 53 Prozent ab. Auch von Versicherungsmodellen mit Erstanlaufstelle will die Hälfte nichts wissen. 

Innovative Medikamente dürfen kosten

Allerdings sind die Versicherten durchaus bereit, etwas tiefer in die eigene Tasche zu greifen, wenn es um den Zugang zu hochwirksamen, aber teureren innovativen Therapien geht. Drei Viertel plädieren für einen gleichberechtigten Zugang für alle, unabhängig von den Kosten. Gleichzeitig sind 44 Prozent der Meinung, dass sich das Schweizer Gesundheitswesen einen uneingeschränkten Zugang zu diesen Therapien nicht leisten kann. 

Im Vergleich zu Deutschland kommt gut die Hälfte der innovativen Medikamente hierzulande in der obligatorischen Grundversicherung verzögert oder aus Preisgründen gar nicht zum Einsatz. In einer Zusatzstudie von Swiss Economics wurde die Zahlungsbereitschaft für einen besseren Zugang zu innovativen Arzneimitteln ausgewertet. 

Das Resultat: Um die Verfügbarkeitsquote von 50 auf 90 Prozent wie in Deutschland zu steigern, wären die Versicherten zu Zusatzausgaben von durchschnittlich 33 Franken pro Monat bereit. Eine Senkung der Quote auf 30 Prozent wollen die Versicherten mit durchschnittlich 58 Franken monatlich kompensiert haben. 

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Für einen sofortigen Zugang anstelle der heutigen Verzögerung von rund sieben Monaten von der Zulassung bis zum Vergütungsentscheid würden die Versicherten im Schnitt 17 Franken pro Monat zahlen. Eine Verzögerung von 24 Monaten müsste mit 64 Franken kompensiert werden. Für das volle Reformszenario mit 90-Prozent-Verfügbarkeit und sofortiger Vergütung sind dies rund 50 Franken pro Monat oder 600 Franken pro Jahr. 

Versorgungsqualität wichtig

«Die Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung dem Zugang zu innovativen Medikamenten einen hohen Stellenwert beimisst», sagt Interpharma-Geschäftsführer René Buholzer (57) dazu. «Eine moderne Gesundheitspolitik sollte Innovationen deshalb nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Kosten, sondern auch mit Blick auf die Versorgungsqualität beurteilen.»

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