Prämien steigen, Tarife ächzen
Hier drückt der Schuh im Schweizer Gesundheitssystem

Den Versicherern geht es gut, doch die Krankenkassenprämien steigen auch nächstes Jahr weiter: Der Bund erwartet einen Anstieg um die fünf Prozent. Zugleich sorgen besonders auch die neuen Tarife für Kopfzerbrechen.
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Die Krankenkassenprämien werden laut BAG-Prognose auch 2027 um rund fünf Prozent ansteigen.
Foto: CHRISTIAN BEUTLER

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ab 2027 steigen Krankenkassenprämien voraussichtlich um weitere fünf Prozent
  • Neues Tarifsystem Tardoc führt zu Fehlanreizen bei ärztlichen Abrechnungen
  • Medikamentenpreise könnten wegen USA um bis zu 100 Prozent steigen, Kosten plus 5 Milliarden Franken
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Ändern wird sich das kaum mehr: Die Prämien werden auch in den nächsten Jahren weiter steigen. 2027 rechnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erneut mit um die fünf Prozent, die die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler durchschnittlich tiefer in die Tasche greifen müssten. Immerhin: Ohne die Massnahmen zur Kostendämpfung und die ausnahmsweise guten Jahresabschlüsse der Krankenversicherer hätte es noch deutlich mehr sein können. Trotzdem stecken der Bund und die Tarifpartner im Schweizer Gesundheitssystem in zahlreichen Baustellen.

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Die Reserven gehen wieder hoch, aber ...

Endlich wieder Gewinn: Nach vier Negativjahren in Serie haben die Krankenversicherer im letzten Jahr immerhin wieder einen leichten Gewinn vorzuweisen. Zusammen mit den guten Kapitalerträgen sorgt dies dafür, dass die Reserven auch erstmals seit 2020 wieder gestiegen sind. Heisst: Ein Teil der Kostensteigerung im aktuellen Jahr kann dadurch abgefedert werden.

Noch will das BAG aber nicht verschreien, wie stark sich die Gesundheitskosten dieses Jahr tatsächlich vergrössern. Zwar rechnen die Versicherer erneut mit einem Wachstum von rund fünf Prozent. Im ersten Quartal des Jahres nahmen die Kosten aber erst um 2,9 Prozent zu.

Ein Signal auf Besserung? Mitnichten, betonte der stellvertretende BAG-Direktor Kristian Schneider vor den Medien: Das vorläufig tiefe Kostenwachstum habe vor allem damit zu tun, dass im neuen Tarifsystem Tardoc noch viele Abrechnungen verzögert eingereicht werden. Deshalb verzichte das BAG aktuell auch auf eine Gesamtjahresprognose.

Gleichzeitig sagt Vize-Direktor Schneider: Die Prämienexplosion wäre ohne Kostendämpfungsmassnahmen deutlich schlimmer. «Es ist ein Dauerbusiness», so Schneider vor den Medien. Auch in den kommenden Jahren wollen Bund und Tarifpartner handeln – etwa durch eine regelmässige Überprüfung der Leistungen und Tarife oder effizientere Schnittstellen. So sollen etwa mit dem im letzten Jahr verabschiedeten Massnahmenpapier ab 2026 jährlich rund 303 Millionen Franken eingespart werden.

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Das neue Tarifsystem verlockt zum Abzocken

Die Tarife scheinen dem Bund aktuell sowieso etwas Kopfschmerzen zu bereiten. Seit dem 1. Januar gilt nämlich die neue Tarifstruktur Tardoc und sogenannte ambulante Pauschalen. Ende letzten Jahres probten die Schweizer Chirurginnen und Chirurgen bereits den Aufstand: Das neue Modell mit den Pauschalen führe bei zahlreichen Behandlungskategorien zu Fehlanreizen.

Und tatsächlich spricht mittlerweile auch das BAG von sogenannten «Fehlanwendungen in gewissen Bereichen». Damit eigentlich gemeint: Gewisse Ärztinnen und Ärzte führen ihre Behandlungen nun so aus, dass sie mehr Pauschalen abrechnen können, als eigentlich vorgesehen wären – etwa durch eine Aufteilung auf mehrere Tage. In welchen Fachbereichen dies besonders ein Problem ist, will das BAG jedoch nicht sagen. Die Problemzonen seien jedoch «bereits vorgängig in den Medien zu lesen gewesen», gibt Sandra Schneider, beim BAG Leiterin der Abteilung Tarife, auf Nachfrage preis. Bis 2027 sollten erste Korrekturen folgen.

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Der Kleinkram kostet immer mehr

Psychotherapie, Ernährungsberatung, Podologie oder die Spitex sind bei weitem nicht die grössten Kostentreiber – wachsen aber aktuell am schnellsten. Besonders bei der Alterspflege geht es rasant nach oben. Alleine 2025 stiegen ihre Kosten um 13 Prozent – Spitzenwert. Auch im ersten Quartal 2026 geht es im Gleichschritt weiter. Einer der Hauptgründe: die Angehörigenpflege. «Wir nehmen das Problem ernst», stellt Vize-Direktor Schneider klar. «Wir haben begriffen, dass es hier gewisse Businessmodelle gibt, die nicht im ‹Sinne des Erfinders› sind.» Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass das BAG mittlerweile in der Thematik besonders aus dem Parlament einige Aufträge fassen musste.

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Donald Trump sorgt für Schnappatmungen

Aus dem Parlament kommt auch der Auftrag eines Kostenfolgemodells: Der «Mengenrabatt» für Medikamente ist aktuell in der Vernehmlassung. Gleichzeitig schreit die Pharmaindustrie Zeter und Mordio: Die Preise für patentgeschützte Medikamente müssten hierzulande stattdessen steigen – aufgrund des Drucks aus den USA. Dort will Präsident Donald Trump (79) nämlich die Pharma dazu verpflichten, die Preise auf ein europäisches Niveau zu drücken.

Trifft dies ein, müssten die Prämienzahlenden wohl hierzulande deutlich mehr berappen, damit die Wirkstoffe auch weiterhin in der Schweiz angeboten würden. Eine Medi-Preissteigerung um 100 Prozent würde die Schweizer Gesundheitskosten laut dem Bund etwa um rund fünf Milliarden Franken höher treiben

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