Darum gehts
- Der FC Thun benennt sein Stadion nach dem Sponsor Visana um
- Thunerin empört, dass sie keine Reha bezahlt bekommt, während Visana Millionen für Sponsoring ausgibt
- Nationalrat stimmt Vorstoss gegen Krankenkassen-Sponsoring zu, Ständerat entscheidet noch
Margrit S.* (74) hat sich zwar gefreut, als der FC Thun Schweizer Meister wurde. Als sie allerdings durch einen Blick-Artikel von vergangener Woche erfahren hat, dass der Versicherungskonzern Visana Hauptsponsor des Fussballklubs ist, verflog die Begeisterung schnell.
Kürzlich wurde ausserdem bekannt, dass die Stockhorn-Arena in Thun künftig Visana-Stadion heissen wird. «Damit vertiefen der Berner Oberländer Traditionsklub und der Berner Allbranchenversicherer ihre seit zwei Jahren bestehende Stadionpartnerschaft», schreibt der FC Thun. Der Fussballklub profitiert dabei von guten Konditionen.
Für Margrit S., die selbst aus Thun ist, ist das Sponsoring eine «bodenlose Frechheit». «Den einen wirft man Geld hinterher, obwohl sie normalerweise kaum Erfolge feiern – die anderen erhalten kein Geld für die Reha», sagt sie zu Blick. S. weiss, wovon sie spricht. Innerhalb von nur drei Monaten musste sie sich beide Knie operieren lassen. Die stationäre Reha sei ihr danach allerdings verweigert worden – man habe ihr mitgeteilt, dass die Kosten dafür erst bei Patienten und Patientinnen ab 75 Jahren übernommen würden.
«Man buttert Millionen in den Sport, während die Prämien ständig steigen», kritisiert Schmid. «Das ist den Versicherten gegenüber respektlos.»
Anders sieht es der Versicherer. Bei der Übernahme von Rehabilitationsleistungen bestehe keine fixe Altersgrenze, hält Visana auf Anfrage von Blick fest. «Eine Ablehnung erfolgt nie aufgrund des Alters, sondern ausschliesslich anhand medizinischer Kriterien. Zentral ist dabei die Spitalbedürftigkeit: Ist diese nicht ausgewiesen, besteht kein Anspruch auf stationäre Rehabilitation im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung.» Und weiter: «Da wir die betroffene Person anhand der vorliegenden Anfrage nicht identifizieren können, laden wir sie herzlich ein, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen – wir nehmen uns gerne Zeit, den Fall gemeinsam anzuschauen.»
Lega-Quadri will Sponsoring stoppen
Margrit S. unterstützt deshalb den Vorstoss des Tessiner Nationalrats Lorenzo Quadri (51, Lega). Quadri fordert, dass «Krankenkassen keine grossen Sportklubs mit millionenschweren Budgets sponsern dürfen». Dies begründet er damit, dass die Menschen bei steigenden Krankenkassenprämien solche Investitionen nicht verstehen würden.
Der Nationalrat hat dem Vorstoss während der vergangenen Sondersession zugestimmt. Als Nächstes ist der Ständerat an der Reihe.
Ein Verbot fände die Visana nicht richtig. Die Versicherung betont: «Sponsoringengagements haben keinen Einfluss auf die Prämien» in der Grundversicherung. Die Prämien der obligatorischen Krankenversicherung seien gesetzlich zweckgebunden «und fliessen ausschliesslich in Versicherungsleistungen.» Die Kostentreiber lägen anderswo. Visana erziele «einen beträchtlichen Teil ihrer Wertschöpfung ausserhalb der obligatorischen Krankenpflegeversicherung».
* Name geändert