Darum gehts
- Ab Juli bezahlen die Krankenkassen Onlinebehandlungen gegen Depressionen
- Für die Kostenübernahme braucht es die Verschreibung einer Fachperson
- Seit 2017 zahlen Kassen für digitale Therapien, z. B. bei Schlafstörungen
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat ein Onlineprogramm zugelassen, das bei leichten und mittelschweren Depressionen helfen soll. Ab Juli werden die Kosten für ein Tool zur digitalen Selbstbehandlung von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen, wie BAG-Sprecherin Stéphanie Germanier Informationen von Blick bestätigt.
Das Produkt könne als Überbrückung bis zum Beginn einer herkömmlichen Psychotherapie oder ergänzend dazu eingesetzt werden, sagt Germanier. Damit die Krankenkasse bezahlt, «muss eine Fachärztin oder ein Facharzt diese Anwendung verschreiben».
Germanier betont: Für schwere depressive Störungen bleibe die persönliche Therapie zentral. Die Wirksamkeit des Onlineprogramms sei in Studien nachgewiesen worden. Zahlreiche Anbieter bieten digitale Produkte an, und als erste psychotherapeutische Anwendung steht ab Juli das Tool gegen Depressionen auf der Liste der kostenpflichtigen Leistungen. Die Qualität der Programme sei sehr unterschiedlich, hält Germanier fest.
Bereits seit 2017 bezahlen die Krankenkassen digitale Behandlungen von Schlafstörungen und seit zwei Jahren ein Telemedizinprogramm gegen Herzschwäche. Das BAG unterhält ein Programm zur digitalen Förderung im Gesundheitswesen. Damit soll dessen Effizienz gesteigert werden.
Wirkungsvolle Programme
Erich Seifritz, Direktor Erwachsenenpsychiatrie an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, sieht digitale Tools als wertvolle Unterstützung in der Behandlung. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass Onlineprogramme wirkungsvoll sein könnten. «Bei einigen psychischen Leiden sind sie hilfreich und tragen dazu bei, den Mangel an Fachkräften zu dämpfen», sagt Seifritz. Dank Onlinetherapien sei zum Beispiel nur noch bei jeder fünften oder zehnten Sitzung ein persönlicher Kontakt nötig.
Tiefgreifende Veränderungen
«Die digitalen Angebote und der Einsatz von künstlicher Intelligenz müssen gut erforscht werden, denn nicht alle sind tauglich», warnt Seifritz. In Deutschland etwa seien einige Tools wieder von der Liste der bezahlten Behandlungen genommen worden, nachdem sie bereits zugelassen worden waren.
Doch das ändere nichts daran, dass «Onlinetherapien und künstliche Intelligenz die Psychiatrie künftig wesentlich umgestalten werden».