Darum gehts
- Mindestfranchise soll von 300 auf 400 Franken steigen, Vernehmlassung abgeschlossen
- Letzte Erhöhung auf 300 Franken war 2004
- Schwellenwert für Kostenbeteiligung bei 13,5 Prozent der Bruttoleistungen festgelegt
Wer viel zum Arzt muss, profitiert davon: Die 300-Franken-Franchise sorgt dafür, dass sich die Gesundheitskosten für diese Person tendenziell in Grenzen halten. Doch bald könnte sich das ändern. National- und Ständerat wollen die Mindestfranchise auf 400 Franken erhöhen. Nun hat die Vernehmlassung dazu geendet. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was soll sich ändern?
Die Mindestfranchise soll von heute 300 auf 400 Franken steigen. Das ist jene Summe, welche Patienten selber tragen müssen, bevor sich die Krankenkasse beteiligt.
Das ist nur ein erster Schritt. Das neue Gesetz sieht einen Mechanismus vor, bei dem eine Franchisenerhöhung veranlasst wird, sobald die Kostenbeteiligung der Versicherten (Franchise, Selbstbehalt und Spitalkosten) unter einem bestimmten Schwellenwert liegt. Dieser Schwellenwert wurde schweizweit auf 13,5 Prozent der Bruttoleistungen zulasten der obligatorischen Grundversicherung gesetzt.
Was ist die Franchise?
Jeder Erwachsene muss im Jahr einen fixen Teil seiner Arztkosten selbst zahlen. Das ist die Franchise. Wie hoch diese ist, wählt jeder selbst aus beim Abschluss seiner Krankenversicherung. Dabei gilt: Je höher die gewählte Franchise, desto niedriger die Monatsprämie der Krankenkasse.
Die Mindestfranchise beträgt momentan 300 Franken pro Jahr, die Maximalfranchise 2500 Franken. Wer eine 300-Franken-Franchise wählt, muss die ersten 300 Franken seiner Behandlungskosten selbst zahlen. Wählt man die Maximalfranchise, muss man die ersten 2500 Franken selber zahlen.
Was bedeutet der Selbstbehalt?
Wenn die gewählte Franchise «aufgebraucht» ist, übernimmt die Krankenkasse die Rechnung. Allerdings nur zu 90 Prozent. Die restlichen zehn Prozent muss der Versicherte ebenfalls zahlen. Das ist der Selbstbehalt. Auch der ist gegen oben begrenzt, für Erwachsene etwa bei 700 Franken pro Jahr, für Kinder ist es die Hälfte. Danach übernimmt die Kasse alle Kosten zu 100 Prozent.
Wer ist von der Erhöhung betroffen?
Die Zahlen zeigen: je älter, desto grösser der Anteil derjenigen mit Mindestfranchise. Haben knapp die Hälfte der 61- bis 65-Jährigen die 300-Franken-Franchise gewählt, sind es in den Altersklassen darüber sogar (weit) über die Hälfte. Aber auch bei den Jüngeren ist die Mindestfranchise beliebt.
Die Mindestfranchise nützt tendenziell Leuten, die öfters krank sind und zum Arzt gehen. Sie bezahlen so zwar höhere Prämien, aber dafür für den einzelnen Besuch weniger.
Wie sind die Reaktionen der Parteien?
Auf der linken Seite gibt es viel Kritik. Die SP lehnt die Änderung ab: «Ein zusätzliches Überwälzen der Kosten im Gesundheitswesen auf die Prämienzahlenden lehnen wir generell ab. Die direkte Kostenbeteiligung ist in der Schweiz bereits heute überdurchschnittlich hoch.» Wenn Krankheiten zu spät diagnostiziert werden, könne es zu Folgekosten führen. Die Grünen sprechen von einem «unsozialen und gefährlichen» Gesetzesentwurf. «Die Erhöhung der ordentlichen Franchise benachteiligt in erster Linie die schwächsten Bevölkerungsgruppen.»
Die Mitte-Partei unterstützt eine «moderate» Anpassung. Sie fragt aber, «ob es nicht sinnvoller wäre, zunächst die Auswirkungen der vorgesehenen Erhöhung der Mindestfranchise auf 400 Franken pro Jahr abzuwarten, bevor ein automatischer Anpassungsmechanismus greift.»
Auch die FDP begrüsst die Anpassung. «Die vorgeschlagene Regelung stärkt die Eigenverantwortung der Versicherten», heisst es dort. Ähnlich tönt es bei der SVP. Die Eigenverantwortung der Versicherten sei zentral. Die Partei will noch weiter gehen und die Erhöhung der Mindestfranchise an das Wachstum der Gesundheitskosten pro Kopf koppeln.
Welche Franchisen sind sinnvoll?
Die meisten werden entweder die höchste oder die tiefste Franchise wählen. Das ist sinnvoll. Wer nur selten zur Ärztin muss und ein finanzielles Polster hat, für den ist eine Franchise von 2500 Franken – dem Maximum – in der Regel am günstigsten.
Wann wurde die Franchise zum letzten Mal erhöht?
Die letzte Erhöhung von 230 auf 300 Franken geht auf 2004 zurück. Ganz zu Beginn betrug die tiefste Franchise 150 Franken.