Darum gehts
- Brendan Lemieux zeigt beeindruckende Entwicklung unter HCD-Trainer Josh Holden
- Lemieux investierte viel Arbeit, wurde vom Ersatzspieler zum Leistungsträger
- Holden auch im Final vor Qual der Wahl: Welche Ausländer spielen?
Das übergeordnete Ziel von HCD-Trainer Josh Holden ist, «dass Spieler, die Davos verlassen, mit dem Gedanken gehen, sich hier verbessert und von mir als Coach etwas gelernt zu haben». Das wird Brendan Lemieux eines Tages bestimmt. Denn der US-Stürmer hat unter Holden die wohl erstaunlichste Wandlung vollzogen, die einem Spieler in der National League je gelungen ist.
Vom Rüpel zum Joker zum echten Mehrwert. Lemieux’ Sicht dieser Story ist bekannt. Doch wie hat Trainer Holden die Veränderung seines Schützlings erlebt? Wie hat er es geschafft, dass sich der Ersatz-Söldner zu einem Leistungsträger entwickelt hat, den man nicht mehr nur dann einsetzt, wenn einer der ausländischen Berufskollegen verletzt ausfällt?
Holden überlegt. Denn der 48-Jährige möchte nicht als treibende Kraft dahinter wahrgenommen werden – die sei Lemieux selbst gewesen.
Lemieux wurde vorgewarnt
Doch dann erzählt der Kanada-Schweizer vom ersten Gespräch mit dem Ex-NHL-Spieler (Carolina, Philadelphia, Los Angeles, New York und Winnipeg), noch bevor ihn der HCD mit einem Vertrag bis 2027 ausstattet. «Ich gebe dem potenziell künftigen HCD-Spieler da jeweils eine klare Checkliste mit den Erwartungen von uns an ihn. Und umgekehrt genau so, was er in die Mannschaft und aufs Eis bringen möchte», so Holden. So bestehe etwas, worauf man immer wieder zurückkommen könne bei Standortbestimmungen. Details bleiben jedoch zwischen ihnen. Aber defensive Verantwortung könnte ein Punkt gewesen sein.
Zu Beginn seines Engagements in Davos streicht Lemieux selbst den physischen und robusten Aspekt seines Spiels als Stärke heraus. Und erwähnt am Rande, dass ihn sein Vater und Agent, Ex-NHL-Star Claude Lemieux (60), aber vorgewarnt habe, das Niveau und die Anforderungen der National League nicht zu unterschätzen. Das tut der 30-Jährige zwar nicht bewusst, gesteht sich aber nach den blamablen vier Monaten der Saison 2024/25 ein, dass er unbedingt etwas ändern muss. Mit seiner Eindimensionalität als Rumpler und Provokateur bringt er dem Team zu wenig. Er merkt zudem, dass es ihm nicht den aus der NHL gewohnten Respekt einbringt.
Kein zweiter Stranski oder Tambellini
Lemieux’ Wandel ist ein Prozess, «in den er viel Arbeit und viele Extraschichten gesteckt hat», so Holden, der betont: «Das zu schaffen, ist aber nicht das härteste, sondern dann auf diesem Level bleiben zu können.» Lemieux ist es gelungen, sich zu einem wertvollen, weil kompletteren Spieler mit Einfluss aufs Geschehen zu machen, «der uns Trainer vor die herausfordernde Entscheidung stellt und es uns schwer macht, ihn pausieren zu lassen», gesteht Holden.
Der Trainer glaubt stets an Lemieux. Er gab der Frohnatur jedoch immer mit auf den Weg, dass er kein zweiter Stransky oder Tambellini werden, sondern seine eigene neue Identität finden müsse. Weil er das hat, steht HCD-Coach Holden am Samstag erneut vor der Qual der Wahl, welchen seiner sieben Top-Ausländer er fürs erste Final-Spiel gegen Fribourg auf der Tribüne lässt.

