Ex-NHL-Spieler hat sein Hockey angepasst
Vom Deppen zum Helden – die Wandlung von HCD-Lemieux

Brendan Lemieux schoss den HCD in den ersten Playoff-Final seit 2015. Vor einem Jahr wurde der US-Stürmer noch belächelt. Doch dann krempelte der Ex-NHL-Spieler sein Hockey um.
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US-Stürmer Brendan Lemieux hat sich mittlerweile in die Fan-Herzen gespielt.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Brendan Lemieux hat sich nach holprigem Start in die Fanherzen gespielt
  • Der Ex-NHL-Spieler passte seinen Stil den Anforderungen der National League an
  • Der US-Stürmer schoss den HCD in den ersten Playoff-Final seit 2015
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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Die Geschichte von Brendan Lemieux ist die der Auferstehung eines Spielers, der er so noch gar nie gewesen ist – trotz NHL- und Draft-Historie. Das erste Kapitel wird im Dezember 2024 geschrieben, als der HCD den US-Stürmer verpflichtet und gleich mit einem Vertrag bis 2027 ausstattet. Der Ruf, mit dem sich der 30-Jährige in der NHL (Carolina, Philadelphia, Los Angeles, New York und Winnipeg) etabliert hat, eilt ihm voraus: Bösewicht, Provokateur, Raubein, Prügler, Handbeisser.

Na gut, der sorgt wenigstens für etwas Rumpel-Spektakel auf Schweizer Eis, denkt man da. Holprig ist aber nur Lemieux’ Start im Bündnerland. Er wird belächelt, weil er weder für physische Kracher sorgt noch tempomässig mithalten kann oder Tore liefert. Rasch einmal löst er im Klub-Umfeld und bei den Sponsoren seinen Trainer Josh Holden als Zielscheibe für Kritik (der ständigen Nörgler) ab. Die Meinungen sind gemacht, nachdem Lemieux die Saison 2024/25 ohne Torerfolg und mit nur einem Assist in den Playoffs beendet hat. Und dies erst noch unrühmlich im Halbfinal gegen Zürich, nachdem er für einen unbeabsichtigten Faustschlag gegen das Kinn von Linesman Dominik Altmann für vier Spiele gesperrt wird – der Super-GAU. Er wird abgestempelt als Fehleinkauf.

Doch was all die Skeptiker nicht bedacht haben: Lemieux liebt das Eishockey so sehr, dass er es sich zur Aufgabe macht, seinen Stil komplett anzupassen, um den Anforderungen unserer National League gerecht zu werden. Er verändert als Erstes das Sommertraining, für das er mit seiner Familie in Davos bleibt. Seine grosse Liebe Brooke (36) ist damit einverstanden, auch weil im Frühjahr 2025 Söhnchen Luc zur Welt gekommen ist und von seinen Eltern viel fordert.

Der 100-Kilo-Brocken verliert Gewicht zugunsten seiner Schnelligkeit auf dem Eis, «mein Körper war aufgebaut für zehn Minuten Eiszeit pro Match und kurze Shifts», sagt er Anfang Jahr zu Blick . Hierzulande fehlen ihm während der Regular Season im Vergleich zur NHL die zusätzlichen zwei- bis dreiminütigen Verschnaufpausen. Er muss sein Timing aufgrund der grösseren Eisfläche neu justieren und sich daran gewöhnen, dass er mehr Zeit und Platz hat, was sich vor allem beim Eintritt in die gegnerische Zone und im Puckbesitz bemerkbar macht. Lemieux tut all dies, weil er für den HCD jener Spieler sein möchte, der auf dem Weg zum angepeilten 32. Meistertitel einer der X-Faktoren ist.

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In die Herzen der Fans spielt er sich am Spengler Cup, weil dort seine harte Arbeit vor dem gegnerischen Kasten seinen Teamkollegen das Toreschiessen erleichtert. Und so langsam werden Lemieux’ Qualitäten auch ausserhalb erkannt und geschätzt. Er spielt auf Augenhöhe mit: In 29 Partien der Regular Season schraubt er seine Ausbeute auf 13 Tore und acht Assists hoch, in sechs Playoff-Duellen liefert er vier Zuspiele und schiesst drei Tore. Das Wichtigste am Sonntag in der Verlängerung: Mit dem 2:1 sichert er seinem Team den ersten Finaleinzug seit elf Jahren – gegen Meister ZSC als Superheld.

Trotz seiner Wandlung als Spieler hat es Lemieux geschafft, mit seiner unberechenbaren Seite in den Köpfen mancher Gegner zu bleiben. So sagt ZSC-Verteidiger Christian Marti (33) – mit 1,90 m und 97 Kilo auch kein Schwächling – nach Spiel drei in Davos, dass man «bei ihm nie weiss, ob man dann irgendwann noch eine Faust im Gesicht hat. Angenehm ist das nicht.»

Und so steuerte das zweite Kapitel der Lemieux-Geschichte auf ein Märchen mit Happy End zu. Denn eines ist sicher: Genug hat dieser Teufelskerl mit Spass und Liebe zum Hockey noch lange nicht.

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