Darum gehts
- Lakers-Star Kevin Labanc spielte neun Saisons in der NHL
- Labancs Eltern emigrierten 1994 mit 1000 Dollar von der Slowakei nach Brooklyn
- Der US-Stürmer hat keinen üblichen Werdegang hinter sich
Einige Spieler sind mit göttlichem Talent gesegnet und konnten sich bei ihrem Aufstieg zum Hockey-Star darauf verlassen. Andere dafür auf ihren unbändigen Willen zählen, der sie ans gleiche Ziel gebracht hat. Zu ihnen gehört Kevin Labanc: US-Stürmer, 30-jährig, neun NHL-Saisons (San Jose, Columbus) auf dem Buckel.
Labancs Weg ist kein leichter gewesen – wie auch jener seiner Eltern nicht. Ein Jahr nach der Auflösung der Tschechoslowakei wandern Milan und Anika 1994 aus der Slowakei nach Brooklyn, New York, aus. «Mit nur einem Koffer und 1000 Dollar in der Tasche», beginnt der neue Lakers-Star seine Familiengeschichte. Sein Vater sei Spieler gewesen beim HK Spisska Nova Ves, «doch die Löhne wurden kaum mehr bezahlt». So sieht er keinen anderen Ausweg. In den USA arbeitet er im Baugewerbe seines Bruders.
Kurz nach der Geburt Kevins 1995 ziehen die Eltern mit ihm und seiner älteren Schwester nach Staten Island. Die Insel vor Manhattan ist bekannt für ihre Arbeiterkultur. Jahre später wird der Hockey-Profi sagen, dass genau sie es gewesen ist, die ihn in seiner Karriere geprägt hat. Nebst seinem Vater. «Von ihm lernte ich viel.» Er ist sein erster Trainer, bringt ihm das Schlittschuhlaufen, Stickhandling und Schiessen bei. Vor allem aber die europäische Denk- und Spielweise. «Ost-West statt einfach Nord-Süd», wie es im Fachjargon heisse. Etwas unspektakulär zwar, aber verlässlich.
Vielleicht ist Labanc als Junior der New Jersey Rockets deshalb erst als 14-Jähriger aufgefallen. «An einem Turnier spielte ich so gut, dass Scouts auf mich aufmerksam wurden und mich im US-Hockey-Förderprogramm wollten.» Das USA Hockey National Team Development Program nimmt Talente unter 18 Jahren auf. Labanc erkämpft sich den letzten Platz. «Es war nicht immer einfach. Ich musste rasch erwachsen werden. Mit 14 zog ich von zu Hause weg, spielte oft gegen ältere Jungs.» Doch seit er den Stock habe halten können, sei die NHL sein Ziel gewesen. Diese Jahre haben ihn mental darauf vorbereitet.
Zittern beim Draft
2014 sitzt er im Publikum beim Draft in Philadelphia. «Meine Eltern hatten mir extra einen schönen Anzug dafür gekauft. Ich war so aufgeregt.» Runde um Runde vergeht. «Irgendwann habe ich innerlich gefleht, dass endlich jemand meinen Namen sagt.» 170 sind es vor ihm – dann ziehen ihn die San Jose Sharks in der sechsten Runde an 171. Stelle. Sein Traum erfüllt sich, doch der Stürmer spielt noch zwei Saisons in der kanadischen Junioren-Liga OHL bei den Barrie Colts.
Dort explodieren seine Skorerwerte: Er scheffelt 113 Punkte (33 Tore) in 77 Spielen in der Saison 2014/15, im Folgejahr sind es 153 (!) (45 Tore) in 80 Partien. Am 8. November 2016 feiert Labanc sein NHL-Debüt, im fünften NHL-Match seiner Karriere schiesst er nach dem Zuspiel eines gewissen Joe Thornton (47) seinen ersten Treffer.
Acht Jahre bleibt er bei den Sharks, sie sind geprägt von Licht und Schatten. «Die NHL verlangt viel ab vom Körper.» Nach seiner punktemässig stärksten Saison 2018/19 mit 65 Zählern in 102 Spielen fallen seine Werte drastisch, er gerät in die Kritik. Verletzungen an Schultern und Leisten machen Operationen nötig. Die Sommerpausen gehen für die Reha drauf statt fürs Aufbautraining. 2024 will San Jose mit ihm nicht verlängern. Zwei Tryouts bei den New Jersey Devils scheitern, der 30-Jährige findet einen Platz bei Columbus. Darauf folgt eine Saison in der KHL bei den Shanghai Dragons, die ihre Basis in St. Petersburg haben.
Und nun also Rappi. Von der russischen Metropole in den Vorort Wagen SG mit rund 1000 Einwohnern. Ein Kulturschock – im positiven Sinne. Labanc und seine Frau Kelly – die Tochter seiner damaligen Gastfamilie in Barrie – fühlen sich wohl. Der humorvolle Zuzug der Lakers spielt täglich draussen auf dem Fussballplatz mit seinen Kids Eric (3) und Lara (1). Hier kommt er zur Ruhe. «Meine Eltern sind so stolz darauf, was ich schon alles erreicht habe. Aber meine Hockey-Reise ist noch lange nicht zu Ende. Ich bin in meinen besten Jahren.»

