Connor Hughes (29) brauchte in diesem Sommer viel Geduld, bis sein Wechsel von Lausanne zum SC Bern über die Bühne ging. «Es hat ein paar Monate gedauert – ein paar Monate länger, als mir lieb war», sagt der Keeper.
Dabei habe er vorgehabt, seinen Vertrag bei Lausanne, der bis 2031 lief, zu erfüllen und mit Kevin Pasche (23) um den Platz im Tor zu kämpfen. Doch die sportliche Führung des SCB mit Sportdirektor Martin Plüss und dem neuen Chief Hockey Officer Pascal Signer liess nicht locker und konnte ihn von einem Wechsel überzeugen. «Ich glaube, nach dem dritten Gespräch fing ich an, mich wirklich mehr dafür zu interessieren. Mir gefiel, was sie zu sagen hatten. Ich hatte das Gefühl, dass sie mich hier haben wollten. Ich möchte Teil eines Projekts sein, das mich will.»
Die gleiche Wertschätzung hatte er von Lausanner Seite nicht mehr gespürt. Die Waadtländer schnappten nur zu gerne zu, als sich ihnen die Gelegenheit bot, Hughes für Nati-Verteidiger Romain Loeffel (35) einzutauschen. Schliesslich hatten sie mit Pasche, der in den Playoffs den Vorzug erhalten hatte, bereits einen ausgezeichneten Keeper mit eben erst verlängertem Vertrag bis 2030.
Grossvater wanderte nach Kanada aus
Hughes hat eine Tellerwäscherkarriere in der Schweiz hingelegt. Sein Grossvater mütterlicherseits namens Helfenstein war von Luzern nach England und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Kanada ausgewandert, wo er eine Farm bewirtschaftete. In Kanada aufgewachsen, war Hughes gar nicht bewusst gewesen, dass ihm sein Schweizer Pass die Tür zum Profi-Eishockey öffnen könnte.
Er stand nur in unterklassigen kanadischen Junioren-Ligen im Tor. Doch sein Bruder Aidan (27) spielte auf höchster Junioren-Stufe und galt als Draft-Kandidat. «Es ist lustig: Der damalige Goalie-Trainer von Ambri Michael Lawrence versuchte meinen Bruder dazu zu bewegen, im Sommer zu seinem Camp zu kommen.» Im Gespräch mit ihm habe seine Mutter gesagt: «Meine Kinder haben beide auch den Schweizer Pass. Es ist ja lustig, dass du in der Schweiz bist.» Lawrence wurde sofort hellhörig. «Wir sind dann zu seinem Camp gefahren», erinnert sich Hughes. «Und weil ich damals schon volljährig war, flog ich dann für ein Probetraining in die Schweiz. Der Rest ist Geschichte.»
Ambri nahm ihn 2017 unter Vertrag und schickte ihn in die Swiss League zu den Ticino Rockets. Zwei Jahre spielte Hughes in Biasca. Siege waren selten, und in jedem Spiel wurde er mit zahlreichen Schüssen eingedeckt. Es war eine harte Schule und mental sehr anspruchsvoll. Doch nicht nur Lawrence, sondern auch der Trainer der Rockets glaubte an den Schweiz-Kanadier. Sein Name? Jan Cadieux, der später Servette zum Meistertitel und zum Sieg in der Champions League führte und seit April Nati-Coach ist.
Hughes wechselte für ein Jahr zu Langenthal und wurde danach die Nummer 2 bei Fribourg. In seiner zweiten Saison verletzte sich Stammkeeper Reto Berra. Hughes bekam seine Chance – und packte mit beiden Händen zu. Er spielte so gut, dass er gar den Sprung in die Nati schaffte und einen Vertrag bei Lausanne erhielt. Auch bei den Waadtländern überzeugte der 1,93-Meter-Mann. 2024 führte er das Team mit starken Leistungen bis ins Spiel 7 des Playoff-Finals gegen die ZSC Lions, was auch den NHL-Scouts nicht entging: Hughes bekam einen Vertrag bei den Montréal Canadiens. Er spielte in der AHL bei Laval Rocket, trotz ansprechenden Leistungen reichte es aber nicht zum Sprung in die NHL, und er kehrte vor einem Jahr nach Lausanne zurück.
Seit Genonis Abgang 2019 hatte der SCB ein Goalie-Problem
Jetzt ist Hughes beim SCB und soll die Lösung für das Goalie-Problem sein, das seit dem Abgang von Leonardo Genoni und dem letzten Meistertitel 2019 bestand.
In den letzten drei Jahren hatte der SCB mit Adam Reideborn auf einen Ausländer im Tor gesetzt. Die Leistungen des Schweden waren nicht schlecht, aber auch nicht so überragend, dass sie den Verzicht auf einen sechsten ausländischen Feldspieler rechtfertigen konnten. Deshalb bemühten sich Plüss und Signer so intensiv um die Dienste von Hughes und waren bereit, Loeffel für ihn ziehen zu lassen.
Löst ein Schweizer Goalie die Probleme des SCB? «Ich denke, es ist ein grosser Vorteil, wenn man keine Ausländer-Lizenz für die Goalie-Position braucht», sagt Hughes. «Als die Ausländer-Zahl von vier auf sechs erhöht wurde, gab es viele Teams, die dachten, sie könnten davon profitieren, indem sie einen Import-Keeper verpflichteten. Dann hat sich der Trend immer mehr wieder dahin entwickelt, Schweizer Torhüter zu haben, weil die Teams den Vorteil erkennen, sechs ausländische Feldspieler zu haben.» In der kommenden Saison setzen nur die ZSC Lions mit Simon Hrubec und Biel mit Harri Säteri auf ausländische Keeper.
Auch wenn Hughes betont, dass er sich seinen Platz im Tor erst verdienen müsse und der SCB mit Christof von Burg (25) und Sandro Zurkirchen (36) zwei weitere gute Goalies habe, ist er erstmals in seiner Karriere in der Position, dass von ihm erwartet wird, dass er als Nummer 1 die Lösung für die Probleme ist. Hält er dem Druck stand? Hughes hat schon viel erlebt, und die harten Zeiten in Biasca haben ihn gestählt.








