Der Sommer der 14 National-League-Klubs
SCB-Umbau mit der Abrissbirne, Chaos-Tage in Zug

In etwas mehr als drei Wochen beginnt am 15. September die neue Eishockey-Saison. Die 14 NL-Klubs waren nicht im Sommer-Schlaf. Ein Überblick über die Aktivitäten, seit Fribourg seinen ersten Meistertitel feierte.
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Fribourg: Rönnberg muss neue Stars backen

Die Dernière von Captain Sprunger (Rücktritt) und Goalie Berra (zu Kloten) hätte nicht emotionaler und schöner sein können. Und Wallmark (zu Björklöven) verabschiedete sich als Meisterschütze. Dafür verpflichtete Zenhäusern mit dem Kanadier Anthony Richard einen pfeilschnellen Stürmer aus der AHL. Davor hatte er schon die Transfers von Goalie Waeber (Kloten) und Taibel (Rappi) eingetütet. Den Verlust von Nati-Stürmer Biasca, der nach einer starken Saison bei den Boston Bruins anheuerte, muss Rönnberg wohl intern abfedern. Doch das ist sich Meistermacher aus seiner Zeit bei Frölunda gewöhnt.

Roger Rönnberg.
Foto: PIUS KOLLER

Davos: Mit Jäger auf die neue Jagd

Zwei Meister-Pucks konnte der HCD im Frühling nicht nutzen, am Ende zog Fribourg der Mission 32 in der Verlängerung des siebten Finalspiels den Stecker. Nun unternimmt der Rekordmeister nach einem mittleren Umbruch einen neuen Anlauf. Nicht mehr dabei sind mit Stransky (Pardubice), Dahlbeck (Malmö), Fora (Lausanne) und Knak (ZSC) vier Schlüsselfiguren und mit Barandun (Bern), Chris Egli und Gredig (beide Zug) drei weitere Spieler, deren Abgänge nicht zu unterschätzen sind. Zu den neuen Anführern gehören die zurückgekehrten Nati-Stammkräfte Jäger (Lausanne), Dominik Egli (Frölunda) und Dahlbeck-Nachfolger Frédéric Allard (Lulea). Ein weiterer Ausländer wird noch gesucht. Jäger wurde denn auch sogleich zum neuen Captain erkoren, die Jagd auf den 32. Titel ist damit wortwörtlich eröffnet.

Servette: Gautschi plant schon weit voraus

Gleich drei Spieler, die bei anderen Klubs noch unter Vertrag standen, sind in Genf gelandet: Verteidiger Untersander, der beim SCB aussortiert wurde und den Abgang von Berni (zum ZSC) abfedern soll, Stürmer Nicolas Müller, der die Erwartungen in Biel nicht erfüllen konnte, und Kneubühler, der bereits ab 2027/28 bei Servette unterschrieben hatte. Sportchef Gautschi soll sich auch schon HCD-Stürmer Nussbaumer und Ajoie-Keeper Keller geangelt haben. Vor mehr als einem Jahr hatten sich die Genfer die Dienste des neuen Trainers Sam Hallam gesichert. So wie es Fribourg mit Rönnberg vorgemacht hatte. Vor seinem wenig berauschenden Engagement mit der schwedischen Nati hatte Hallam Växjö zu drei Meistertiteln geführt. 

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Foto: Marc Schumacher/freshfocus

ZSC: Noch mehr Qualität, aber auch Unverständnis

Es herrschen wieder forschere Töne beim entthronten Meister. Der langjährige NHL-Coach Claude Julien hat den geschassten Bayer als Löwendompteur beerbt und soll die ZSC Lions mit klaren Ansagen zurück an die Spitze führen. Zu diesem Zweck wurden mit Rückkehrer Berni und Powerflügel Knak zudem zwei Nati-Stammspieler geholt, die das Qualitätslevel der Mannschaft nochmals nach oben schrauben. Auch Wirbelwind Rohrer hätten die Zürcher gerne behalten und reichten ein ihrer Meinung angemessenes Angebot ein – nach der luxuriösen Offerte des EVZ hissten sie jedoch die weisse Fahne. Einige im Umfeld rümpfen die Nase, weil das zuletzt bei Langnau durchgefallene frühere SCB-Juwel Fahrni unter Vertrag genommen wurde, wenn man doch mit den GCK Lions eine Talentfabrik betreibt.

Claude Julien.
Foto: PIUS KOLLER

Lugano: Ausländer-Upgrade und ungewohnte Ruhe

So ruhig war es im Tessin im Sommer schon lange nicht mehr. Wobei die Stille vom Tod von Klublegende Gaggini (70) überschattet wurde. Gewichtige Transfers hatten die Bianconeri bei den Ausländern frühzeitig getätigt. Verteidiger Lassi Thomson und Stürmer Olle Lycksell kommen aus der Organisation der Ottawa Senators, wo sie vorwiegend in der AHL in Belleville zum Zug kamen. Der flinke Goalgetter Jere Innala schoss Frölunda in der Overtime zum Champions-League-Sieg. Zuletzt holte Sportchef Steinmann mit US-Stürmer Nick Shore (Meister mit Zug 2021, ex Ambri) bis vorderhand Ende Oktober einen siebten Ausländer.

Lausanne: Hinten verstärkt, vorne gerupft

Trotz laufendem Vertrag trennte man sich von Kahun, der nach München zurückkehrte. Ersetzt wurde er durch den langjährigen NHL-Verteidiger Colin Miller von den Winnipeg Jets. Überhaupt wurde in der Abwehr nachgerüstet: Nach Nati-Verteidiger Fora (Davos) sicherte sich Strippenzieher Fust Loeffel im Tausch für Goalie Hughes aus Bern. Von Kloten kaufte er Jung-Keeper Huet aus dem Vertrag. Im Sturm verlor Lausanne nach Jäger (zu Davos) mit Rochette, der sich bei den Detroit Red Wings versucht, einen weiteren Vize-Weltmeister. Der hoffnungsvollste Zuzug im Angriff ist Simic (Kloten). Für 2027/28 hat sich der LHC das Ambri-Duo Miles Müller/Manix Landry gesichert.

SCRJ Lakers: Zuerst fleissig, dann abgewatscht

Sportchef Cadonau war in den Sommermonaten fleissig. Zunächst galt es für ihn, für den neu verpflichteten und dann unerwartet wieder abgesprungenen Sgarbossa einen neuen Ausländer zu suchen. Und dabei zauberte er keinen Geringeren als den früheren NHL-Star Kevin Labanc aus dem Hut, der einst bei San Jose an der Seite von Timo Meier für Furore sorgte. Dann stattete er auch noch das Führungspersonal mit neuen Verträgen aus: Trainer Lundskog bis 2028, Captain Dünner bis 2029. Weniger gut gefallen haben dürften Cadonau die ersten Saisonvorbereitungsspiele, in denen die Lakers heftigst abgewatscht wurden: 1:7 gegen Kloten und 1:8 gegen Zug. Ob sich der dabei noch unauffällige Labanc wohl gefragt hat, wo er da gelandet ist?

Zug: Chaos-Tage und Prestige-Transfer

Erst durfte Sportchef Kläy noch den neuen Trainer Marjamäki – im Tausch ging der entlassene Michael Liniger nach Kloten – verpflichten. Dann wurde er durch den bisherigen Head of Development Ted Suihkonen (USA/Sd) ersetzt. Kläy war mit dem Anliegen des Teams, die Basis vom Leistungszentrum OYM wieder ins Stadion zu verlegen, an die Klubführung gelangt, stiess dabei aber bei EVZ-Boss und OYM-Vater Strebel auf kein Verständnis. Und wurde gefeuert – über den Kopf von CEO Lengwiler hinweg. Dem hatte man nach 30 Jahren im Klub beschieden, dass er 2027 nicht mehr benötigt werde, worauf er sofort seinen Hut nahm. Sein Nachfolger? Paolo Duca, der letzte Saison in Ambri als Sportchef zurückgetreten war. Er hat seither alle Hände voll damit zu tun, die Wogen zu glätten, nachdem auch der neue Trainer Marjamäki, Captain Kovar und Tatar auf die Abschussliste gerieten. Mit der Verpflichtung von Rohrer konnte der EVZ auch für positive Schlagzeilen sorgen. Der Österreicher mit Schweizer Lizenz, der zuletzt für den ZSC stürmte, wurde für vorerst ein Jahr von Montréal ausgeliehen. Zudem holte man mit Jacob Moverare von den Los Angeles Kings einen dritten Import-Verteidiger.

Bern: Umbau mit der Abrissbirne

Nach 28 Jahren endete die Lüthi-Ära mit dem Play-In-K.o. in Rapperswil. Wirds unter CEO-Nachfolger Jürg Fuhrer ruhiger? Noch nicht. Der vormalige COO Signer trägt als Chief Hockey Officer neu die sportliche Verantwortung, während Plüss unter ihm Sportchef bleibt. Ex-Rappi- und Kloten-Trainer Tomlinson kommt als Senior Hockey Consultant. Berlins Meistercoach Serge Aubin (ex ZSC) steht neu an der Bande. Im Team wurde der Umbau mit der Abrissbirne vorangetrieben: Captain Untersander (zu Servette) und Vermin (Biel) mussten trotz laufenden Verträgen gehen. Mit Loeffel trennte man sich von einem dritten Routinier. Ihn schickte man im Tausch gegen den Schweiz-Kanadier Hughes nach Lausanne, um das Goalie-Problem endlich zu lösen. Dann kaufte man den hochtalentierten, aber eigenwilligen Offensivverteidiger Dionicio aus seinem Vertrag in Biel. Die Dienste von Tigers-Stürmer Rohrbach hatte man sich schon vor einem Jahr vorzeitig gesichert. Mit Sonny Milano, Rodrigo Abols und Verteidiger Ian Mitchell kommen drei neue Ausländer mit NHL-Vergangenheit. 

Biel: NHL-Star Skinner und die Folgsamen

Im Seeland ist fertig mit lustig. Der herausfordernde Dionicio (zu Bern) wurde im Sommer ebenso aussortiert wie Kneubühler, der die Offerten von Biel abgeschmettert und sich stattdessen ab 2027 bei Servette verpflichtet hatte. Man will offensichtlich nur noch Spieler, die folgsam sind. Als solcher wurde Vermin ausgemacht, der seinerseits in Bern ausgemustert wurde. Doch die neue Hauptattraktion ist NHL-Star Jeff Skinner, gestählt aus 1115 Spielen in der besten Liga der Welt. Die Verpflichtung von Zwerger (Ambri) eröffnet zusätzliche Optionen in der Offensive. Die zuletzt wacklige Defensive sollen der neue Ausländer Söderström und Rückkehrer Iakovenko stabilisieren. Dass sich Verteidiger-Juwel Blessing im Prospect Camp der Nati einen Kreuzbandriss zugezogen hat und die Saison verpassen wird, ist bitter.

SCL Tigers: So oder so eine einmalige Saison

Mit Rohrbach (Bern) und Felcman (Chicago/Rockford) mussten die Tigers erneut zwei Stützen ziehen lassen. Einen von ihnen soll der zum ewigen Talent mutierte Eggenberger (von Zug) ersetzen, zudem könnte sich der derzeit im Test befindende Ramsauer von Partnerteam Chur (24 Tore letzte Saison) für einen dauerhaften Aufenthalt aufdrängen. Die wichtigste Personalie erledigte Sportchef Müller im Juni – Trainer Paterlini hat seinen Vertrag bis 2029 verlängert. Zuvor wurde darüber spekuliert, dass die nächste Spielzeit die letzte des Zürchers im Emmental sein könnte. Viel erhofft man sich in Langnau von den beiden neuen schwedischen Stürmern Jonathan Dahlén und Emil Pettersson (beide von Timra). Die bevorstehende Saison wird so oder so einmalig – erstmals nehmen die SCL Tigers am Spengler Cup teil. 

Kloten: Sportchef Schödler im Tauschfieber

Ein spektakulärer Trainertausch läutete in Kloten die Off-Season ein: Marjamäki wurde trotz Vertrag der Wechsel nach Zug gestattet, dafür erhielt man den dort geschassten Liniger. Tauschen wie auf dem Pausenplatz mit Panini-Bildchen ist bei Sportchef Schödler ohnehin im Trend, als Nummer-1-Goalie Waeber bei Fribourg unterschrieb, sicherte er sich als Nachfolger kurzerhand den dortigen Altmeister Berra (39). Der dreifache WM-Silbergewinner ist denn auch der grosse Hoffnungsträger, dass es in der bevorstehenden Saison zu mehr als Rang 12 reicht. Dafür wäre es zudem ideal, wenn die von Lausanne geholten Prassl und Hügli einschlagen und den dorthin verabschiedeten Simic vergessen machen können. Als Sommererfolg ist es zu werten, dass die Zürcher Unterländer den Vertrag mit ihrem wichtigsten Schweizer Stürmer Meyer langfristig verlängern konnten.

Ricardo Schödler.
Foto: keystone-sda.ch

Ambri: Mit Kindergeburtstag in die nächste Krise

Zuerst stabilisieren, dann der Wiederaufbau, bevor man ab 2029/30 wieder ein ernsthafter Playoffkandidat sein will – und im Zentrum dieser Strategie sollen die Jungen stehen. Dass es Ambri ernst ist, zeigte diese Woche die spezielle, an einen Kindergeburtstag erinnernde Wahl des Captain-Teams. Routinier Grassi wurde nach sechs Jahren als Capitano abgesetzt, sein Nachfolger ist Tommaso De Luca (21), assistiert von Borradori (20), der gerade mal elf NL-Spiele auf dem Buckel hat, sowie dem Kanadier Nate Schnarr (27), der noch keine Sekunde in unserer Liga gespielt hat. Will heissen: Die nächsten Krisen will Ambri mit jugendlichem Elan und frischem Blut im Lead meistern. Mit Zwerger (zu Biel) und Bürgler (Rücktritt) sind zwei prägende Figuren der Vergangenheit nicht mehr dabei, gekommen sind neben drei neuen Ausländern (Schnarr, Roby Järventie, Petr Kodytek) mit Forget, Bosson (beide 20) und Jacopo De Luca (19) drei Youngster.

Ajoie: Dank Finnen endlich gewinnen

Seit dem Aufstieg 2021 wurden die Jurassier fünf Mal Letzter. Und nur einmal stieg Sportchef Vauclair nicht an die Bande. Nun hat er mit Peltonen (bisher Servette) einen alten Bekannten als Trainer geholt. Gemeinsam wurden sie 2006 mit Lugano Meister. Auf dem Schweizer Markt musste sich Vauclair einmal mehr mit Restposten begnügen. Da hilft es, dass Devos (36) nun Schweizer ist. Mit Kristian Tanus konnte man aber einen weiteren Finnen verpflichten, der in seiner Heimat mit überragenden Skorerwerten glänzte. Für Spektakel-Verteidiger «Zirkus Julius» Honka ist Ajoie nach Bern, Servette, Davos und Rappi bereits die fünfte Station in der Schweiz. Wird er im Team von Bruder Anttoni glücklich? Das Ausländer-Sextett komplettiert Ex-Lugano-Kanadier Carr. Goalie Keller wird nach dieser Saison derweil nach Genf abspringen.

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keystone-sda.ch

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