Darum gehts
- USA und Israel starteten Samstagmorgen Angriffe in Teheran gegen Irans Führung
- Ayatollah Ali Chamenei (†86) bei Bombenangriff getötet, Iran droht Vergeltung
- 32'000 Auslandschweizer in Konfliktregion, Swiss-Flüge nach Tel Aviv ausgesetzt
Explosionen hallten in den frühen Samstagmorgenstunden durch die Strassen Teherans. Die USA und Israel begannen überraschend ihre gemeinsame Militäroperation in der iranischen Hauptstadt. Das Ziel: mehrere Politiker und Militärs des Mullah-Regimes. Speziell der oberste Religionsführer, Ayatollah Ali Chamenei (†86), stand im Fokus der Angriffe.
Eine Reaktion des Iran liess nicht lange auf sich warten – während des ganzen Samstags herrschte in Israel und diversen Golfstaaten Luftalarm. Doch was ist bisher passiert? Wie ist die Situation im Nahen Osten? Blick liefert dir den Überblick.
Start der Angriffe
Die Amerikaner nennen die Operation «Epic Fury», die Israelis «Löwengebrüll». Ihr Ziel ist dasselbe: der Iran. US-Präsident Donald Trump (79) befahl koordinierte Angriffe auf zentrale Einrichtungen des iranischen Sicherheitsapparats. Zeitgleich griff Israel im Westiran Hunderte Raketenstarter an. Seither schlagen immer wieder Raketen im Iran ein – auch am Sonntagmorgen gehen die Angriffe weiter.
In einem Video auf Truth Social erklärte Trump, der Angriff würde «unmittelbare Bedrohungen durch das iranische Regime beseitigen». Israels Premier Benjamin Netanyahu (76) sieht die Offensive als entscheidend, um den Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern. «Es darf nicht zugelassen werden, dass sich das mörderische Terrorregime mit Atomwaffen ausrüstet, die es ihm ermöglichen würden, die gesamte Menschheit zu bedrohen.»
Bei den Angriffen dürften hohe zivile Opferzahlen entstanden sein. Bestätigte, unabhängig geprüfte Berichte gibt es bisher wenige. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim sollen bei einem Raketenangriff im Südiran jedoch 108 Schülerinnen einer Mädchenschule gestorben sein.
Gegenschläge des Iran
Am Samstagvormittag folgte dann die Reaktion aus dem Iran – die Armeeführung kündigte an, den Angreifern eine «historische Lektion» zu erteilen. Zum Ziel der Gegenschläge wurden bisher vor allem Israel und US-Militärbasen in der Region. Laut Berichten sollen Stützpunkte in Bahrain, Jordanien, Kuwait, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Irak im Fokus stehen.
Viele der Raketen konnten abgefangen werden. In einigen Staaten kam es jedoch auch zu Detonationen und Raketeneinschlägen. So brannte ein berühmtes Luxus-Hotel in Dubai, und in Bahrain flog eine Drohne in ein Hochhaus. Auch ein US-Marinestützpunkt in Bahrains Hauptstadt Manama wurde getroffen. In der Nacht auf Sonntag krachten zudem auch Drohnenteile in das ikonische Burj-Al-Arab-Hotel.
Bestätigte Todesopfer gab es bisher nur eines. Eine Person asiatischer Herkunft soll in Abu Dhabi gestorben sein. In Dubai wurden zwei Menschen verletzt. Bei einem Raketenangriff auf ein Quartier in Jerusalem sind am Sonntag zudem sechs Menschen gestorben. Kurz darauf meldete Kuwait einen Toten und 32 Verletzte bei Angriffen.
Grossflächige Luftraumsperrungen
Seit der Eskalation ist der Luftraum im Nahen Osten grösstenteils gesperrt. Verschiedene Karten von Flugdatenanbietern zeigen: Der Luftraum über Staaten wie Iran, Irak, Kuwait, Israel und Bahrain ist komplett leer.
Auch die Swiss gab am Samstag bekannt, Flüge von und in das Krisengebiet einzustellen oder zumindest einzuschränken. Verbindungen in die israelische Stadt Tel Aviv sind bis zum 7. März eingestellt, auch Verbindungen nach Dubai sind betroffen.
Touristen und Touristinnen sitzen fest
Wegen der geschlossenen Lufträume sind viele Touris derzeit in den Golfstaaten oder Israel gefangen – dies, während über ihren Köpfen regelmässig das Raketenabwehrsystem donnert. Auch mehrere Leser und Leserinnen meldeten sich aus dem Nahen Osten. Viele wissen nicht, wann sie nach Hause können. Aus Panik versuchten viele, auch Einheimische, aus den Städten zu flüchten – unzählige Aufnahmen zeigen Blechlawinen im Iran und in den Golfstaaten.
Das EDA hat derzeit Kenntnis von zusammengerechnet rund 32'000 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern sowie Reisenden in der Region. Berichte von getöteten oder verletzten Schweizer Staatsangehörigen gibt es keine – organisierte Ausreisen gibt es bisher nicht, das Departement steht aber mit aufgestocktem Kapazitäten mit Betroffenen in Kontakt.
Chamenei ist tot – was nun?
Seit Samstagabend schwirrten Gerüchte umher, der iranische Führer Ali Chamenei (†86) sei tot – bestätigt wurden diese Berichte schliesslich zuerst von den USA und Israel, dann auch vom Iran selbst. Trump erklärte, mit Chamenei sei «einer der bösesten Menschen der Geschichte» gestorben.
Iranische Staatsmedien berichteten am Sonntag, bei dem Bombenangriff auf Chameneis Haus seien auch viele seiner Familienmitglieder gestorben. Als Reaktion auf den Tod des Religionsführers kündigte der iranische Präsident Massud Peseschkian (71) an, Israel und die USA hätten einen «offenen Krieg» erklärt. «Der Iran betrachtet die Vergeltung und Blutrache an den Tätern und Drahtziehern dieses Verbrechens als Pflicht und legitimes Recht.»
Doch wie geht es jetzt weiter? Vorübergehend soll ein dreiköpfiger Rat das politisch extrem instabile Land führen. Die Verantwortung für die Übergangsphase sollen Präsident Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und ein Mitglied des Wächterrats übernehmen. Das berichteten iranische Staatsagenturen.
Als Symbol der Hoffnung gilt jetzt, mehr als jemals zuvor, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, Reza Pahlavi (65). Er lebt im Exil, widmete sich jedoch in einer Videobotschaft an das iranische Volk. Er sprach von entscheidenden Momenten, bat, aufmerksam zu bleiben und sich auf einen möglichen Wendepunkt vorzubereiten. Zur selben Zeit richtete er einen Appell an die Sicherheitskräfte, sich vom Regime zu befreien und dem Volk zu dienen. Noch ist ein Regimewechsel jedoch nicht gewiss.
Die Situation im Nahen Osten entwickelt sich laufend weiter. Alle neusten Informationen findest du in unserem Liveticker.